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CD-Tipp

Julien Baker: Little Oblivions
CD-Tipp
06.04.2021 Peter Füssl

Selbstzweifel, Schmerz, Seelenpein, Identitätskonflikte, Schuldgefühle, religiöse Obsessionen, Verzweiflung, Zerrissenheit, Selbstbetrug, Kontrollverlust, Leid und Leidenschaft – die Welt der Singer-Songwriterin Julien Baker aus Memphis/Tennessee war immer schon ein Jammertal, aber eines, das der expressiven Sängerin in der Welt des Alternative-Folk und des Indie-Pop zu einem glänzenden Renommee verhalf.

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Valerie June: The Moon and Stars. Prescriptions for Dreamers
CD-Tipp
01.04.2021 Peter Füssl

Valerie June Hockett ist in Memphis/Tennessee aufgewachsen, wo sie als Valerie June mit Roots Music auf zwei selbstverlegten Alben erstmals auf sich aufmerksam machte, ehe sie nach Brooklyn zog und 2013 unter Mithilfe von „The Black Keys“-Gitarrist Dan Auerbach mit dem Album „Pushin‘ Against a Stone“ den Sprung auf ein Major-Label und die stilistische Erweiterung in Richtung, Funk, Soul und R’n’B schaffte. Ein Karrieresprung, den sie mit dem 2017 erschienenen „The Order of Time“ festigte. Mit ihrem fünften Album feiert die 39-Jährige nun mit ihren poetischen Texten die subversive Kraft des Träumens – ideologisch angelehnt an große, gesellschaftlich relevante Träumer wie Martin Luther King oder John Lennon – gepaart mit Meditationen, Gedanken zur Selbstfindung, zur Selbstermächtigung, zur Kraft der Phantasie, zur Liebe, zum Scheitern.

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Charles Lloyd & The Marvels: Tone Poem
CD-Tipp
30.03.2021 Peter Füssl

The Marvels, also „die Wunder“, nennt Charles Lloyd seine seit 2016 bestehende Band mit Gitarrist Bill Frisell, Steelgitarrist Greg Leisz, Bassist Reuben Rogers und Drummer Eric Harland – und das wirkt angesichts des nunmehr dritten Albums dieses exzellent aufeinander eingespielten Quintetts keineswegs übertrieben. Im Gegensatz zu den Vorgängeralben, auf denen Norah Jones, Willie Nelson und Lucinda Williams für vokale Glanzlichter sorgten, verlässt man sich dieses Mal völlig auf die instrumentale Brillanz der Akteure, die mit großer Entspanntheit, aber durchaus nicht unspannend ans Werk gehen.

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David Helbock: The New Cool
CD-Tipp
24.03.2021 Peter Füssl

Vorarlbergs (wenn nicht Österreichs) Jazz-Export Nr. 1 David Helbock wächst im renommierten Münchner Jazz-Label ACT langsam aber sicher zu einer der zentralen Künstlerpersönlichkeiten heran. So platziert ihn der legendäre Musikproduzent und ACT-Chef Siggi Loch im aktuellen Sampler „Romantic Freedom: Blue in Green“, einem Überblick über die hervorragenden Pianisten des Labels (unter anderem Michael Wollny, Joachim Kühn, Esbjörn Svensson, Iiro Rantala, Bugge Wesseltoft) in der Pole-Position. Beinahe gleichzeitig erscheint das neue Album „téchne“ der Münchner Jazzrausch Bigband, die mit ihrer innovativen Mischung aus Techno-Sound und Bigband Jazz gerade international einiges Aufsehen erregt – auf zwei Titeln ist David Helbock als „special guest“ zu hören, einmal solo, einmal mit seinem Trio Random/Control mit Johannes Bär und Andreas Broger. Das alles tritt aber in den Hintergrund in Anbetracht von David Helbocks eigenem neuen Album „The New Cool“, das er mit seinem neuen Trio mit dem Trompeter Sebastian Studnitzky und dem Gitarristen Arne Jansen präsentiert.

