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CD-Tipp

Tobias Wiklund: Silver Needle
CD-Tipp
27.07.2022 Peter Füssl

Selten gelingt es jemand so perfekt, die Qualitäten des Old-Time-Jazz dermaßen stimmig in zeitgemäße musikalische Kompositionen einzubeziehen, wie dem 36-jährigen Schweden Tobias Wiklund. Als Trompeter spielt er unter anderem in der Danish Radio Big Band oder im Stockholm Jazz Orchestra, in seiner akustisch orientierten Working Band bevorzugt er aber das im Gegenwarts-Jazz eher selten zu hörende Kornett. Von den ersten Takten des Openers „Existence Is Your Perfume“ weg wird man vom dunklen, warmen und runden Ton dieses Instruments verzaubert, das zwar nicht die Höhe und Strahlkraft der Trompete erreicht, aber dafür über ganz besondere emotionale Qualitäten verfügt. Ur-Jazzer wie Bix Beiderbecke, Red Nichols, King Oliver, Rex Stewart oder Louis Armstrong wussten das durchaus zu nutzen.

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Jazz At Berlin Philharmonic XIII: Celebrating Mingus 100
CD-Tipp
20.07.2022 Peter Füssl

Der Kontrabassist Georg Breinschmid vereint exzellente Spieltechnik mit überbordender Kreativität und genialem Spielwitz – folglich ist er die Idealbesetzung für eine Hommage auf Charles Mingus, der am 22. April hundert Jahre alt geworden wäre, zumal der Wiener Ex-Philharmoniker schon vor bald fünfzehn Jahren ein hervorragendes Mingus-Projekt mit österreichischen Spitzenjazzern realisiert hatte. Keineswegs weniger aufsehenerregend ist das umfangreiche und vielschichtige Oeuvre des schwedischen Saxophonisten/Klarinettisten/Flötisten Magnus Lindgren, der von ACT-Chef Siggi Loch als Co-Leader des neunköpfigen Ensembles eingeladen wurde, das am 13.4.2022 in der Berliner Philharmonie sechs der populärsten Mingus-Kompositionen live vor Publikum einspielte.

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Angel Olsen: Big Time
CD-Tipp
13.07.2022 Peter Füssl

Im Video zum Opener „All The Good Times“ nimmt Angel Olsen ganz offensichtlich Abschied von ihrer eigenen Vergangenheit: „So long, farewell, this is the end, I’ll always remember you just like a friend“ singt sie ihrer alten Identität nach, denn vor einem Jahr hatte die damals 34-jährige Singer-Songwriterin auf Instagram mit den Zeilen „My beau, I’m gay“ ihr queeres Coming-Out, das sie als Befreiungsschlag empfand. Die emotional höchst mitteilsame Sängerin hat auch auf den Vorgänger-Alben ihr Herz niemals zur Mördergrube gemacht, und es ist wenig verwunderlich, dass sie die Fans nun auch an ihrer neugewonnenen Freiheit, an den optimistisch stimmenden Perspektiven und an ihrer neue Liebe teilhaben lässt – etwa beim gemütlich schunkelnden, schwärmerischen Titelsong „Big Time“, oder beim sich dramatisch aufbäumenden „Go Home“ („Forget the old dream / I got a new thing.“).

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Michael Köhlmeier – Harri Stojka: Michael Köhlmeier erzählt Roma Märchen
CD-Tipp
07.07.2022 Peter Füssl

Ob klassische Sagen des Altertums, die Nibelungensage, Sagen aus Österreich oder Grimms Märchen – es gibt wenig Vergnüglicheres, als Michael Köhlmeier beim Erzählen zuzuhören. Das ist ein zusätzliches Alleinstellungsmerkmal des erfolgreichen Autors, dem es mit spielerischer Leichtigkeit gelingt, auch vermeintlich schon Bekanntem nochmals phantasievoll und redegewandt neues Leben einzuhauchen. Bereits 2009 ging er mit dem renommierten Gitarristen Harri Stojka aus der Lovara-Rom-Dynastie vom Stamm der Bagareschtschi mit einer Handvoll ausgewählter Roma-Märchen auf Tournee.

