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CD-Tipp

Wolfgang Muthspiel – Scott Colley – Brian Blade: Angular Blues
CD-Tipp
07.04.2020 Peter Füssl

Wolfgang Muthspiel genießt sowohl als Gitarrist als auch als Komponist längst einen hervorragenden Ruf, völlig zurecht, wie sein viertes ECM-Album mit sieben neuen Stücken und den Standards „Everything I Love“ und „I’ll Remember April“ eindrucksvoll unter Beweis stellt. Sein melodischer und harmonischer Einfallsreichtum verblüfft immer wieder, ebenso seine stupende Fingerfertigkeit, mindestens so wichtig ist aber auch sein exzellentes Händchen für die Wahl der geeigneten Partner, denen er die Musik gerne auf den Leib schreibt. Das Trio war immer schon ein Lieblingsformat Muthspiels – besonders bekannt ist natürlich jenes mit Larry Grenadier und Brian Blade, mit dem er 2014 sein vielgepriesenes ECM-Debüt „Driftwood“ veröffentlichte. Letzterer hat auch auf „Angular Blues“, das zur Krönung von sechs Konzerten im „Cotton Club“ in Tokio dort im Studio Dede auch gleich aufgenommen wurde, den Schlagzeug-Part übernommen.

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Avishai Cohen: Big Vicious
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31.03.2020 Peter Füssl

Der 1998 erschienene Song „Teardrop“ ist der größte Hit der britischen Trip Hop-Band Massive Attack, dem singenden Fötus im hundertmillionenfach angeklickten Musikvideo verlieh Cocteau Twins-Sängerin Elisabeth Frazer einen traurig-ätherischen Touch, hat sie doch die Lyrics unter dem Eindruck des tragischen Todes von Jeff Buckley verfasst. Avishai Cohen übernimmt ihren Part mit seiner melancholischen, kalt glühenden Trompete, und sein israelisches Quintett Big Vicious verpasst dem im kollektiven Gedächtnis der Elektronik-Pop-Gemeinde fest verankerten Song Drive, Schärfe und Dringlichkeit, ohne ihn seiner ursprünglichen emotionalen Tiefe zu berauben.

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Charles Lloyd: 8 – Kindred Spirits Live From The Lobero
CD-Tipp
25.03.2020 Peter Füssl

Es ist der Blick eines alten Mannes auf ein unfassbar erfülltes Leben, dahinter errät man aber auch, vielleicht in einem Blinzeln, den neugierigen Blick des ewig Jungen, der nach Vollendung strebt und stets auf der Suche sein wird – nach dem ganz besonderen Ton, der unvergleichlichen Stimmung, der einzigartigen Kommunikation mit den Mitmusikern und dem Publikum. Und das Outfit auf dem Coverfoto verrät uns auf Anhieb, dass wir es hier mit einem Mystiker zu tun haben – genauer gesagt: einem Jazzmystiker im Jubiläumsmodus. Seinen 80. Geburtstag hat der Saxophonist Charles Lloyd am 15. März 2018 mit einem Konzert im von ihm schon oft bespielten Lobero Theatre seiner Heimatstadt Santa Barbara gefeiert – mit Drummer Eric Harland und Bassist Reuben Rogers, seinem Lieblings-Rhythmus-Gespann, mit Pianist Gerald Clayton und Gitarrist Julian Lage, die er schon als Jungmusiker unter seine Fittiche nahm und zu aufstrebenden Stars machte, und mit zwei ganz besonderen Gästen: der wie Lloyd aus Memphis stammenden Soul-Pop-Legende Booker T. Jones und Blue Note-Boss Don Was, der zu diesem ganz speziellen Anlass für zwei Stücke wieder einmal zum Bass griff.

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Wolfgang Haffner: Kind of Tango
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17.03.2020 Peter Füssl

„Kind of Tango” heißt nach „Kind of Cool” (2015) und „Kind of Spain” (2017) der dritte Streich und krönende Abschluss der exzellenten „Kind of“-Trilogie des in Nürnberg lebenden Schlagzeugers Wolfgang Haffner. Nach der lässigen Relaxedness des 50er-Jahre Cool Jazz und den sonnengereiften Impressionen aus der Welt des Flamencos, lässt sich Haffner nun von Melancholie und Magie des Tangos inspirieren.

