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CD-Tipp

Michel Benita: Looking At Sounds
CD-Tipp
15.10.2020 Peter Füssl

Kontrabassist Michel Benita, seit vierzig Jahren eine der zentralen und vielbeschäftigten Figuren der umtriebigen französischen Jazzszene, hat ein exzellentes Händchen für schöne, eingängige Melodien und ein Faible für spezielle Soundideen. Ersterem wird er mit einem knappen Dutzend neuer Eigenkompositionen für dieses Nachfolge-Album zu seinem 2016 erschienenen ECM-Debüt „River Silver“ gerecht, Letzteres betreffend integriert er dieses Mal anstelle der japanischen Koto-Virtuosin Mieko Miyazaki und des norwegischen Gitarristen Eivind Aarset den Belgier Jozef Dumoulin auf der Fender Rhodes.

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Betty LaVette: Blackbirds
CD-Tipp
13.10.2020 Peter Füssl

„Alles, was sie singt, ist geprägt von der wilden, bekenntnishaften Intensität einer Künstlerin, die gerade so überlebt hat, um ihre Geschichte zu erzählen“, schreibt die „New York Times“, und in der Tat ist die nunmehr sechs Jahrzehnte andauernde Karriere von Bettye LaVette mit vielen Erfolgen und noch mehr Niederlagen gespickt. Als Teenager in den Hitparaden, bald mit den ganz Großen auf der Bühne, dann immer wieder hoffnungsvolle Projekte im Visier, die ebenso sicher wieder in der Versenkung verschwinden. Die falschen Männer im Bett, den falschen Whiskey im Glas, wie ihre Autobiographie „A Woman Like Me“ nahelegt, und nicht zu vergessen, wie viele talentierte schwarze Frauen ihrer Generation von der Musikindustrie erbarmungslos ausgenützt.

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Sevdaliza: Shabrang
CD-Tipp
08.10.2020 Peter Füssl

Das außergewöhnliche Coverfoto der in Teheran geborenen und ab ihrem fünften Lebensjahr in den Niederlanden aufgewachsenen Sevdaliza (amtlich: Sevda Alizadeh) assoziiert man auf den ersten Blick mit Gewalttätigkeit, Misshandlung und Verletzung. Zwar bilden auch – wie auf ihrem vor drei Jahren erschienenen Debütalbum „Ison“ – Erfahrungen von Leid, Enttäuschungen und Verlusten den Hintergrund ihrer 14 neuen Songs, im Vordergrund steht aber ganz bewusst die Überwindung dieser negativen Gefühle, der Versuch, sie in Stärke zu transformieren. Die 33-jährige ehemalige Basketball-Nationalspielerin und nunmehr höchst kreative Singersongwriterin, Produzentin und Filmemacherin bezeichnet dieses Album als eine Art Brief an sich selbst, als ihre ganz persönliche Bibel, mit der Aufforderung, eben nicht in Depressionen zu verfallen, sondern auf das Leben, die Liebe und auf sich selbst als Mensch zu vertrauen.

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Michael Wollny: mondenkind
CD-Tipp
06.10.2020 Peter Füssl

Genau 46 Minuten und 38 Sekunden lang ist Michael Wollnys erstes Soloalbum, das entspricht exakt jener Zeitdauer, die der Apollo 11-Astronaut Michael Collins am 20. Juli 1969 bei jeder seiner Umrundungen des Mondes im Raumschiff Columbia ohne jeglichen Blick- oder Funkkontakt zur Erde war, während seine Kollegen Neil Armstrong und Edwin „Buzz“ Aldrin die ersten Schritte der Menschheit auf den Erdtrabanten setzten. Die Presse stilisierte Collins damals zum „vermutlich einsamsten Menschen aller Zeiten“, er selbst schilderte seinen damaligen, ausnahmemäßigen Gemütszustand hingegen als „Bewusstheit, Erwartung, Zufriedenheit, Zuversicht, ja beinahe Jubel“. Ähnlich gelagert dürften auch die Erfahrungen des 42-jährigen Pianisten, der die Jazzwelt bislang vor allem mit Alben in Duo- und Trio-Formaten und in Kooperation mit exzellenten europäischen Ausnahmemusikern erobert hatte, bei seiner ersten Soloproduktion gewesen sein.

