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25.12.2018 |  Peter Füssl

Georg Breinschmid & Thomas Gansch: bransch

Sie sind die amtierenden Weltmeister in der Kombination aus unglaublicher Virtuosität auf den Instrumenten, dadaistisch angehauchtem Wortwitz und grenzenloser Lust am improvisierten Blödeln. Die Konkurrenz in diesem Bewerb ist zugegebenermaßen eher überschaubar, aber das soll die herzzerreißend kreativen Leistungen der beiden keineswegs schmälern. Der Trompeter Thomas Gansch hat mit seinen Ensembles Mnozil Brass und Gansch&Roses ja schon Beachtliches zu dieser Sparte beigetragen, und Kontrabassist Georg Breinschmid zählt ohnehin zu den notorischen Rückfalltätern – zuletzt wurde er bekanntlich vor zwei Monaten mit seinem genialen Doppelalbum „Breinländ“ straffällig.

Die beiden Brüder im Geiste haben sich natürlich schon länger gefunden, zuletzt dokumentiert auf einer Live-CD aus dem Jahr 2013 und nunmehr eben auf „bransch“ – beides Mitschnitte von Auftritten im Wiener Konzerthaus und mit entsprechenden Publikumsreaktionen garniert. Der lustvoll alle Genregrenzen sprengende musikalische Reigen startet mit dem schrägen „Schönberg Stomp“, laut Musikern ein Versuch, Zwölftonmusik und Dixieland zu verbinden – und der ist durchaus gelungen. Virtuos-dramatisch mit buchstäblichen Spitzentönen auf der Trompete und gezupftem Dauersolo geht es mit „Schnabulescu Bandini“ zur musikalischen Corrida im 7/4-Takt, dem das Duo auch im anschließenden Protestsong gegen den Niedergang der Songwriterkultur „Text und Musik müssen eine Einheit bilden“ frönt. Gepfiffen, gescattet, gesungen und natürlich auch (pseudo)klassisch musiziert wird in Georg Breinschmids „Konzert für Trompete und Kontrabass“ in drei Sätzen, was so schwierig ist, dass der Komponist den Trompeter coram publico in die Materie einweisen muss und einzelne Passagen erst auf der Bühne ihren freilich fachmännisch kommentierten Feinschliff erfahren. Exotisches Flair verströmt „Tirana“, während „Flying“ jazzmäßig flott abhebt und die staunende Hörerschaft zu „Edeltraud“ verfrachtet, einem wortreichen „Protestsong gegen phantasielose Frauennamen“. Protestiert wird auch mit „Pharmatanz“, einem tiefgründigen, in Cha-Cha-Cha-Form gehaltenen Appell „gegen die Nachwirkungen von Alkoholkonsum und für mehr Medikamente“. Als einziger Fremdkomponist hat es Gioachino Rossini ins Programm geschafft, dessen Ouvertüre zu „Die diebische Elster“ gnadenlos „gebranscht“ – das heißt mit schwindelerregenden Ideen vollgestopft, rhythmischen Spitzfindigkeiten verfeinert und mit Zwischenkommentaren verarscht -  an die klassische Vergangenheit von Breinschmid und Gansch erinnert. Finden Sie, gute Musik sei eine ernste Angelegenheit? Dann sollten Sie dieses Album meiden wie der Teufel das Weihwasser!

(Preiser Records)

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