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30.04.2010 |  Peter Füssl

Terje Rypdal: Crime Scene

Der von seinem Mitwirken auf rund drei Dutzend ECM-Produktionen her bestens bekannte Norweger Terje Rypdal zählt zu den renommiertesten Gitarristen Europas, dass er aber auch Symphonien, Opern und Kammermusik komponiert hat, ist zumindest in unseren Breitengraden kaum bekannt. Letztes Jahr wurde er vom Natjazz Festival eingeladen, für die „Bergen Big Band“ zu schreiben, der Konzertmitschnitt liegt nun als „Crime Scene“ vor.

Nomen est omen, kann man hier nur sagen, denn in Sachen Spannung und Dramatik spielt sich hier durchaus ein musikalischer Krimi ab, der seine Energie aus Gegensätzen schöpft, die sich auf kreative Weise aneinander reiben, aufladen und derart das musikalische Geschehen vorantreiben. So oszilliert das einstündige Werk ständig zwischen freejazz-artigen Bigband-Passagen, expressiven Klangbildern und treibenden Jazzrock-Attacken. In die 17-köpfige Big Band hat sich ein explosives Quartett alter Weggefährten – neben Rypdal der Trompeter Palle Mikkelborg, Hammond B-3-Organist Stålle Storløkken und Drummer Paolo Vinaccia – eingenistet, das einerseits in den großen Klangkörper integriert ist, andererseits aber doch ganz besondere Akzente setzt. Terje Rypdal, der das Spiel mit Klangfarben liebt, etwa mit drei Bassklarinetten, verarbeitet auch seine frühen, ihn prägenden Jazzerinnerungen an John Coltrane und Pharoah Sanders – hier glänzen die Saxophonisten Ole Jakob Hystad und Zoltan Vincze. Zusätzliches Krimi-Flair erhält das Werk durch dazwischen gestreute gesampelte Dialoge aus einschlägigen Filmklassikern. Eigentlich fehlt nur noch der passende Film zu diesem genialen Soundtrack – vielleicht sollte man tatsächlich das Pferd einmal von hinten aufzäumen.

(ECM/ Vertrieb: Lotus Records)

 

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