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24.09.2019 |  Peter Füssl

Kalle Kalima – Knut Reiersrud: Flying Like Eagles

Dass ausgerechnet ein Finne, ein Norweger, ein Brite und - ach ja, ein US-Amerikaner ist auch dabei – ein extrem lässiges Gitarren-Americana-Roots Music-Jazz-Album vorlegen, mag vielleicht verblüffen, aber wenn man sich die Beteiligten näher anschaut, ist es keineswegs überraschend. Kalle Kalima, der in Berlin lebende Gitarrist aus Helsinki, ist nicht nur Protagonist mehrerer avantgardistischer Projekte, sondern lädt auch gerne immer wieder einmal – zuletzt mit dem 2016 erschienenen Album „High Noon“ – zu einem musikalischen Roadtrip durch die Weiten der Prärie ein.

Man spürt seine pure Lust, die Gitarre expressiv singen zu lassen, in den gefangennehmenden Melodien zu schwelgen und stimmungsvolle Soundlandschaften zu zaubern. Dafür ist der Osloer Knut Reiersrud, der bereits vor vierzig Jahren von keinen Geringeren als Buddy Guy und Otis Rush in den Adelsstand der Bluesmusiker erhoben worden ist, der ideale Partner, denn er entlockt seiner Resonator-, der E- und der Lap-Steel-Gitarre ein ganzes Arsenal an schillernden Farben und facettenreichen Schattierungen und verwebt die Saitenklänge in vielgestaltige, aber niemals überladene Klangschichtungen. Der in Berlin und New York lebende Kontrabassist Phil Donkin und der vor allem in der New Yorker Avantgarde-Jazz-Szene aktive Ausnahme-Drummer und Komponist Jim Black sind genregemäß für die perfekte Erdung zuständig und kommen dieser Aufgabe mit viel Einfühlungsvermögen und Esprit nach. Drei aus der indianischen Tradition stammende, archaisch wirkende Stücke verströmen nahezu hypnotische Wirkung, in die man sich gerne hineinfallen lässt. Eine enorme Anziehungskraft entwickelt aber auch der mit einem fesselnden Groove versehene Stephen Stills-Buffalo Springfield-Klassiker „For What It’s Worth“. Während hier relativ nahe am Original entlang improvisiert wird, verblüffen die Herren mit einer achtminütigen Version des Eagles-Hits „Hotel California“, den sie mit einer westafrikanischen Melodie, die Reiersrud von einer seiner zahlreichen musikalischen Expeditionen mitbrachte, aufmischen. Besonders stimmungsvoll gelingt der traditionelle, gospelgetränkte Folk-Song „The Wayfaring Stranger“, während der von Trent Reznor für Nine Inch Nails geschriebene und von Johnny Cash ins Americana-Nirvana gehievte Song „Hurt“ in deutlich härteren, schrilleren und lauteren Gefilden angesiedelt ist. Ein kraftvoller Kontrapunkt zu den verträumten Soundschwelgereien, der nochmals den angenehm unangestrengt wirkenden, jam-artigen Charakter des Albums auf positive Weise herausstreicht.

(ACT)    

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