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Larry Coryell & Philip Catherine: Jazz at Berlin Philharmonic XI: The Last Call
CD-Tipp
18.03.2021 Peter Füssl

Jazz at Berlin Philharmonic XI: The Last Call Das 1980 aufgenommene und ein Jahr später erschienene Album „Friday Night In San Francisco” von Paco de Lucía, John McLaughlin und Al Di Meola mag zwar das bekannteste und finanziell erfolgreichste Live-Akustikgitarren-Album aller Zeiten sein, manche Jazz-Fans erinnern sich aber an eine Europa-Tournee 1979/80, wo noch Larry Coryell anstelle Di Meolas spielte. Gitarristische Feinspitze, die nicht ausschließlich im Schnelle-Finger-Superlativ dachten, wussten aber ohnehin auch die schon ein paar Jahre früher – nämlich 1977 und 1978 – veröffentlichten Duo-Alben „Twin-House“ und „Splendid“ des Texaners Coryell und des in London geborenen Belgiers Philip Catherine zu schätzen. Ersterer zählte zu den Jazz-Rock-Pionieren, während Letzerer von Django Reinhardt beeinflusst war, was eine spannende, atmosphärisch höchst ansprechende Melange ergab.

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Joachim Kühn: Touch the Light
CD-Tipp
11.03.2021 Peter Füssl

Der 77-jährige Joachim Kühn bewegte sich seit mehr als einem halben Jahrhundert in den unterschiedlichsten Konstellationen und Formationen souverän im Spannungsfeld zwischen Bach und Free Jazz, Fusion und Ethno-Jazz. Er kann auch auf ein Dutzend exzellenter Solo-Alben verweisen – zuletzt etwa auf das 2019 erschienene „Melodic Ornette Coleman“, eine spannende Auseinandersetzung mit dem Free Jazz-Titanen und seinen nicht immer ganz leicht verdaulichen „Harmolodics“. Während er damals auf faszinierende Weise mit unglaublicher Intensität und teils wahnwitziger Piano-Artistik den melodischen Reichtum innerhalb der komplexen Strukturen freilegte, geht Kühn auf der neuen Produktion gänzlich andere Wege.

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Jakob Bro / Arve Henriksen / Jorge Rossy: Uma Elmo
CD-Tipp
09.03.2021 Peter Füssl

Es sind wundervoll lyrische, dunkle, irgendwie mystisch wirkende Seelenlandschaften, durch die uns der dänische Gitarrist Jakob Bro auf seinem fünften ECM-Album führt. Unaufgeregt, meditativ, in gemessenem Tempo, zurückhaltend, ohne große Ausbrüche, aber immer von einer inhärenten, unterschwelligen Spannung getragen, die eine wundervolle Stunde über neun Titel hinweg anhält.

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Black Country, New Road: For the First Time
CD-Tipp
04.03.2021 Peter Füssl

Die seit einiger Zeit unglaublich angesagte Szene um den Windmill-Club im Südlondoner Stadtteil Brixton spuckt eine unkonventionelle Band nach der anderen aus – Black Midi, Goat Girl, Fat White Family und nun auch Black Country, New Road. Der Bandname wurde originellerweise mittels Zufallsgenerators aus einem Verzeichnis englischer Straßennamen ausgewählt. Die drei Frauen und vier Männer, alle in den Zwanzigern, zur Hälfte klassisch ausgebildet, der Rest autodidaktisch unterwegs, entwickeln sich mit ihrem knapp 40 Minuten langen Debüt-Album „For the First Time“ gerade zu den absoluten Lieblingen des internationalen Musik-Feuilletons. Zu Recht!

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Celeste: Not Your Muse
CD-Tipp
02.03.2021 Peter Füssl

Referenzgrößen wie Amy Winehouse, Adele, Sade, Aretha Franklin oder gar Billie Holiday werden bemüht, um für die 26-jährige Celeste (bürgerlich: Celeste Epiphany Waite) die Werbetrommel zu rühren. Wäre nicht nötig, denn die bereits von der BBC als „Sound of 2020“ dekorierte, gleich auch mit dem „Rising Star Award“ der Brit Awards ausgezeichnete und nun mit dem für den Film „The Trial of The Chicago 7“ geschriebenen Song „Hear My Voice“ für den Golden Globe nominierte Sängerin, die seit zehn Jahren komponiert und veröffentlicht, hat eigentlich genügend Eigenprofil.

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Shai Maestro: Human
CD-Tipp
25.02.2021 Peter Füssl

Lyrische Schönheit und explosive Ausbrüche, Struktur und Dekonstruktion, Sinn für Tradition und unerschöpflicher Forschergeist – im sechsten Album unter seinem Namen, dem zweiten bei ECM, versucht der israelische Pianist Shai Maestro nicht weniger als eine musikalische Zusammenschau dessen, was sein mit verschiedenartigsten Eindrücken gespicktes Leben ausmacht. Es ist das Leben eines 34-jährigen Senkrechtstarters zwischen angesagter New Yorker Szene und seiner Heimat, in die ihn die Pandemie zurückgeführt hat.