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Andrew Bird: Inside Problems
CD-Tipp
05.07.2022 Peter Füssl

Im 2019er-Album „My Finest Work Yet“ beschäftigte er sich im Gefolge des Wahlsiegs von Donald Trump und der Spaltung der US-Gesellschaft in niemals oberflächlich politischen, sondern ambivalenten Texten mit dem Wesen des Despotismus, mit Apathie und Widerstand und mit politischer Brandstiftung in Zeiten grassierender Charakterlosigkeit. 2020 veröffentlichte er unter dem Titel „Hark!“ ein völlig aus der Reihe tanzendes Christmas-Album mit von Covid inspirierten Weihnachtsliedern, winterlichen Versionen von John Prines „Souvenirs“ oder John Cales „Andalucia“ und einem zur Geige gepfiffenen Schubert-Stück. 2021 tauchte er dann mit seinem Langzeit-Kumpel Jimbo Mathus von den Squirrel Nut Zippers stilistisch tief in traditionelle Country-, Bluegrass-, Folk- und Blues-Gefilde ab, um nun mit seinem 15. Soloalbum „Inside Problems“ wieder aufzutauchen und ganz andere Wege zu beschreiten.

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Charles Lloyd Trios: Chapel
CD-Tipp
30.06.2022 Peter Füssl

Während sich die meisten Menschen im neunten Lebensjahrzehnt längst geruhsam auf das Altenteil zurückgezogen haben, erfährt Charles Lloyd einen Kreativitätsschub nach dem anderen. Nach den exzellenten Produktionen „8: Kindred Spirits“ und „Tone Poem“ plant der 84-Jährige heuer nun innerhalb von vier Monaten drei Alben in drei unterschiedlichen Trio-Besetzungen zu veröffentlichen. Den Schlusspunkt wird Ende Oktober „Trios: Sacred Thread“ mit Gitarrist Julian Lage und Tabla-Virtuose Zakir Hussain setzen, Ende August erscheint „Trios: Ocean“ mit Gitarrist Anthony Wilson und Pianist Gerald Clayton, und Ende Juni hat „Trios: Chapel“ den von Lloyd als „Trio of Trios“ bezeichneten Reigen eröffnet. „Chapel“ verweist auf die Elizabeth Huth Coates Chapel an der Southwest School of Art in San Antonio/Texas, wo Charles Lloyd den ersten Auftritt dieses formidablen Trios mit Gitarrist Bill Frisell und Kontrabassist Thomas Morgan live mitschneiden ließ.

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Oded Tzur: Isabela
CD-Tipp
15.06.2022 Peter Füssl

Der in Tel Aviv aufgewachsene und in New York lebende Tenorsaxophonist Oded Tzur verbindet in seinem gut 35-minütigen, fünfteiligen, Suite-artigen Kompositionsreigen auf eigenwillige und höchst einfallsreiche Weise seine Vorlieben für traditionelle nordindische Musik, Jazz und Blues: „Eine Möglichkeit, einen Raga zu definieren, besteht darin, ihn als eine abstrakte Persönlichkeit zu betrachten, die aus Klang erschaffen ist. Manche Musiker würden ihn sogar als eine Präsenz bezeichnen, die man zum Leben erwecken muss. Das ist der Punkt, an dem es keine Tonleiter mehr ist, sondern etwas, das so viel mehr ist als eine Abfolge von Noten. In diesem Sinne ist der Blues genau wie ein Raga. Er hat eine Tonleiter, aber er ist nicht einfach eine Tonleiter. Er ist eine abstrakte Persönlichkeit, die so charakteristisch ist, dass man nur eine Phrase davon hören muss, und schon sagen kann: ‚Das ist Blues‘ – wie eine Person, die man von Weitem kennt.“

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Florence + The Machine: Dance Fever
CD-Tipp
08.06.2022 Peter Füssl

„I came for the pleasure, but I stayed, yes I stayed for the pain“ – diese Zeile aus dem gospelartigen „Back in Town“ könnte man als inhaltliche Klammer über das gesamte fünfte Studioalbum von Florence Welch spannen, die einerseits vor Lebenslust sprüht und andrerseits mit Dämonen aller Art zu kämpfen hat. Wie gerne würde sie sich nach zwei Jahren Corona-Pandemie-Wahnsinn ganz einfach ins Tanzfieber flüchten! Selbst wenn es sich um jenen aus spätmittelalterlichen Berichten bekannten, mysteriösen Tanzrausch handeln sollte, der die in Ekstase verfallenen Menschenmassen stundenlang hysterisch bis zur völligen Erschöpfung oder gar bis zum Tod tanzen lässt, was Welch im mit von nervösen elektronischen Handclaps begleiteten „Choreomania“ besingt. Aber das tänzerische Verlangen steht dann doch nicht ganz so im Vordergrund, wie es der Albumtitel erscheinen lässt.