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Carla Bley – Andy Sheppard – Steve Swallow: Life Goes On
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10.03.2020 Peter Füssl

“Life goes on. / On and on. /And then one day ... / Carla was hit by a bucket of shit / and the band played on. / She opened the door and was hit by some more / and the band played on. / Could this be the ending or just the beginning / of life without music or fun? / But wonderful stuff had just barely begun / and the band played on.” Die in lyrischer Form gehaltenen Liner-Notes demonstrieren eindrücklich, wie sich Carla Bley einem schweren gesundheitlichen Einbruch vor zwei Jahren mit Galgenhumor und Kreativitätsschub erfolgreich widersetzte. Anschließend hat sie die in drei Suiten zusammengefassten Stücke gemeinsam mit ihren Langzeitpartnern Steve Swallow und Andy Sheppard auf zahlreichen Konzerten (Bley versteht Auftritte als Probemöglichkeiten für ihre Kompositionen) intensiv geprobt und verfeinert und letztes Jahr in Lugano aufgenommen.

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Oded Tzur: Here Be Dragons
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05.03.2020 Peter Füssl

Diese unglaubliche Zartheit und Tiefe von der ersten Sekunde weg nimmt einen total gefangen! Mit einer wohltuenden Unaufgeregtheit lädt der in Tel Aviv aufgewachsene und in New York lebende Oded Tzur zu einer unglaublich spannenden musikalischen Entdeckungsreise ein. Diese führt allerdings nicht zu gigantischen Seeschlangen, Monstern und Drachen, wie der auf den lateinischen Spruch „Hic sunt dracones“ zurückgehende Albumtitel vielleicht nahelegt. Denn das bezeichnete auf frühen Weltkarten unerforschte und somit risikobehaftete Gegenden. In unserer unruhigen, schnelllebigen, übertrieben geschäftigen und reizüberfluteten Zeit kann das eigentlich Sensationelle vielmehr auch im genauen Gegenteil all dessen liegen.

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Destroyer: Have We Met
CD-Tipp
03.03.2020 Peter Füssl

Mit dem je nach Zählweise 12. oder 13. Studioalbum taucht der unberechenbare, spanischstämmige Kanadier Dan Bejar gemeinsam mit Gitarrist Nicolas Bragg und dem für Bass, Synthies und Drum-Programming zuständigen John Collins wieder tief in die Destroyer-Welt ab, die sich seit 1996 im Indie-Rock-Pop-Genre immer wieder neu erfunden oder zumindest um überraschende Komponenten erweitert hat.

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Agnes Obel: Myopia
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27.02.2020 Peter Füssl

Es ist wirklich faszinierend, wie perfekt die 39-jährige, in Berlin lebende Dänin Agnes Obel hochtechnisierte Soundeffekte und tief unter die Haut gehende Emotionalität miteinander verschmelzen lässt. Für ihr viertes Album hat sie sich monatelang im Studio in eine völlig von der Außenwelt abgeschirmten Blase zurückgezogen und sich aus der selbstgewählten Perspektive der Kurzsichtigkeit über Themen wie Wahrnehmung und Realität, Vertrauen in und Zweifel an der eigenen Urteilsfähigkeit, über den Umgang mit Trauer und Verlust oder über den Zusammenhang von Todesangst und Schlaflosigkeit ihre Gedanken gemacht und diese in ziemlich kryptisch anmutende Texte gegossen.

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Torres: Silver Tongue
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25.02.2020 Peter Füssl

Die mittlerweile 29-jährige Singersongwriterin Torres (bürgerlich: Mackenzie Scott) hat auf ihren bislang drei Alben einen schonungslosen Umgang mit ihren Ängsten und Unsicherheiten, Identitätsproblemen und Frustrationen im Zusammenhang mit Liebe und Sexualität gepflogen. An dieser Direktheit und Unverblümtheit hält sie auch auf ihrem vierten Album mit neun neuen Songs zu Themen wie Verliebtheit und Liebesleid, Begehren, Glücksgefühle und Verlustangst fest.