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Nubya Garcia: Source
CD-Tipp
01.10.2020 Peter Füssl

Nach zwei erfolgreichen EPs, zahlreichen Auszeichnungen, umjubelten Gastauftritten bei Shabaka Hutchings, Theon Cross, Moses Sumney, Moses Boyd oder Makaya McCraven, als Co-Leaderin der exzellenten Band Nérija und Beiträgen auf wichtigen Samplern zur unglaublich angesagten, jungen Londoner Jazzszene legt Nubya Garcia nun auf dem prestigeträchtigen Concord Jazz-Label ihr Debütalbum vor. Und was für eines!

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Terje Rypdal: Conspiracy
CD-Tipp
29.09.2020 Peter Füssl

Es war der 22. Juni 1974, als der Verfasser dieser Zeilen vom Terje Rypdal Trio (mit Jon Christensen und Sveinung Hovensjø) im Rahmen der Bregenzer Randspiele an einem wunderschönen open-air-Abend am Gebhardsberg endgültig im Jazz sozialisiert wurde. Damals hatte der Norweger gerade sein zweites Album auf ECM, „What Comes After“, veröffentlicht, und stilistisch war es für einen Fan elaborierter Rock-Musik ein Leichtes, in die musikalischen Dimensionen dieser Nordmänner einzutauchen. Das allein wäre Grund genug, in nostalgischen Gefühlen zu schwelgen, denn „Conspiracy“ kommt dem Sound jener Tage vermutlich näher als der Großteil von Rypdals mittlerweile mehr als zwei Dutzend beim Münchner Label erschienen Platten. Aber sein erstes Studio-Album seit rund zwanzig Jahren ist partout kein Nostalgie-Projekt.

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Solveig Slettahjell: Come In From The Rain
CD-Tipp
23.09.2020 Peter Füssl

Wer die norwegische Sängerin nur aus ihrer Zeit als Langsamkeits-Weltmeisterin mit dem – nomen est omen – Slow Motion Quintet kennt, das durch eine extreme Verlangsamung des Songmaterials und eine ausgesprochen karge Instrumentierung ein neues Kapitel im Jazzgesang aufgeschlagen hatte, wird sich wundern.

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Fontaines D.C.: A Hero’s Death
CD-Tipp
15.09.2020 Peter Füssl

„I don’t belong to anyone”, „Love is the main thing”, „Life ain’t always empty” oder „Even though you don’t know, even though you don’t know, you feel, you feel” – so lauten einige der Textstellen, die von Sänger Grian Chatten mantra-artig repetiert werden und wohl auf den erfolgsbedingten Zusammenbruch der Band im vergangenen Jahr hinweisen. Das Debütalbum der Iren, „Dogrel”, hatte nämlich mit seinem rohen und kompromisslosen Post-Punk wie eine Bombe eingeschlagen und zu unzähligen Festival-Auftritten und Tourneen geführt, bis man sich völlig ausgelaugt, fremdbestimmt und vereinnahmt fühlte.

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Vincent Peirani/Emile Parisien: Abrazo
CD-Tipp
10.09.2020 Peter Füssl

Mit dem mit einem peruanischen Rhythmus gepimpten, quicklebendigen „The Crave“ von Jelly Roll Morton als Opener verweisen Akkordeonist Vincent Peirani und Sopransaxophonist Emile Parisien auf ihr erstes, 2014 erschienenes, überaus erfolgreiches Duo-Album „Belle Epoque“, das den wilden 1920-er Jahren gewidmet war. Der rote Faden durch das aktuelle Album ist nun der Tango, allerdings keineswegs puristisch verstanden, sondern eher atmosphärisch und unterschiedlichsten Einflüssen gegenüber offen.

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JARV IS...: Beyond The Pale
CD-Tipp
07.09.2020 Peter Füssl

Jarvis Cocker ist wieder da, und wie! Als Pulp-Mastermind hatte er den Untergang des Brit-Pop begrüßt, weil der sich seiner Meinung nach in biederer Nostalgie verloren hatte. Er trat musikalisch in den letzten 20 Jahren aber nur sehr selten, etwa mit zwei Solo-Platten, einer kurzfristigen Pulp-Reunion und dem Nischen-Projekt „Room 29“ mit Chilly Gonzales in Erscheinung. Dafür arbeitete er als Lektor bei Faber &Faber, als Programmgestalter bei der BBC, schrieb ein paar Songs für Marianne Faithfull, Nancy Sinatra und Charlotte Gainsbourg, heiratete und zog nach Frankreich, ließ sich scheiden und zog zurück nach England. Nun legt der 56-jährige, immer etwas verwuschelt wirkende Dandy mit neuer, fern jeglicher übertriebener Bescheidenheit JARV IS... genannter, sechsköpfiger Band, die 2017 aufgrund einer Festivaleinladung von Sigur Ros nach Reykjavik zusammengestellt wurde, wieder einmal ein Album mit neuen Songs vor.

