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16.04.2010 |  Peter Füssl

Salif Keïta: La différence

I am black, my skin is white (...) I am white, my blood is black“ – gleich im ersten Stück, das der neuen CD auch ihren Namen gibt, macht Salif Keïta auf jene biologische Besonderheit aufmerksam, die sein Leben maßgeblich geprägt hat: er ist ein Albino. In seiner afrikanischen Heimat bedeutet das Diskriminierung, Verfolgung, schlimmstenfalls Ermordung, denn einerseits ist es tief im Aberglauben verwurzelt, dass Albinos Unglück bringen, andrerseits sollen Albino-Körperteile aber auch „Wundermittel“ sein, was zu regelrechten blutigen Treibjagden auf die weißen Afrikaner führt.

Auch der in Paris und Bamako lebende populäre und äußerst erfolgreiche Songwriter wurde lange Zeit von seiner Familie, die ihren Stammbaum über achthundert Jahre  bis auf den legendären Mandingo-König Sundiata Keïta zurückführen kann, geächtet und ausgestoßen. Trotzdem mag es Salif Keïta vor allem seiner Abstammung zu verdanken haben, dass seine Stimme in Afrika Gewicht hat und gehört wird. Umso wichtiger ist es, dass er auf seiner neuen Produktion nicht nur Position für seine verfolgten Leidensgenossen bezieht, sondern auch die skrupellose ökologische Ausbeutung des Schwarzen Kontinents thematisiert. „La différence“ ist ein politisches Album, wenn man so will. Aber keines, das vordergründig Musik zur politischen Agitation einsetzt. Keïta hat seine Ohren und Beine gleichermaßen ansprechende Melange aus traditioneller afrikanischer Musik und europäischem Pop mit einer feinen Prise an Orientalischem angereichert und macht auch hier klar, dass er la différence, also die Unterschiedlichkeit, als zusätzliche Bereicherung und Möglichkeit zur Vervollkommnung sieht. Den perfekten Sound zu Salif Keïtas unverwechselbarer Stimme liefern neben seinen teils langjährigen afrikanischen Mitstreitern auch der aus Algerien stammende Oud-Spieler Mehdi Haddab, der libanesische Trompeter Ibrahim Maalouf, der französische Cellist Vincent Segal oder – völlig unauffällig – auf einem Stück US-Stargitarrist Bill Frisell. „La différence“  zählt sicherlich zu den Meilensteinen im reichhalten Oeuvre des mittlerweile auch schon sechzigjährigen Sängers, der die musikalischen Details gerne erfahrenen Produzenten wie Patrice Renson oder dem auch als Songwriter nicht ganz unbekannten Joe Henry überlässt.

(Emarcy/Vertrieb: Universal)
 

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