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Nils Landgren & Jan Lundgren: Kristallen
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20.02.2020 Peter Füssl

Pianist Jan Lundgren und Posaunist/Sänger Nils Landgren – beide zählen zum ACT-Urgestein und zur Crème de la Crème nicht nur der schwedischen, sondern der europäischen Jazzszene – gelten als vielseitige Musiker. Bei ihrem jüngsten Duo-Projekt setzen sie nun auf eindringlich, aber schnörkellos musizierten Wohlklang, praktisch ohne Ecken und Kanten und fern jeglicher Dissonanzen.

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Frederik Köster/Die Verwandlung: Golden Age
CD-Tipp
18.02.2020 Peter Füssl

„Die Verwandlung“ nennt der Trompeter und Flügelhornist Frederik Köster sein Quartett mit Pianist/Keyboarder Sebastian Sternal, Kontrabassist Joscha Oetz und Drummer Jonas Burgwinkel, die allesamt in Köln stationiert sind und mit Preisen und Auszeichnungen überhäuft zur ersten Liga der deutschen Jazzszene gehören. Der Bandname ist gut gewählt, denn Köster ist keiner, der sich in der unendlichen Wiederholung einmal erfolgreicher Konzepte übt, vielmehr liebt er neue Herausforderungen.

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Joachim Kühn & Mateusz Smoczyński: Speaking Sound
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11.02.2020 Peter Füssl

Letztes Jahr im März feierte der deutsche Pianist Joachim Kühn, in dessen Spiel sich ein breites Spektrum der Musikgeschichte von J.S. Bach bis zum Free Jazz, vom Jazzrock bis zum Ethno-Jazz auf beeindruckende Weise widerspiegelt, mit der grandiosen Solo-Produktion „Melodic Ornette Coleman“ seinen 75. Geburtstag. Aber Kühns musikalische Abenteuerlust kennt weder Alter noch Grenzen und so lud er schon einen Monat später den Geiger Mateusz Smoczyński für drei Tage in sein Studio auf Ibiza, wo sie gemeinsam die hohe Kunst des musikalischen Dialogs zelebrierten.

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Algiers: There Is No Year
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06.02.2020 Peter Füssl

Sänger/Gitarrist/Pianist Franklin James Fisher, Bassist Ryan Mahan, Gitarrist Lee Tesche und Drummer Matt Tong preschen auch auf ihrem dritten Album mit ihrer hochenergetischen Mischung aus so unterschiedlichen Stilen wie Post-Punk, Rock, Soul, Gospel, Noise und Industrial Sounds drauflos, dass einem Hören und Sehen partout nicht vergehen wollen. Algiers bieten ein mitreißendes Live-Erlebnis – man erinnere sich etwa an ihren fulminanten letztjährigen Auftritt beim Soundsnoise Festival am Dornbirner Spielboden –, bringen diese fiebrig pulsierende, oftmals von nervös vibrierenden Synthie-Klängen genährte Energie aber auch problemlos mittels Tonträgers herüber.

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Lola Marsh: Someday Tomorrow Maybe
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04.02.2020 Peter Füssl

2011 beschlossen die Sängerin Yael Shoshana Cohen und Gitarrist/Keyboarder Gil Landau auf einer Geburtstagsparty in Tel Aviv, künftig als Folk-Duo aufzutreten. 2013 formierten sie sich dann zum Quintett Lola Marsh und eroberten anschließend mit einer EP, dem Debütalbum „Remember Roses“ (2017), 40 Millionen Streams, viralen Hits wie „You’re Mine“, „Sirens“ „She’s A Rainbow“ oder „Wishing Girl“, Festivalauftritten und ausgedehnten Tourneen die Pop-Welt. Als wichtigste Einflüsse nennen die Israelis unter anderem Sufjan Stevens, Nina Simone, Fleet Foxes, Elvis, Moody Blues, Bon Iver, MGMT oder LCD Soundsystem – das sagt viel über ihre Bandbreite aus, wenn auch der wichtigste, sich beim Anhören des zweiten Albums immer wieder unwillkürlich ins Bewusstsein drängende Name in dieser Auflistung fehlt: Lana Del Rey.

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Halsey: Manic
CD-Tipp
29.01.2020 Peter Füssl

„,Manic‘ is hip-hop, rock, country, fucking everything – because it’s so manic!”, erklärte Halsey der US-Ausgabe des “Rolling Stone”, und in der Tat hat sich der 25-jährige Superstar, der in keine Schublade passt und trotzdem extrem erfolgreich ist, beim dritten Album keinerlei Zwänge oder Selbstbeschränkungen in irgendeine Richtung auferlegt.

