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29.03.2010 |  Peter Füssl

Gorillaz: Plastic Beach

Die von Blur-Mastermind Damon Albarn und dem Zeichner Jamie Hewlett zum virtuellen Leben erweckten Gorillaz geistern nun schon seit 1998 mit großem Erfolg durch das Pop-Business, obwohl sie ursprünglich genau dessen wichtigste Marktmechanismen unterlaufen wollten – etwa die Glorifizierung und/oder Verdammung von zu Idolen mutierten Menschen aus Fleisch und Blut, die man marktschreierisch zu hitliefernden Cash-Cows hochhypen und leergemolken dann wieder entsorgen kann. Da liefern die Gorillaz ihre Phantasiewelten doch lieber gleich selber und lassen sogar bei Livekonzerten Animationsfiguren auftreten.

 Etwa im  Fünfjahresabstand darf man sich auch auf epochale Alben freuen – nach „Gorillaz“ (2001) und „Demon Days“ (2005) wurde die stetig wachsende Fan-Gemeinde nun mit dem dritten Streich, „Plastic Beach“, beglückt. Wie nicht anders zu erwarten war, entzieht sich dieses Konzeptalbum wieder allen Kategorisierungs- und Schubladisierungsversuchen. Indie Pop, Alternative Rock, HipHop, Dub, Soul, Electronic, Klassik, Ethno, Jazz – all dies kann nur die Aufzählung der Namen von Ingredienzien sein, die den Geschmack des köstlichen Süppchens nur vage andeuten können. Das Experimenten nicht abgeneigte britische Klassikorchester sinfonia ViVA ist ebenso beteiligt wie das jazzige Hypnotic Brass Ensemble aus Chicago und das Lebanese National Orchestra for Oriental Arabic Music. Und auch das beachtliche Staraufgebot von Snoop Dogg, Mos Def, Kano, Bashy, De La Soul über Lou Reed und Mark E. Smith bis zu Bobby Womack mag zwar Kaufanreize bieten, letztlich ist aber das Gesamtprodukt weit mehr als die Summe aller Einzelteile. Am verblüffendsten ist, mit welcher Souveränität Damon Albarn all diese unterschiedlichen Künstler und Orchstester in das Gesamtkonzept zu integrieren versteht, sodass sie ihre Eigenheiten bewahren und am Schluss trotzdem eindeutig ein „Gorillaz“-Album herauskommt. Und was für eines! (EMI)

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