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04.07.2019 |  Peter Füssl

Philadelphy Saft Rieser Baptista: Arkitsa

Der 46-jährige aus dem Tirol stammende, in Wien und immer wieder auch in New York lebende Gitarrist und Sänger Martin Philadelphy ist ein niemals versiegender Quell unkonventioneller, kreativer Ideen. Mit einem enormen Output an Alben – derzeit stehen 37 in seiner Diskographie – und unberechenbaren und unvorhersagbaren künstlerischen Bocksprüngen entzieht er sich erfolgreich jeglichen Kommerzzwängen und darf sich trotzdem oder vielleicht gerade deswegen einer stetig wachsenden Fan-Gemeinde erfreuen.

Sein jüngstes Husarenstück ist nach dem kleinen griechischen Dorf Arkitsa auf Euböa benannt, wohin er sich gemeinsam mit dem Texter der neun neuen Songs, Thomas Nyx Scherhammer, längere Zeit zurückgezogen hat und wo sie, eigenen Worten zufolge, „nicht viel vom ‚Arsch der Welt‘ und vom ‚Busen der Natur‘ im gleichen Maße trennte“. Im Spannungsfeld von „wohltuendem Alleinsein genauso wie quälender Einsamkeit“ fiel Scherhammer viel Grundlegendes und freilich salopp Formuliertes zum menschlichen Dasein ein, was Martin Philadelphy wiederum kongenial umgesetzt hat - in seiner sich immer wieder selber neu erfindenden Mixtur aus Jazz, Art-Rock, Zappa, Ribot, Elektronik, Noise und was der musikalische Fleischwolf sonst noch so alles auswirft. Was das Projekt aber nochmals über den üblichen unüblichen Philadelphy-Standard hinaushebt, sind die Einfälle dreier vielbeschäftigter, exzellenter Jazz-Cracks vom Big Apple, deren Nähe zum John Zorn-Stall schon darauf schließen lässt, dass sie mit allen musikalischen Wassern gewaschen sind. Wie Jamie Saft das grundlegend geruhsame Laid-back-Feeling mit seinen feurig-giftigen Orgeleinwürfen und Piano-Schnipseln pfeffert, wie Cyro Baptista die Trommelarbeit von Drummer Dan Rieser mit einer Palette an farbenprächtigen Sounds nochmals perkussiv umspielt und veredelt, das eröffnet schon ganz außergewöhnliche Perspektiven – in den etwas konventioneller gehaltenen Songs ebenso, wie in den faszinierenden Soundexzessen von Stücken wie „Der Grottenolm“ oder „Erkenntnis“. Absolut empfehlenswert!

(Three Saints Records)   

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