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John Scofield: John Scofield
CD-Tipp
02.06.2022 Peter Füssl

Wo „John Scofield“ draufsteht, ist „John Scofield“ drinnen – denn er hat längst über Genregrenzen hinweg einen unverwechselbaren, leicht verzerrten und verhallten, aber zumeist gelassenen und entspannt wirkenden Ton und Stil entwickelt, der ihn zu den einflussreichsten und meistbeschäftigten Jazz-Gitarristen der Gegenwart werden ließ. Das gilt für die knapp fünfzig unter seinem Namen erschienenen Alben in einer ebenso viele Jahre umspannenden Musikerkarriere, aber auch für die unzähligen Kollaborationen mit prominenten Zeitgenossen: von Gerry Mulligan und Chet Baker, über Gary Burton, Billy Cobham und George Duke zu Herbie Hancock, Steve Swallow und Joe Henderson, von Miles Davis und McCoy Tyner, über Marc Johnson und Bill Frisell zu Joe Lovano – die Liste ließe sich noch lange fortsetzen. Da erscheint es doch einigermaßen verwunderlich, dass John Scofield nun erst im Alter von 70 Jahren sein erstes Soloalbum herausbringt.

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Kendrick Lamar: Mr. Morale & The Big Steppers
CD-Tipp
26.05.2022 Peter Füssl

Das wie ein Schnappschuss wirkende, aber von Renell Medrano perfekt inszenierte Familienfoto mit dem Star auf dem Cover eröffnet eine Menge widersprüchlicher Interpretationsebenen, was charakteristisch ist für das gesamte fünfte Album von Kendrick Lamar, auf das die Fans seit genau 1.855 Tagen gewartet haben, wie der vielleicht wichtigste Rapper der Gegenwart im einleitenden Stück wissen lässt. Vater Kendrick trägt eine Dornenkrone auf dem Kopf – möglicherweise ein zarter Verweis auf die Hoffnungen vieler, die in Lamar eine Art Hip-Hop-Messias sehen, oder soll es nur veranschaulichen, was der von Kindheit an in Compton/L.A. schon alles erleiden musste? Er hält eines seiner Kinder im Arm, die Mutter, seine Lebensgefährtin Whitney Alford, sitzt im Hintergrund und drückt den zweiten Sprössling an ihren Körper. Man schaut aneinander vorbei, und es bleibt auf nervenaufreibende Weise offen, ob die in Lamars Hosenbund steckende Knarre als Symbol für fürsorglichen Schutz oder als Bedrohung zu verstehen ist.

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David Helbock & Camille Bertault: Playground
Camille Bertault und David Helbock erweisen sich auf dem Vocal-Piano-Album„Playground“ als kongeniales Dream-Team (© ACT/Joanna Wizmur)
CD-Tipp
19.05.2022 Peter Füssl

Der aus Koblach stammende Pianist David Helbock hatte schon einige exzellente Alben im Gepäck (etwa seine Prince-Hommage „Purple“), als er 2016 bei ACT andockte, wo seine Karriere so richtig an Fahrt aufnahm. Mittlerweile hat er beim renommierten Münchner Jazz-Label vier hochgelobte Produktionen veröffentlicht: seine solo eingespielte Hommage an die Filmmusik-Legende John Williams, sowie drei Trio-Alben mit unterschiedlichen Besetzungen. Zuletzt „The New Cool“ mit den Berlinern Sebastian Studnitzky/Arne Jansen, davor „Into The Mystic“ mit Raphael Preuschl/Reinhold Schmölzer und „Tour d’Horizon – from Brubeck to Zawinul“ mit seinen Vorarlberger Random/Control-Kollegen Andreas Broger und Johannes Bär. Die Corona-Pandemie brachte mit ihren Lockdown-bedingten Konzertbeschränkungen, Tournee-Absagen und Reiseerschwernissen natürlich – wie für alle Musiker:innen – auch für David Helbock schmerzhafte Einschränkungen und Einbußen mit sich. Nun betritt er aber wieder musikalisches Neuland, denn Ende Mai wird das Album „Playground“ erscheinen, das er im Duo mit der Sängerin Camille Bertault aufgenommen hat. Wer ihre 2018 und 2020 bei OKeh/Sony erschienenen Alben „Pas de géant“ und „Le Tigre“ kennt, weiß allerdings, dass der Begriff „Sängerin“ für die Charakterisierung der 35-jährigen Französin einigermaßen unzulänglich ist, denn Madame verzückt das Publikum mit Vokalartistik allererster Güte.