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Kathrine Windfeld Big Band: Orca
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18.02.2021 Peter Füssl

Obwohl „Orca” bereits das vierte Album der 2014 gegründeten Kathrine Windfeld Big Band ist, dürfte die 36-jährige dänische Pianistin, Komponistin und Bandleaderin jenseits Skandinaviens selbst unter Big Band-Fans nur ein Geheimtipp sein. Dabei vermögen die impressionistischen Klangmalereien, die zwischen feingliedrigen, sensibel arrangierten Passagen und sich gewaltig auftürmenden Klanggewittern oszillieren, durchwegs zu fesseln.

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Diego Pinera: Odd Wisdom
CD-Tipp
16.02.2021 Peter Füssl

„Die krumme Metrik verleiht meiner Musik Leichtigkeit“ – um solch eine Aussage glaubwürdig tätigen zu können, muss man schon ein Rhythmiker vom Format Diego Pineras sein, der sich mit neun neuen Stücken auf seinem zweiten ACT-Album auch als einfallsreicher Komponist erweist. Latin-Rhythmen hat er quasi schon mit der Muttermilch in seiner Heimatstadt Montevideo aufgesogen, später an der Musik- und Kunsthochschule in Havanna verfeinert und schließlich am Berklee College of Music in Boston und an der Hochschule für Musik und Theater in Leipzig mit den Raffinessen des zeitgenössischen Jazz-Drumming kombiniert.

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Mario Rom’s Interzone: Eternal Fiction
CD-Tipp
09.02.2021 Peter Füssl

Mit „Eternal Fiction“ feiern Trompeter Mario Rom, Kontrabassist Lukas Kranzelbinder und Drummer Herbert Pirker ihr zehnjähriges Band-Jubiläum und gehen mit einer perfekt stimmenden Bandchemie wie schon auf den drei Vorgänger-Alben unglaublich kraftvoll, kreativ und abwechslungsreich ans Werk. Gestartet wird mit dem gleichermaßen lässig swingenden wie nachdenklich stimmenden Rumba „Are We Real?“, der unvermittelt in das nervös quirlige Bebop-Stück „No Measure of Health“ umschlägt, gefolgt vom kraftvoll-vorantreibenden Titelstück „Eternal Fiction“, das vom mystisch-melancholischen Ruhepol „You’ll Find Me No More“, dem einzigen Kranzlbinder-Stück unter lauter Rom-Kompositionen, abgelöst wird. Die Musiker hatten Ornette Coleman als Inspirationsquelle im Kopf, folglich ist stets mit Überraschungen zu rechnen.

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Goat Girl: On All Fours
CD-Tipp
04.02.2021 Peter Füssl

Vor zwei Jahren erregten vier junge Südlondonerinnen aus dem Umfeld des für die Alternativ-Szene äußerst einflussreichen The Windmill-Clubs – Sängerin Clottie Cream (bürgerlich: Lottie Pendlebury), Gitarristin L.E.D. (Ellie Rose Davies), Bassistin Naima Jelly (Naima Redina-Bock) und Drummerin Rosy Bones (Rosy Jones) – mit ihrem erfrischend unkonventionellen Debütalbum großes Aufsehen. Jetzt sind sie alle Anfang zwanzig, Holly Hole (Holly Mullineaux) hat anstelle von Bones den Bass übernommen, und im Gegensatz zum Erstling mit 19 Songs auf 40 Minuten enthält das Nachfolgealbum 13 Songs auf 50 Minuten, was auf ein etwas elaborierteres Songwriting schließen lässt.

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Joe Lovano / Trio Tapestry: Garden of Expression
CD-Tipp
02.02.2021 Peter Füssl

Auf das letztes Jahr begeistert aufgenommene Debüt-Album des Trio Tapestry, zugleich Joe Lovanos Debüt als Leader beim renommierten Münchner Label ECM, folgt nun mit „Garden of Expression“ ein nicht weniger stimmungsvolles Kleinod, das den wendigen und stets einfallsreichen Saxophonisten, die experimentierfreudige Pianistin Marilyn Crispell und den soundmalerischen Schlagzeuger Carmen Castaldi auf dem Höhepunkt ihrer Trio-Kunst präsentiert.

