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15.11.2022 |  Peter Füssl

Jan Lundgren & Hans Backenroth - The Gallery Concerts II: Jazz Poetry

So einfach geht’s: Man nehme einen erstklassigen Flügel (bevorzugt jenen, den Alfred Brendel einst in der Berliner Philharmonie spielte), einen ebensolchen Kontrabass, ein paar Eigenkompositionen, einige nordischen Folk-Songs, eine Prise Beatles hier, eine Prise Leonhard Cohen da, etwas Mozart und einen Dauerbrenner aus dem „Great American Songbook“ – und fertig ist ein wundervolles Album. Ach so ja, vorausgesetzt natürlich man verfügt über die musikalischen Qualitäten von Jan Lundgren und Hans Backenroth. Das engt den Kreis möglicher Kandidaten für solch eine musikalische Erfolgsstory natürlich wieder beträchtlich ein.

Die Karrieren der Schweden, beide Jahrgang 1966, haben sich zwar mehrfach als Sidemen in diversen Bands überschnitten, dieses heuer im Mai aufgenommene Live-Konzert in der Berliner Kunst-Galerie von ACT-Labelchef Siggi Loch war aber der Startschuss für die erste wirklich enge Zusammenarbeit der beiden. Stile und Grenzen spielen im Bewusstsein Jan Lundgrens keinerlei Rolle, wie sich aus seinem bisherigen musikalischen Output unschwer erkennen lässt – vom dreiteiligen „Mare Nostrum“-Projekt mit Richard Galliano und Paolo Fresu über seine Zusammenarbeit mit Nils Landgren bis zu „Into The Night“ mit Lars Danielsson und Émile Parisien, um nur die jüngsten aus über 50 unter seinem Namen erschienenen Produktionen herauszufischen. Lundgrens Wurzeln liegen in der Klassik ebenso wie in der nordischen Volksmusik, er ist ein ausgewiesener Kenner der amerikanischen Jazz-Piano-Geschichte, ist aber auch ein glühender Verfechter einer selbstbewussten „European Jazz“-Bewegung. Diese Vielseitigkeit drückt sich in seinen drei stimmungsvollen Eigenkompositionen auf diesem Album ebenso aus, wie sein ungeheures Talent für wunderschöne, qualitätsvolle und eingängige Melodien – nicht zufällig schaffte er es mit manchen seiner Alben sogar in die schwedischen Pop-Charts. Hans Backenroth ist in Schweden ein unglaublich begehrter Bassist, der schon mit der dortigen Crême de la Crême der Jazz-Szene zusammenspielte, aber auch mit internationalen Stars wie Clark Terry, Kenny Barron, Ernie Watts oder Toots Thielemans. Er ist nicht nur ein kreativer Rhythmiker, sondern hat auch ein ausgeprägtes Gespür fürs Melodische, was ihn klarerweise als Duo-Partner für Jan Lundgren ganz besonders qualifiziert. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass Backenroth mit seinem gleichermaßen kraftvollen wie wendigen Bass etwa in Lennon/McCartneys „She’s Leaving Home“ die Melodieführung übernimmt. Wir haben es hier mit zwei exzellenten Könnern zu tun, die stilistische Abwechslung jeglicher Art lieben und denen die Lust am gemeinsamen Spiel deutlich wichtiger ist als das Bad in eitlem Virtuosentum – großartig! So einfach geht’s ...

(ACT)

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