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Bill Frisell: Valentine
CD-Tipp
03.09.2020 Peter Füssl

Seinem Ruf, eine der schillerndsten Figuren im Spannungsfeld von Jazz und Americana, Filmmusik und Zeitgenössischem, Tradition und Avantgarde zu sein, wird der 69-jährige Bill Frisell auch mit seinem neuen Album locker gerecht. Dieses Renommee hat er sich in rund 40 Jahren auf mehr als 40 exzellenten Alben, die unter seinem Namen mit den unterschiedlichsten Formationen veröffentlicht wurden, redlich erspielt. Darunter befinden sich auch Trios mit Ron Carter/Paul Motian, Dave Holland/Elvin Jones oder Kermit Driscoll/Joey Baron, das aktuelle Dreiergespann mit Kontrabassist Thomas Morgan und Drummer Rudy Royston braucht sich aber hinter diesen prominenten Namen keineswegs zu verstecken.

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Dhalgren: Songs From A Dystopian Utopia
CD-Tipp
01.09.2020 Peter Füssl

Der 1961 in New York geborene, in Denver aufgewachsene Chris Dahlgren eroberte als Bassist im Umfeld Anthony Braxtons die Avantgarde-Jazz-Szene des Big Apple, studierte Komposition bei La Monte Young und landete schließlich Anfang der Nuller-Jahre in Berlin, einem der ganz besonders heiß brodelnden Musik-Hexenkessel Europas, wo er an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ unterrichtet. Dort entwickelte er sich immer mehr zum Multiinstrumentalisten, was ihn vermehrt zu Gitarre, Viola da Gamba und zur türkischen Langhalslaute Baglama greifen ließ. Seit einigen Jahren intensiviert Dahlgren auch höchst erfolgreich sein Faible für Singer-Songwriting, wundervoll dokumentiert auf zwei in der Tonschmiede Bezau aufgenommenen Alben, wo Alfred Vogel und Little Konzett an den Tonhebeln saßen.

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Immanuel Wilkins: Omega
CD-Tipp
27.08.2020 Peter Füssl

63 Minuten und 25 Sekunden an furiosen Ausbrüchen voller Trauer und Wut im Wechselspiel mit Phasen beruhigender Kontemplation bietet das Blue Note-Debütalbum des erst 22-jährigen Altsaxophonisten und Komponisten Immanuel Wilkins. Sein souveräner Umgang mit der Jazztradition umfasst Einflüsse aus Gospel, Blues, Post-Bop, das Erbe Monks und Coltranes ebenso wie die Errungenschaften des Free Jazz. Vor allem aber betrachtet er seine Musik auch als Transportmittel für wichtige gesellschaftspolitische Inhalte. So ist das Album als emotional bewegendes Statement zur Situation der Black Society in den Vereinigten Staaten konzipiert, die sich in den letzten hundert Jahren trotz aller Proteste und Demonstrationen kaum zum Guten gebessert hat.

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Marcin Wasilewski Trio & Joe Lovano: Arctic Riff
CD-Tipp
15.07.2020 Peter Füssl

Obwohl sie erst Mitte vierzig sind, spielen Pianist Marcin Wasilewski, Kontrabassist Slawomir Kurkiewicz und Drummer Michal Miskiewicz schon seit 27 Jahren im selben Trio, das um die Jahrtausendwende dank ihres Engagements beim legendären Tomasz Stanko und damit verbunden beim ECM-Label einen enormen Popularitätsschub erlebte. Mittlerweile haben sie ein Dutzend Alben veröffentlicht, die Hälfte davon bei den Münchnern, aber so etwas wie Routine oder künstlerisches Sicherheitsdenken liegt den drei Polen völlig fern. Vielmehr scheinen sie jedes Album mit ungebrochenem Elan und unerschöpflicher Experimentierlust anzugehen und sich gerne auch einmal passende Partner für ihre musikalischen Abenteuer zu holen. Mit dem kraftvoll-expressiven Tenorsaxophonisten Joe Lovano haben sie einen absoluten Glücksgriff getan, denn der Amerikaner verfügt wie die Polen über ein enorm breites stilistisches Spektrum, kann sich genüsslich an wunderschönen Melodien delektieren, fintenreich mit Ecken und Kanten Versehenem musikalische Brillanz verleihen und in spontanen Improvisationen einen höchst einfallsreichen und wendigen Kommunikationspartner abgeben.