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Marius Neset – London Sinfonietta: Viaduct
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19.12.2019 Peter Füssl

„Ich habe ein Jahr lang daran geschrieben und war währenddessen vor allem von klassischen Komponisten beeinflusst, von Olivier Messiaen, Strawinsky, Bartók oder Mahler, aber auch von Joe Zawinul“, erklärt der 33-jährige, in Kopenhagen lebende Norweger Marius Neset zum Entstehungsprozess seiner zehnteiligen Komposition „Viaduct“. In der Tat integriert der geniale Komponist und Saxophonist in die auf Platte gebannten 65 Minuten und 27 Sekunden alles, was in moderner Klassik, im anspruchsvollen Jazz und in der Improvisationsmusik für wohligen Nervenkitzel und spannungsgeladene Konzentration sorgt.

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Sudan Archives: Athena
CD-Tipp
17.12.2019 Peter Füssl

Auf dem Cover ist ein Abbild der mit 3D-Technik gescannten und in Bronze gegossenen Figur der Künstlerin als Athene zu sehen, der griechischen Göttin der Weisheit, der Kunst und des Kampfes. Sie liebe kämpferische Göttinnen und Frauenfiguren erklärt die 25-jährige Brittney Denise Parks – um gleich auch auf zwei Unterschiede zu den klassischen Athene-Statuen hinzuweisen: Sie ist nackt und auf der Hand balanciert sie eine Geige. Ersteres kann man als Hinweis auf ihren schonungslos unverblümten Zugang zu den Realitäten, mit denen eine schwarze Frau in den USA konfrontiert ist, deuten. Und Letztere betrachtet sie nicht nur als Musikinstrument, um das sich für sie alles dreht, sondern auch als ihre „Waffe“: „Sie ist fast wie eine Erweiterung meines Körpers“.

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Nick Cave and the Bad Seeds: Ghosteen
CD-Tipp
12.12.2019 Peter Füssl

Am 17. Album des australischen Singersongwriters und Poeten Nick Cave mit seiner Langzeitband werden sich möglicherweise die Geister scheiden wie bei keinem zuvor: Zwischen den Extrempolen „genial“ und „langatmig-kitschig“ bleibt wenig Spielraum.

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Wieder, Gansch & Paul: Ménage à trois
CD-Tipp
10.12.2019 Peter Füssl

Trompeter Thomas Gansch, Posaunist Leonhard Paul und Albert Wieder an der Tuba treffen sich auf kongeniale Weise in ihrer uneitlen Virtuosität, ihrem sicheren Gespür für musikalischen Witz und ihrer stilistischen Offenheit für alles, was Qualität und Unterhaltungswert hat. Ob Stevie Wonders „Isn’t She Lovely“ oder Udo Jürgens‘ „If I Never Sing Another Song”, Georg Michaels “Faith” oder Henry Mancinis “The Days Of Wine And Roses”, die drei Herren präsentieren Welthits, als wären sie extra für diese ausgefallene Instrumentierung geschrieben worden.

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FKA Twigs: Magdalene
CD-Tipp
05.12.2019 Peter Füssl

Eingehüllt in exzentrische Designerstücke, manchmal nur wenig mehr als ein Hauch von Nichts, futuristische Hutmodelle deckeln kunstvoll kolorierte, wild verflochtene Haarzöpfe und Rastalocken, ein extravagant geschminktes Gesicht, die Zähne mit Gold- und Türkisplättchen überzogen, kunstvoll dekorierte, extralange Fingernägel – wen wundert’s, dass im ihr zu Füßen liegenden Musikfeuilleton gerne von einer außerirdischen Erscheinungsform die Rede ist? Die gerade einmal 31-jährige Tahliah Debrett Barnett, besser bekannt unter ihrem Nom de Guerre FKA Twigs, verfügt über eine Unzahl extraterrestrisch anmutender Talente, die sie etwa in ihren sehenswerten Musikvideos zu kleinen ausgeflippten Tanz-Kampfsport-Musik-Gesamtkunstwerken bündelt.

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