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11.10.2016 |  Peter Füssl

Jamie T: Trick

Harmloses Geplänkel und eine sanfte Melodie, die unversehens in wuchtige Riffs umschlagen, die von Rage Against the Machine stammen könnten – nicht nur der Opener „Tinfoil Boy“ auf dem vierten Album „Trick“ von Jamie Treays, kurz Jamie T genannt, sorgt für musikalische Überraschungen.

Der „unberechenbaren Punk Prinz“, wie der „New Musical Express“ den Südlondoner nannte, hatte für sein Debut „Panic Prevention“ (2007) und das nachfolgende „Kings and Queens“ (2009) exzellente Kritiken erhalten, ehe er 2014 nach einer jahrelangen Durststrecke mit einem eher mittelmäßigen Album ein Lebenszeichen gab. Nun hat der mittlerweile 30-Jährige unüberhörbar wieder zu seiner alten Form gefunden und wildert ungeniert quer über alle Stilgrenzen hinweg im Hip-Hop, Electronics, Rock, Punk, Reggae oder Brit-Pop – häufig fühlt man sich an „The Clash“ erinnert. Eine wilde Mischung, voller Ecken und Kanten und unvorhersehbarer Wendungen. Jedes Stück klingt anders und trotzdem fügt sich alles zu einem stimmigen Ganzen. Auf dem auffallenden Cover-Bild, einem Gemälde von Paul Falconer Poole aus dem Jahr 1843, ist der im späten 17. Jahrhundert in London zum fanatischen Quäker gewordene Komponist Simon Eagle (eigentlich Eccles) zu sehen, der zu Pestzeiten so gut wie nackt und mit einer Schale mit glühender Kohle auf dem Kopf über die Sündhaftigkeit der Menschen predigend durch die Stadt zog. Ihm widmet Jamie T einen düsteren Song, in dem er Fehlentwicklungen und Wahnhaftes der Gegenwart aufzeigt, die Solomon Eagles von heute aber trotzdem zum Teufel wünscht. Geschäftemacher, Bauhaie, Überwachungsstaat, Polizeigewalt – selten war Jamie T so angriffslustig, dennoch ist „Trick“ kein düsteres, sondern ein ausgesprochen unterhaltsames Album. So besingt er in „Power Over Men“ crooner-mäßig seine Domina, präsentiert einen zeitgemäßen „Robin Hood“ und widmet „Joan of Arc“, der „Märtyrerin in seinem Bett“, einen wunderschönen Mitsing-Song. Von einer enormen Energie erfüllt verbindet Jamie T kluge Inhalte, sprachliche Könnerschaft – etwa auf „Drone Strike“ verblüfft er als unglaublich zungenfertiger Rapper – und lässiges Pop-Appeal auf ideale Weise.

(Virgin Rec./Universal)

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