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Ambrose Akinmusire: On The Tender Spot Of Every Calloused Moment
CD-Tipp
08.07.2020 Peter Füssl

Der 38-jährige, aus Oakland stammende, in L.A. lebende Ambrose Akinmusire zählt nicht nur zu den herausragenden Trompetern und souverän aus allen Epochen des Jazz schöpfenden, wegweisenden Musikern seiner Generation, er fällt auch durch sein konsequentes politisches Engagement für die Black Community auf. Künstlerisches und politisches Statement sind mit großem Selbstverständnis ineinander verwoben, fühlen sich so wahr, tiefsinnig, anspruchsvoll und gleichzeitig mit einem großen Hörgenuss verbunden, wie dies etwa vor vierzig, fünfzig Jahren beim Art Ensemble of Chicago und anderen Projekten Lester Bowies und der AACM der Fall war.

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Benjamin Moussay: Promontoire
CD-Tipp
01.07.2020 Peter Füssl

“Ausgeschriebene Vorgaben werden dem jeweiligen Moment gemäß unendlich verändert. Als Solopianist kenne ich den Ausgangspunkt und das Ziel. Das Geheimnis liegt in den Überraschungen der Reise“, erklärt Benjamin Moussay seinen musikalischen Ansatz, in dem Komponiertes und Improvisiertes symbiotisch ineinander übergehen. Die Worte „Reise“ und „Überraschungen“ klingen natürlich immer sehr verlockend in den Ohren des aufgeschlossenen Musik-Fans, und die Erwartungen in das erste Solo-Album des längjährigen Mitstreiters von Louis Sclavis werden auch durchwegs erfüllt.

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Bob Dylan: Rough and Rowdy Ways
CD-Tipp
25.06.2020 Peter Füssl

Auch das 39. Studioalbum in seiner bald sechzig Jahre währenden Karriere, die sich bislang in 125 Millionen verkauften Tonträgern niedergeschlagen und ihm den Literaturnobelpreis eingebracht hat, wird die beiden Lager der Dylan-Fans und Dylan-Verächter nicht miteinander versöhnen können. Denn die zehn neuen Songs, die ersten seit dem vor acht Jahren erschienenen Album „Tempest“, bringen nichts grundsätzlich Neues, vereinen aber auf sehr hohem Niveau alles, was man an dieser lebenden Legende mag oder eben nicht mag.

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Jazz at Berlin Philharmonic X: East West
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16.06.2020 Peter Füssl

Das Münchner ACT-Label genießt in Sachen Jazz meets Worldmusic einen exzellenten Ruf, dasselbe gilt für die von Label-Chef Siggi Loch kuratierte Reihe „Jazz at Berlin Philharmonic“, deren zehnte Auflage letzten November live aufgenommen wurde. Hervorragende Voraussetzungen also, zumal sich auf der Bühne erstklassige MusikerInnen mit den unterschiedlichsten Wurzeln und Backgrounds trafen, die sich alle zusammen wenig um Genregrenzen scheren.

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John Scofield / Bill Stewart / Steve Swallow: Swallow Tales
CD-Tipp
09.06.2020 Peter Füssl

„Manchmal wenn wir spielen, klingen der Bass-Part und mein Part zusammen wie eine einzige große Gitarre“, schwärmt Saitenstar John Scofield über Steve Swallow, seinen Mentor als Student in Berklee Anfang der 70-er Jahre und seitherigen Langzeitpartner. „Und was Bill macht, ist weit mehr als Schlagzeuspielen. Er ist eine melodische Stimme, setzt Kontrapunkte und begleitet, und ist immer wirklich hart am Swingen“, so charakterisiert er Drummer Bill Stewart, der schon in den 1990-er Jahren Adam Nussbaum in diesem Trio ablöste und auch in vielen anderen Formationen des Gitarristen mitwirkte.

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Joan As Police Woman: Cover Two
CD-Tipp
02.06.2020 Peter Füssl

Auf dem 2009 erschienenen Album „Cover“ nahm sich Joan Wasser alias Joan As Police Woman Kompositionen von unter anderem Jimi Hendrix, David Bowie, Nina Simone, Public Enemy, Iggy Pop oder Britney Spears vor und drückte ihnen ihren unverwechselbaren musikalischen Stempel auf. Nicht weniger disparat wirkt die Zusammenstellung auf „Cover Two“, aber auch hier gelingt es ihr, die verschiedenartigsten Songs auf unorthodoxe Weise ganz zu ihren eigenen zu machen.

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