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16.12.2010 |  Fritz Jurmann

Kammerorchester „Arpeggione“ legt Bilanz vor - Eine neue CD zum 20-Jahr-Jubiläum

Etwas verspätet ist das Produkt zwar auf den Markt gekommen, zwei Monate nach dem erfolgreichen Jubiläumskonzert zum 20-jährigen Bestehen in der Pfarrkirche Hohenems, aber immer noch rechtzeitig vor dem Fest und damit geeignet als sinnvolles Geschenk für die vielen Freunde und Fans des Kammerorchesters „Arpeggione“ Hohenems. Die neue CD ist eine Art musikalische Bilanz nach zwei Jahrzehnten, gibt sich äußerlich bescheiden, in Schwarz gehalten mit einem stilisierten Kontrabassisten, den man eher dem Jazzbereich zuordnen würde. Doch viel wichtiger bei einem Tonträger ist der Inhalt, aber auch da gibt es gewisse Vorbehalte, die möglicherweise auf den enormen Zeitdruck während der Produktion der CD zurückzuführen sind.

Unterschiedliche Raumeindrücke

Da ist einmal der Umstand, dass die aufnahmetechnisch durchwegs gut gelungenen Livemitschnitte des ORF Vorarlberg aus Jahren 2003 bis 2010 an verschiedenen Schauplätzen entstanden. Das ist beim kontinuierlichen Abhören der CD nicht ganz unproblematisch, denn jeder Saal klingt anders, und so hat auch fast jede Aufnahme ihre unterschiedliche Akustik, von der halligen Pfarrkirche St. Karl über den Festsaal des Konservatoriums Feldkirch bis zum relativ trockenen Rittersaal im Hohenemser Palast, der eigentlichen Heimstätte des Orchesters.Der Konsument wird durch die unterschiedlichen Raumeindrücke  etwas verunsichert.
Musiziert wird in den vorliegenden Aufnahmen vom „Arpeggione“-Orchester durchwegs auf jenem bekannt hohen Niveau, wie es bei 130 Konzerten im Rittersaal und über 600 Auftritten bei zahlreichen Auslandsengagements in diesen 20 Jahren erfolgreich demonstriert wurde. Dominierend ist vor allem das hoch inspirierte Streicher-Kollektiv, das sich flexibel jeder Stilrichtung anpasst und einen warmen, homogenen Klang entwickelt hat. Verantwortlich dafür ist vor allem Chefdirigent Alexander Rudin, der immer wieder auch als Cellosolist bei diesen Konzerten in Erscheinung tritt. Aber auch andere erfahrene Orchesterleiter wie Ligia Amadio und Frank Cramer haben durchwegs professionelle Arbeit geleistet.

Schmankerl und Ohrwürmer fehlen

Weniger gut gelungen scheint mir dagegen die Auswahl der Musikstücke. Dies verwundert, da der Gründer und musikalische Leiter des Orchesters, Irakli Gogibedaschwili, ansonsten bekannt ist für sein gutes Händchen bei der Zusammenstellung interessanter Programme. Diese Abfolge besteht in der Hauptsache aus Raritäten und oft zu Unrecht vergessenen Stücken von weniger bekannten Komponisten wie Ottorino Respighi, Joaquin Turina, Heitor Villa-Lobos oder Astor Piazzolla, wie man sie in der Vergangenheit gerne immer wieder im Rahmen eines „Arpeggione“-Konzertes zusammen mit Bekannterem konsumiert hat.
Bei einer solchen „Best of“-Produktion erwartet sich der Käufer aber auch so etwas wie musikalische Schmankerl und Ohrwürmer von seinem Lieblingsorchester. Doch da finden sich bei einem Dutzend Werken gerade zwei, die diesen Anspruch erfüllen, der langsame Satz aus Bachs Violinkonzert E-Dur, BWV 1042, mit der glänzenden Liane Issakadze als Solistin, und das Presto-Finale aus Mozarts „Prager Symphonie“ Nr. 38 in D-Dur, KV 504. Dazu kommt, dass zu wenig auf Abwechslung und eine gewisse Dramaturgie von Tempo und Dynamik geachtet wurde. Die meisten Stücke sind in einem langsamen  oder mittleren Tempo gehalten, was für den Zuhörer auf Dauer etwas langatmig wirkt.

Die CD „20 Jahre Arpeggione live“ (Gesamtspieldauer 78.20 Min.) mit Livemitschnitten des ORF ist bei VMS/Zappelmusic erschienen und im Fachhandel sowie bei den Konzerten erhältlich.         

"Arpeggione"-Konzert im Rittersaal des Hohenemser Palasts

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