María Esperanza, die einst gefeierte kolumbianische Bolero-Sängerin, begeistert auch mit 93 Jahren noch mit ihrer Stimme und ihrer Lebensfreude. (Foto: Bastian Innfeld)
Peter Füssl · 06. Mär 2012 · CD-Tipp

Tord Gustavsen Quartet: The Well

Mit Tenorsaxophonist Tore Brunborg, Kontrabassist Mats Eilertsen und Drummer Jarle Vespestad hat der erfolgreiche norwegische Pianist Tord Gustavsen hörbar sein Dreamteam gefunden, das sich auf seinen meditativen Ausflügen in die unaufgeregte, aber höchst inspirierte Welt des zeitgenössischen Kammerjazz nordischen Zuschnitts als kongeniales Gespann erweist.

Gustavsens Kompositionen verraten mit ihren hymnischen Zügen seine Vorliebe für Kirchenmusik und bezaubern mit ihrer unglaublichen Wärme und intensiven Strahlkraft. Das fängt oftmals mit einigen sanft hingetupften Klavierakkorden, einigen zarten Bogenstrichen auf dem Bass und ein paar dezenten Schlägen auf die Becken an, um nach einigen Minuten kontinuierlicher Entwicklung schlussendlich eine Sogwirkung zu entfachen, der man sich nicht entziehen will. Dass dabei gleichermaßen intensives wie perfektes Zusammenspiel wichtiger ist als virtuose Soli, versteht sich von selbst. Von besonderer Expressivität sind die singenden Tenorsax-Linien Tore Brunborgs, die sich aber stets unaufgeregt in die allumfassende Harmonie einfügen. Alles ist in perfekter Balance, und trotzdem wirkt nichts kühl konstruiert. Jedes musikalische Detail ist von Bedeutung. „Ein Ton, der nicht zählt, sollte nicht gespielt werden“, lautet Tord Gustavsens musikalisches Credo. Das ist ihm auf „The Well“ perfekt gelungen – hier ist in der Tat kein Ton zu viel und keiner zu wenig.
(ECM/Vertrieb: www.lotusrecords.at)