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Susanna Ridler: Geometrie der Seele
CD-Tipp
28.01.2021 Peter Füssl

Wer jemals das Glück hatte, Gert Jonke live zu erleben, war fasziniert, wie genial er Sprachskepsis und Sprachkritik, Sprachwitz, Ironie und Gesellschaftspolitisches, tiefsinnige Gedankengänge und phantasievolle, oft bis ins Surreale hineinreichende Spracherkundungen voller Poesie mit- und ineinander verwoben hat. Dabei entpuppte sich der vor- und nachher stets sympathisch zurückhaltend und freundlich agierende, zu den Großmeistern unter Österreichs Schriftstellern zählende Kärntner während der Lesung als ein sich rückhaltlos und impulsiv in seine mitunter schwindelerregenden Texte hineinlebender Interpret seiner selbst, dem man mit offenem Mund und größtem Vergnügen lauschte. Gert Jonkes Stimme aus Originalmitschnitten von Lesungen, Gesprächen und Interviews sozusagen als viertes Instrument neben Wolfgang Puschnig an Flöte/Altsaxophon, Peter Herbert am Kontrabass und ihre Stimme/Elektronik einzubauen, war folglich eine glänzende Idee Susanna Ridlers, die sich schon seit 2013 in unterschiedlichsten Projekten und Formationen eingehend mit dem tiefsinnigen Querdenker beschäftigte.

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The Nels Cline Singers: Share The Wealth
CD-Tipp
29.12.2020 Peter Füssl

Zwei fatalen Irrtümern darf man keineswegs aufsitzen: Nels Cline ist zwar seit 2004 Gitarrist bei Wilco, aber diese Musik hat überhaupt keinen Bezug zu den Alternative Country/Indie-Rock-Klängen der smarten Band aus Chicago, und zweitens: Trotz der Band-Bezeichnung „Singers“ handelt es sich um ein reines Instrumental-Album. Und was für eines! Allerdings absolut nichts für schwache Nerven oder Menschen, die sich nicht vorbehaltlos in ein musikalisches Abenteuer weit jenseits üblicher Hörgewohnheiten fallen lassen können.

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Frank Woeste: Pocket Rhapsody II
CD-Tipp
22.12.2020 Peter Füssl

Obwohl Frank Woeste vor vier Jahren mit seinem ACT-Debüt „Pocket Rhapsody“ ein exzellentes Album vorgelegt hat, kennt man den aus Hannover stammenden und seit mehr als 20 Jahren in Paris lebenden Pianisten international am ehesten noch als Tastenmann in der Band des Trompeters Ibrahim Maalouf. Vermutlich ändert sich das nun mit „Pocket Rhapsody II“, denn Woeste erweist sich einmal mehr als ausgesprochen kreativer Komponist, dessen songartigen Stücke durch starke Melodien, harmonische Raffinesse und treibende, oftmals fast hypnotisch wirkende Rhythmen geprägt sind. Manches erinnert nicht zufällig an Maalouf, weil Woeste dessen Leibarrangeur ist.

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Ólafur Arnalds: Some Kind 0f Peace
CD-Tipp
17.12.2020 Peter Füssl

Wenn der Ausdruck „Seelenmusik” jemals angebracht war, dann hier! Nach dem technologisch-experimentellen, unter anderem mit einem ganzen Arsenal an elektronischen Instrumenten, inklusive selbstspielender Stratus-Klaviere realisierten 2018-er Album „Re:member“ und einer Welttournee mit 140 Konzerten, hat Ólafur Arnalds mit „Some Kind of Peace“ sich und uns nun einen Ruhepol, einen Ort der Erholung und Kontemplation geschaffen. Es sei sein persönlichstes, von autobiographischen Erlebnissen inspiriertes Album, erklärt der 34-jährige Isländer, dessen zwischen Neo-Klassik, Pop, Rock und Elektronik pendelnde Kompositionen jenseits allen Kitsches einen universal wirksamen Wohlklang verströmen.

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Shalosh: Broken Balance
CD-Tipp
15.12.2020 Peter Füssl

„Wir wollten die Extreme mehr ausreizen, wollten mehr links und rechts schauen und dramatischer sein. Emotion ist wichtiger als Intellekt“, erklären Pianist Gadi Stern, Kontrabassist David Michaeli und Drummer Matan Assayag zum neuen Album. Dabei war doch schon das 2019 erschienene ACT-Debüt „onwards and upwards“ ein grandioses Sammelsurium waghalsiger musikalischer Ideen, die sich auf wundersame Weise dennoch in einem alles überlagernden, durchgängigen Flow zusammenfügten.

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