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18.06.2019 |  Peter Füssl

Shalosh: onwards and upwards

„Shalosh is not just a band, it’s an idea” – so erklärt der junge israelische Pianist Gadi Stern das Musizier- und Lebensgefühl des gleichberechtigt agierenden Trios mit seinem Kindheitsfreund, dem Drummer Matan Assayag, und dem auch schon in Jugendjahren dazugestoßenen Kontrabassisten David Michaeli. Bunt, ungestüm und unkonventionell wie ihre Heimatstadt Tel Aviv ist auch die im Kollektiv geschriebene Musik, die sich – wie die namentlich genannten Einflüsse Nirvana, Brahms und The Bad Plus schon erahnen lassen – wenig um Stilgrenzen schert.

Die bis zu acht Minuten langen Eigenkompositionen entwickeln oft vor purer Energie vibrierend eine hypnotisch wirkende Intensität, die mit kraftvollem Rock-Appeal gefangen nimmt. Diese emotionalen Aufwallungen, bei denen die drei Herren durchaus handfest zur Sache gehen, sind wohl dem Kurt Cobain-Einfluss geschuldet. Stern, Michaeli und Assayag verstehen sich aber auch wunderbar auf lyrische Klanglandschaften, die mitunter als akustische Ruhepole geschickt in die brodelnden Passagen eingestreut werden. Relativ konventionell, aber durchaus beschwingt klingt die jazzige Hommage „Tune For Mr. Ahmad Jamal“, während die norwegische Pop-Band a-ha wohl bass erstaunt sein dürfte, wieviel vertrackt Mitreißendes die drei Israelis aus ihrem 1985-er Millionenseller „Take On Me“ herausgekitzelt haben – speziell für Drummer Matan Assayag ein wundervoller Abenteuerspielplatz. Nicht weniger unkonventionell ist man mit dem Rodgers/Hammerstein-Musical-Klassiker „You’ll Never Walk Alone“ verfahren – im Original und in unzähligen anderen Versionen bis hin zur FC Liverpool-Fanmeile ein Tränendrüsendrücker, den Shalosh als Hochgeschwindigkeitszug starten lassen und dann genüsslich in seine dramatischen Segmente zerlegen. Der Opener „After The War“ ist als vielschichtiges, emotional aufwühlendes Klanggemälde zu verstehen, das musikalisch extrem spannend den Gefühlszustand vermittelt, wie es ist, permanent im Kriegszustand zu leben und dennoch die Hoffnung nicht zu verlieren. Auch der titelgebende Closer „Onwards And Upwards“ bezieht sich auf die Ups and Downs im menschlichen Leben und entwickelt sich mit seinem hypnotischen Gesang zu einer stadiontauglichen, zwischen Melancholie und Optimismus changierenden Hymne. Nicht nur wer sich für GoGo Penguin oder das Tingvall Trio begeistern kann, sollte sich Shalosh unbedingt einmal anhören.

(ACT)

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