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10.11.2020 |  Peter Füssl

Tingvall Trio: Dance

Klar, wo „Tingvall Trio” draufsteht, ist auch Tingvall Trio drinnen. Das gilt auch für das siebte Studio-Album des sich seit 17 Jahren auf Erfolgskurs befindlichen südschwedisch-deutsch-kubanischen, in Hamburg stationierten Dreiers. Leicht ins Ohr gehende Melodien, fesselnde Rhythmen, Lyrisches, das sich – eine hypnotische Sogwirkung entfaltend – dynamisch zu ganz großen Emotionen steigert, all das findet sich auf diesem Album wieder. Aber man setzt auch neue Akzente.

Bei den Proben zum explosiven Kracher „Cuban SMS“, wo Drummer Jürgen Spiegel die Intensität seiner Rock-Vergangenheit voll ausspielen kann, sei es den Musikern schwer gefallen, überhaupt sitzen zu bleiben, womit die Idee zu einem „Tanzalbum“ geboren war, erzählt Pianist Martin Tingvall, der wieder für alle Kompositionen verantwortlich zeichnet. Wobei man die Tanzbarkeit vielleicht nicht in jedem Fall ausprobieren sollte, wenn man nicht Gefahr laufen will, dass sich die Beine verknoten oder sich ein Herzkasper einstellt. Der „Tokyo Dance“ startet mit Spieluhr-artigen Pianoklängen, nimmt aber rasch an Fahrt auf und groovt voller fernöstlichem Flair, der „Arabic Slow Dance“ schwelgt titelgerecht in tranceartigen Oriental-Grooves, während „Ya Man“ sicher zu den flottesten Reggae-Songs aller Zeiten zählt. Und „Spanish Swing“ und „Bolero“ verbreiten erwartungsgemäß Latin-Feeling. Das Tingvall Trio lädt also praktischerweise gleich auch zur völlig gefahrfreien Weltreise ein, ein Service, das man in Corona-Zeiten ganz besonders zu schätzen weiß. Vor allem, wenn es mit einem ungetrübten musikalischen Vergnügen verbunden ist. Verschnaufpausen bieten das stimmungsvolle „Sommarvisan“ („Sommerweise“), in dem Omar Rodriguez Calvo wieder einmal seine Bogenkünste aufblitzen lässt, das verträumte „Det Lilla“ oder das melancholische „In Memory ...“. Das Tingvall Trio hat also sein Repertoire etwas erweitert, zeigt sich stilistisch vielseitig und versucht sich durchaus erfolgreich in von ihm bislang nur selten beackerten Genres. Das macht „Dance“ für neue Fans ebenso attraktiv wie für altgediente Tingvall-Aficionados.

(Skip Records) 

 

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