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13.11.2018 |  Peter Füssl

Kurt Vile: Bottle it in

Der Bürgermeister von Philadelphia hat den 28. August offiziell zum „Kurt Vile Day“ ernannt, eine Idee die man global vielleicht als „Weltentschleunigungstag“ durchaus weiterspinnen könnte. Denn gerade mit seinem siebten Studioalbum schenkt uns der unermüdliche Workaholic aus der „City of Brotherly Love“ fast achtzig Minuten zumeist gemütlich dahinmäandernden Country-Psychedelic-Roots-Rock in allen möglichen Schattierungen.

Dreizehn neue Songs, drei davon in Zehn-Minuten-Länge, getragen von leichtfüßigen Beats und repetitiven Gitarrenmustern, die sich zu einem wohlklingenden, meditativen Fluss verdichten, in den man unweigerlich hineingezogen wird. Etwas widerborstige Monotonie zur Perfektion betrieben. Natürlich gäbe es eine Unzahl netter kleiner musikalischer Einfälle, witziger Spielereien zu entdecken – kann man, muss man aber nicht. Nur kein Stress! Dazu erzählt der mittlerweile 38-jährige Kurt Vile, irgendwie sympathisch phlegmatisch wirkend, seine Geschichten – stimmlich zwischen einem jungen Neil Young und einem ausnahmsweise mal gutgelaunten Lou Reed angesiedelt – über das Reisen, die über allem stehende Liebe zu Familie und Freunden, seine Flugangst, den zu häufigen Griff ins Medikamentenschränkchen und zur Flasche oder schlicht über Parkplatzprobleme in seiner Heimatstadt. Alles völlig unaufgeregt, aber intelligent und keineswegs langweilig. Aufgenommen hat Vile die Songs tatsächlich auf Reisen innerhalb der letzten zwei Jahre, in den verschiedensten Studios zwischen Kalifornien, Portland, Brooklyn und Connecticut mit prominenten Produzenten wie Rob Schnapf, Shawn Everett oder Peter Katis. Seine altgedienten „Violaters“-Kollegen Gitarrist Jesse Trbovich, Bassist Rob Laakso und Drummer Kyle Spence bilden das Stamm-Team, auf zwei Stücken rührt „Warpaint“-Drummerin Stella Mozgawa die Trommeln,  Keyboarder Joe Kennedy und Farmer Dave Scher (sein Instrumentarium wird mit „stick of hot butter, lapsteel, keys and far out jazz“ angegeben) werkeln hier und da mit, Cass McCombs liefert die Background Vocals zum Titelstück. An diesen irgendwie schrägen und maßlosen, warmherzigen, entspannten, aber überhaupt nicht  naiven Americana-Songs werden sich nicht nur unkonventionelle Slacker, intelligente Spät-Hippies und Retro-Gitarrenfreaks erfreuen – die aber ganz besonders!

(Matador/Beggars)

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