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Tuomas A. Turunen: Lifesparks
CD-Tipp
17.05.2022 Peter Füssl

„Viele dieser Songs sind wie musikalische Illustrationen einfacher, aber wertvoller Momente aus meinem Alltagsleben. Zuzusehen, wie mein Sohn spielt und aufwächst, oder einfach mit meinen Liebsten zusammen zu sein ... Oft sind die einfachsten Momente die allerwertvollsten. Nichtsdestotrotz verweisen einige Titel auch auf dramatische Situationen in der Vergangenheit oder auf einige unvergessliche Ausbrüche der Freude. Diese kleinen und großen Momente haben die Musik dieses Albums inspiriert – sie sind die speziellen Gewürze, die den einzigartigen Geschmack der Welt ausmachen, wie ich sie erlebe. Ich nenne diese Momente ‚Lifesparks‘.“ Und diese „Lebensfunken“ bringt Tuomas A. Turunen auch tatsächlich zum Erglühen und zum Leuchten!

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Jakob Manz & Johanna Summer: The Gallery Concerts I
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12.05.2022 Peter Füssl

Jazz-Kenner, die sich dieses Album ohne Vorinformationen anhörten, würden wahrscheinlich mutmaßen, sie hätten es hier mit über Jahrzehnte im einschlägigen Business aktiven Jazz-Cracks zu tun, die aus einem breitgefächerten musikalischen Fundus schöpfen können. Kaum jemand würde annehmen, dass eine gerade einmal 26-Jährige die Tastatur des einstmals von Alfred Brendel gespielten Konzertflügels zum Glühen bringt und das emotionsgeladene Altsaxophon von einem 30-Jährigen geblasen wird. Tatsächlich zählen Johanna Summer und Jakob Manz zu den ganz großen, schon vielfach ausgezeichneten Talenten der jungen deutschen Jazz-Garde, und beide haben unabhängig voneinander im April 2020 sehr erfolgreich beim Münchner Jazz-Label ACT debütiert.

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Johannes Berauer: Vienna Chamber Diaries plus Strings
CD-Tipp
10.05.2022 Peter Füssl

„Ich wollte Musik schaffen, die sich innerhalb eines Augenblicks von intimer fragiler Kammermusik, über treibende Grooves einer Jazz-Combo hin zu vollem orchestralen Klang wandeln kann“, so beschreibt der 42-jährige Komponist, Dirigent und Pianist Johannes Berauer den Ausgangspunkt für sein sich nun schon über zehn Jahre und drei Alben erstreckendes Langzeit-Projekt „Vienna Chamber Diaries“, das in dieser Jubiläums-Ausgabe zusätzlich mit einer zehnköpfigen Streichersektion veredelt wird.

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BartolomeyBittmann: zehn
CD-Tipp
05.05.2022 Peter Füssl

Zwischen BartolomeyBittmann passt nun also schon seit zehn Jahren kein Leerzeichen mehr hinein, wie auch dieses grandiose Jubiläumsalbum einmal mehr beweist. Seit 2012 basteln der Cellist Matthias Bartolomey und der Violinist und Mandolaspieler Klemens Bittmann unter dem programmatischen Subtitel „progressive strings vienna“ mit ungeheurem Elan und höchst erfolgreich an einer völlig eigenständigen, zeitgemäßen Sprache für ihre eigentlich als typisch klassisch konnotierten Instrumente. Dabei mag das verwendete Vokabular vielleicht aus Jazz, Rock, Barock, Minimal Music, Noise oder traditioneller Folklore stammen, aber die Zusammenschau dieser Stile zu absolut organisch wirkenden neuen Ausdrucksformen ist atemberaubend.

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Jon Balke Siwan: Hafla
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03.05.2022 Peter Füssl

Der Pianist, Keyboarder und Komponist Jon Balke zählt nicht nur zu den einfallsreichsten Köpfen der nordischen Musikszene, sondern nunmehr auch schon seit 1975 zu den Aktivposten des renommierten Münchner ECM-Labels, wo er auf mehr als zwei Dutzend Alben vertreten ist. Eines seiner interessantesten, aber auch im besten Sinne schönsten Projekte ist das 2009 gegründete Ensemble Siwan, für das der Norweger aus den unterschiedlichsten Traditionen und Genres stammende Musiker:innen vereint, um der Dichtung und der Musik von al-Ándalus nachzuspüren und ihnen neues, zeitgemäßes Leben einzuhauchen. Er lässt sich viel Zeit zwischen den Produktionen, nach dem Debüt und dem 2017 erschienen „Nahnou Houm“ ist „Hafla“ erst das dritte Siwan-Album in dreizehn Jahren, aber jedes ist ein wahres Kleinod.

