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CD-Tipp

Marius Neset – London Sinfonietta: Viaduct
CD-Tipp
19.12.2019 Peter Füssl

„Ich habe ein Jahr lang daran geschrieben und war währenddessen vor allem von klassischen Komponisten beeinflusst, von Olivier Messiaen, Strawinsky, Bartók oder Mahler, aber auch von Joe Zawinul“, erklärt der 33-jährige, in Kopenhagen lebende Norweger Marius Neset zum Entstehungsprozess seiner zehnteiligen Komposition „Viaduct“. In der Tat integriert der geniale Komponist und Saxophonist in die auf Platte gebannten 65 Minuten und 27 Sekunden alles, was in moderner Klassik, im anspruchsvollen Jazz und in der Improvisationsmusik für wohligen Nervenkitzel und spannungsgeladene Konzentration sorgt.

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Sudan Archives: Athena
CD-Tipp
17.12.2019 Peter Füssl

Auf dem Cover ist ein Abbild der mit 3D-Technik gescannten und in Bronze gegossenen Figur der Künstlerin als Athene zu sehen, der griechischen Göttin der Weisheit, der Kunst und des Kampfes. Sie liebe kämpferische Göttinnen und Frauenfiguren erklärt die 25-jährige Brittney Denise Parks – um gleich auch auf zwei Unterschiede zu den klassischen Athene-Statuen hinzuweisen: Sie ist nackt und auf der Hand balanciert sie eine Geige. Ersteres kann man als Hinweis auf ihren schonungslos unverblümten Zugang zu den Realitäten, mit denen eine schwarze Frau in den USA konfrontiert ist, deuten. Und Letztere betrachtet sie nicht nur als Musikinstrument, um das sich für sie alles dreht, sondern auch als ihre „Waffe“: „Sie ist fast wie eine Erweiterung meines Körpers“.

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Nick Cave and the Bad Seeds: Ghosteen
CD-Tipp
12.12.2019 Peter Füssl

Am 17. Album des australischen Singersongwriters und Poeten Nick Cave mit seiner Langzeitband werden sich möglicherweise die Geister scheiden wie bei keinem zuvor: Zwischen den Extrempolen „genial“ und „langatmig-kitschig“ bleibt wenig Spielraum.

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Wieder, Gansch & Paul: Ménage à trois
CD-Tipp
10.12.2019 Peter Füssl

Trompeter Thomas Gansch, Posaunist Leonhard Paul und Albert Wieder an der Tuba treffen sich auf kongeniale Weise in ihrer uneitlen Virtuosität, ihrem sicheren Gespür für musikalischen Witz und ihrer stilistischen Offenheit für alles, was Qualität und Unterhaltungswert hat. Ob Stevie Wonders „Isn’t She Lovely“ oder Udo Jürgens‘ „If I Never Sing Another Song”, Georg Michaels “Faith” oder Henry Mancinis “The Days Of Wine And Roses”, die drei Herren präsentieren Welthits, als wären sie extra für diese ausgefallene Instrumentierung geschrieben worden.

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FKA Twigs: Magdalene
CD-Tipp
05.12.2019 Peter Füssl

Eingehüllt in exzentrische Designerstücke, manchmal nur wenig mehr als ein Hauch von Nichts, futuristische Hutmodelle deckeln kunstvoll kolorierte, wild verflochtene Haarzöpfe und Rastalocken, ein extravagant geschminktes Gesicht, die Zähne mit Gold- und Türkisplättchen überzogen, kunstvoll dekorierte, extralange Fingernägel – wen wundert’s, dass im ihr zu Füßen liegenden Musikfeuilleton gerne von einer außerirdischen Erscheinungsform die Rede ist? Die gerade einmal 31-jährige Tahliah Debrett Barnett, besser bekannt unter ihrem Nom de Guerre FKA Twigs, verfügt über eine Unzahl extraterrestrisch anmutender Talente, die sie etwa in ihren sehenswerten Musikvideos zu kleinen ausgeflippten Tanz-Kampfsport-Musik-Gesamtkunstwerken bündelt.

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Matthias Schriefl: Moving Krippenspielers/Vol. 1
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03.12.2019 Peter Füssl

„Lauter frohe Botschaften ...“ steht auf der ersten Seite des Booklets, und die froheste von allen ist wohl die, dass es dieses über Jahre hinweg mit Inbrunst praktizierte, durchgeknallte Krippenspiel aus dem für hochmusikalischen Nonsens bürgenden Hause Schriefl jetzt auch für die Allgemeinheit gibt.

