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08.11.2018 |  Peter Füssl

Ibrahim Maalouf: Levantine Symphony N° 1

In seiner zweiten Heimat Frankreich ist der gebürtige Libanese Ibrahim Maalouf längst ein die Stadions füllender Superstar, in den letzten Jahren hat er aber – besonders für seine wunderbaren Hommagen an die ägyptische Kultsängerin Oum Kalthoum und an die französisch-italienische Sängerin/Schauspielerin Dalida – auch jenseits der Grande Nation große Anerkennung gefunden.

Auf einer von seinem Vater entwickelten und an ihn weitervererbten mikrotonalen Trompete hat es der einstmals auch als klassischer Musiker erfolgreiche Maalouf längst zu einer großartigen Virtuosität gebracht, mit seinen ausdrucksstarken, melodieverliebten Vierteltonlinien verbindet er die musikalischen Traditionen des Nahen Ostens auf perfekte Weise, je nach Projekt, mit verschiedenen Spielarten des Jazz, mit Funk oder R&B. In seiner im März 2018 im Kennedy Center in Washington uraufgeführten „Levantine Symphony N0 1“ – mittlerweile mit dem renommierten Paris Symphonic Orchestra, dem Kinderchor der Pariser Oper und seiner Stammband mit Pianist Frank Woeste, Gitarrist François Delporte und Schlagzeuger Stéphane Galland auf Platte eingespielt – fließen nun alle diese musikalischen Einflüsse in einem großen siebenteiligen Werk zusammen. Das mit sanften Kinderchorklängen unterlegte, romantisch schwelgende Piano-„Prelude“ geht schlagartig über in eine „Overture“ mit kraftvoll pumpender Jazz-Big-Band, die sich wiederum nahtlos zu einer cinemascopeartigen, großorchestralen, sich mit hypnotischer Kraft in die Gehörgänge wühlenden Morgenland-Phantasie weiterentwickelt – wir sprechen hier wohlgemerkt von den ersten zwei Minuten dieses Monumentalwerkes, denen 43 weitere, nicht weniger ereignisreiche folgen. Ibrahim Maalouf schöpft aus dem Vollen, stellt unglaublich Zartes neben enorm Kraftvolles, kombiniert rhythmisch Vertracktes mit zauberhafter Melodik, und scheut auch nicht die große Geste oder das fast schon, aber nie wirklich kitschig Schöne. Denn die „Levantine Symphony N0 1“ ist seine Hymne an jene Eigenschaft, die einem heutzutage zum notorisch krisengeschüttelten Morgenland nicht mehr ad hoc einfällt: an eine umfassende Kultur voller Lebensfreude, in der sich Nahöstliches und Westliches in einem Völker und Traditionen verbindenden Geist zu einer offenen und kreativen Lebensform vereinen. Dass der als Trompeter und Komponist gleichermaßen überzeugende Maalouf seine stilistisch alle Grenzen überwindende Sinfonie mit „Nr. 1“ beziffert hat, lässt darauf hoffen, dass noch weitere geplant sind!

(Decca/Universal)

 

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