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Rosalía: Motomami
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27.04.2022 Peter Füssl

Vor drei Jahren hat die aus einem kleinen Nest in Katalonien stammende, damals 25-jährige Rosalía Vila Tobella – kurz Rosalía genannt – mit ihrem zweiten, gerade einmal dreißig Minuten langen Album „El Mal Querer“ die Pop-Welt ins Staunen versetzt. Es war so etwas wie die Abschlussarbeit ihres traditionellen Flamenco- und Musikproduktion-Studiums am renommierten Catalunya College of Music in Barcelona, die alle Regeln sprengte. Mit einer intensiven Melange aus Flamenco, Electronic-Pop und Latin-Elementen kreierte sie einen noch nie gehörten Sound, der in Kombination mit ihrer höchst wandlungsfähigen, ausdrucksstarken Stimme ein wahres Feuerwerk an Emotionen entfachte. Zur Empörung traditionalistischer spanischer Kreise, aber umjubelt von den sich blitzartig vermehrenden Fans und vom internationalen Musik-Feuilleton. Und gejubelt wird auch jetzt wieder, noch dazu in weit größerem Maße, denn die mittlerweile 28-Jährige erfüllt mit dem Nachfolge-Album „Motomami“ mit spielerischer Leichtigkeit die in sie gesetzten hohen Erwartungen als unkonventionelle Erneuerin der Pop-Musik.

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Jean-Michel Blais: Aubades
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19.04.2022 Peter Füssl

Wer sich über die ohnehin ständig fluktuierenden Grenzen zwischen Schönheit und Kitsch wenig Gedanken machen will und sich an den Werken von Neo- oder Post-Klassikern wie Nils Frahm, Max Richter, Ólafur Arnalds oder Ludovico Einaudi erfreut, kann sich sicherlich auch für das vierte Album des jungen Kanadiers Jean-Michel Blais begeistern. Der 36-jährige Komponist und Pianist aus Montreal schöpft wie viele Vertreter dieses Genres aus Klassik bzw. Romantik, Jazz und Minimal Music. Als Bezugspunkte können die üblichen Verdächtigen Chopin, Satie oder Glass genannt werden, aber auch Ravel und der Ambient-Komponist Harold Budd.

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Shake Stew: Heat
CD-Tipp
12.04.2022 Peter Füssl

Angesichts des aufregenden musikalischen Outputs dieser 2016 vom Bassisten Lukas Kranzelbinder gegründeten österreichischen Formation, die längst die international wichtigen Clubs, bedeutsamen Festivals und einflussreichsten Feuilleton-Seiten erobert hat, kann man den Titel „Heat“ für das mittlerweile fünfte Album gleich auch als passenden kleinsten Nenner für das Gesamtkonzept unterschreiben. Zwar bläst nun Astrid Wiesinger statt Clemens Salesny das Altsaxophon, an der grundsätzlichen Ausrichtung des mit zwei Bassisten (Kranzelbinder, Oliver Potratz), zwei Drummern (Niki Dolp, Herbert Pirkner), zwei Saxophonisten (Wiesinger, Johannes Schleiermacher) und dem Trompeter Mario Rom schon vom Formalen her außergewöhnlich besetzten Ensemble hat sich aber nichts verändert.

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Tone of Voice Orchestra: Tone of Voice Orchestra
CD-Tipp
05.04.2022 Peter Füssl

Manchmal kann es ein spannendes Vergnügen sein, eine unbekannte Band ohne jegliche Vorinformation aufzulegen. Hurdy-Gurdy und Dudelsack zum Auftakt. Schottisch? Irisch? Dann kommen perfekt aufeinander abgestimmte Frauenstimmen und ein seltsam groovender Bass dazu. Mittelalter-Rock? Avant-Folk? Aber schon wendet ein energiegeladenes Sax das musikalische Geschehen in Richtung Jazz, und die anfängliche Verblüffung schlägt in Begeisterung um.

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