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Julia Hülsmann Quartet: Not Far From Here
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28.11.2019 Peter Füssl

Auf ihrem siebten ECM-Album erfährt die Musik der Pianistin Julia Hülsmann, die seit 17 Jahren im Trio mit Kontrabassist Marc Muellbauer und Schlagzeuger Heinrich Köbberling spielt, durch die Erweiterung zum Quartett einen bemerkenswerten Energieschub. Zwar setzt die exzellente Melodikerin mit ihrem ausgeprägten Gespür für wundervolle lyrische Momente wieder auf kluge Reduktion und transparente Strukturen, was Köbberling und Muellbauer mit ihren sensiblen rhythmischen Akzentsetzungen in ideale Weise unterstützen. Nun gewinnt dieses Grundkonzept aber durch das warme und ausdrucksstarke, mitunter ausgesprochen kraftvoll-impulsive Spiel des Tenorsaxophonisten Uli Kempendorff entscheidend an Spannung und Farbigkeit.

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Nguyên Lê: Overseas
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19.11.2019 Peter Füssl

„Was für ein Zirkus?“ mag sich schon mancher Jazzpurist angesichts der unberechenbaren, buntschimmernden, explosiven Mischung aus Jazz, fernöstlicher Musik, Rock und Orientalischem gedacht haben, die der Gitarrist Nguyên Lê in den letzten Jahren auf rund 25 Alben präsentierte. Nun ist der in Paris aufgewachsene Sohn vietnamesischer Einwanderer tatsächlich beim Zirkus gelandet, denn „Overseas“ ist eigentlich der Soundtrack für die gleichnamige Produktion des Nouveau Cirque de Vietnam, die der gefragte Regisseur und ehemalige Chefchoreograf des Cirque du Soleil, Tuan Le, gemeinsam mit dem Gitarristen konzipiert hat.

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Gunnar Halle: Halle’s Planet
CD-Tipp
14.11.2019 Peter Füssl

„Black Matter” heißt der mit treibenden Beats und wummerndem Bass gleich mächtig abgehende Opener auf dem neuen Album des im gesamten skandinavischen Raum höchst gefragten und in unterschiedlichsten Bands und Projekten aktiven norwegischen Trompeters Gunnar Halle. Wie beim 2015 erschienenen Vorgänger „Istanbul Sky“ setzt der Osloer wieder auf Gitarrist Stephan Sieben, Bassist Putte Johander und Drummer Knut Finsrud. Neu dazugekommen ist der zweite Drummer Wetle Holte, der auch als Koproduzent neben dem Bandleader firmiert.

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Rosario Bonaccorso Quartet: A New Home
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12.11.2019 Peter Füssl

Von runden Geburtstagen mag man halten, was man will, aber zweifellos können sie ein Beweggrund sein, eine Art Zwischenbilanz zu ziehen, sich den Status quo genauer anzusehen und sich Gedanken über weitere Zukunftsperspektiven zu machen. So nahm auch der italienische Kontrabassist Rosario Bonaccorso, der auf eine mehr als vierzigjährige Karriere im internationalen Jazzbusiness zurückblicken kann, seinen 60. Geburtstag zum Anlass, die Gefühlslage zu überdenken und mit elf neuen Kompositionen das Leben an sich zu zelebrieren, aber auch Familie und Freundschaften hochleben zu lassen.

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Bill Frisell: Harmony
CD-Tipp
07.11.2019 Peter Füssl

„Harmony” ist der Name des neuen Quartetts von Bill Frisell, auch jener seines Debüt-Albums beim legendären Label Blue Note und – nicht zuletzt, sondern zuvorderst – charakterisiert der Titel „Harmony“ hier auch schon durchgängig das Programm.

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Angel Olsen: All Mirrors
CD-Tipp
05.11.2019 Peter Füssl

Ein elfköpfiges Streichorchester, Synthesizer, Gitarre, Bass, Drums – bei ihrem vierten Album „All Mirrors“ entfernt sich die aus Missouri stammende und in North Carolina lebende Singersongwriterin deutlich von ihren Lo-Fi-Folk- und Indie-Rock/Pop-Ursprüngen und setzt auf Opulenz, auf ganz großes Drama. Dabei hatte sie zuerst überlegt, die neuen Songs auch in ihrer ursprünglichen, mit einfachsten Mitteln sehr reduziert aufgenommenen Form zu veröffentlichen. Aber sie haben im ungewohnten Gewand, das ihnen maßgeblich Orchesterleiter Jherek Bischoff und Produzent John Congleton verpassten, eine Wucht entfaltet, der sich Angel Olsen nicht entziehen konnte.

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Shake Stew: Gris Gris
CD-Tipp
31.10.2019 Peter Füssl

Wenn man es beim intensiven Spielen schafft, ganz im Moment zu sein, „dann kann man einen Weg beschreiten, der zu einer Intensität an musikalischer Energie führt, die über dem ‚Herkömmlichen‘ steht und bei der man absolut nicht weiß, worin sie mündet und wohin sie einen bringt. Solche Wege zu finden, ist für mich eine zutiefst körperliche Erfahrung, und ich bin regelrecht süchtig danach geworden. Es geht darum, das Feuer und die Hitze und den Druck, der in einem aufsteigt, zu umarmen und einzuatmen, und dann erst so richtig loszulegen.“ Diese Worte Lukas Kranzelbinders sind Programm für seine Erfolgsband Shake Stew, die von Österreich aus innerhalb von zwei, drei Jahren die wichtigsten internationalen Festivalbühnen, die renommiertesten Feuilletonseiten und jede Menge begeisterter Fans erobert hat.

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Maciej Obara Quartet: Three Crowns
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28.10.2019 Peter Füssl

Obwohl „Unloved“ bereits das neunte Album von Maciej Obara war, hatten vor diesem ECM-Debüt im Jahr 2017 nur wenige Jazz-Interessierte den polnischen Altsaxophonisten und Komponisten auf dem Radar. Das hat sich durch begeisterte Kritiken und eine Reihe renommierter Preise mittlerweile grundlegend geändert. Zurecht, denn mit „Three Crowns“ beweist das je zur Hälfte polnische und norwegische Quartett mühelos, dass mehr als genug musikalische Substanz da ist, um die hohen musikalischen Erwartungen der Fans jederzeit zu erfüllen.

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Iiro Rantala: my finnish calendar
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17.10.2019 Peter Füssl

Das Jahr in Iiro Rantalas „Finnischem Kalender“ dauert nur 49 Minuten und 4o Sekunden, vielleicht ist es darum so kurzweilig! Jedem Monat ist eine Komposition und ein launiger Kommentar gewidmet.

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Black String: Karma
CD-Tipp
15.10.2019 Peter Füssl

Es ist eine faszinierend fremde Welt, in die uns das südkoreanische Black String-Quartett da eintauchen lässt, eine, in der sich Archaisches und Zeitgenössisches im Zeitlosen aufzulösen scheinen, eine, die uns ab dem ersten Ton gefangen nimmt und eine knappe Stunde nicht mehr loslässt.

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James Carter Organ Trio: Live From Newport Jazz
CD-Tipp
10.10.2019 Peter Füssl

James Carter feiert mit seinem Blue Note-Debüt sozusagen seinen 50-er, aber wenn man den auf allen Saxophonen exzellenten, ehemals fälschlicherweise den musikalisch biederen „Young Lions“ um Wynton Marsalis zugezählten Detroiter auf diesen Live-Aufnahmen vom letztjährigen Newport Jazz Festival hört, sind keinerlei Ermüdungserscheinungen wahrzunehmen. Ganz im Gegenteil!

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Brittany Howard: Jaime
CD-Tipp
08.10.2019 Peter Füssl

Mit ihrem schnörkellosen Southern Rock, dreckigen Blues und emotionsgeschwängerten Soul schafften es die Alabama Shakes aus Athens/Alabama mit den platin- und goldverzierten Alben „Boys & Girls“ (2012) und “Sound & Color” (2015) an die Spitzen der amerikanischen und britischen Charts, gewannen vier Grammys, wurden von den Obamas zum Privatkonzert ins Weiße Haus eingeladen – alles paletti, würde man meinen. Im Epizentrum dieses vor allem auch live mitreißenden Hurrikans stand die damals 25-jährige Sängerin und Gitarristin Brittany Howard – eine Naturgewalt! Wer sich darüber wunderte, dass von dem formidablen Vierer schon so lange nichts mehr Neues zu hören war, bekommt nun mit Howards erstem Soloalbum des Rätsels Lösung präsentiert.

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Tonbruket: Masters of Fog
CD-Tipp
03.10.2019 Peter Füssl

Die kreative schwedische “Klangfabrik” mit Bassist Dan Berglund am Bass, Johan Lindström an Gitarre/Pedal Steel Guitar/Keyboards, Martin Hederos an Piano/Synthesizer/Violine und Andreas Werliin an Drums/Percussion feiert mit dem bereits sechsten Album „Masters of Fog“ ihr Zehn-Jahre-Jubiläum.

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Louis Sclavis: Characters On A Wall
CD-Tipp
01.10.2019 Peter Füssl

Louis Sclavis, eine der zentralen Lichtgestalten der zeitgenössischen französischen Musikszene, hat in den letzten vierzig Jahren seine Experimentierfreude und alle Genregrenzen negierende Spiellust schon in so verschiedenartig und unorthodox zusammengesetzten Formationen ausgelebt, dass es richtig auffällt, wenn er nun in einer „klassischen“ Klavier-Bass-Schlagzeug-Holzbläser-Band tatsächlich Jazz spielt. Und, um es gleich vorwegzunehmen, auch dieses für ihn etwas ungewohnte Outfit steht ihm ausgezeichnet. Für den Großteil der acht neuen Kompositionen seines dreizehnten Albums beim Münchner ECM-Label – und geschätzt fünfundvierzigsten überhaupt – ließ er sich von den Street-Art-Werken seines Langzeitfreundes Ernest Pignon-Ernest inspirieren.

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