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11.12.2010 |  Fritz Jurmann

Das Opus 1 des Organisten Günther Fetz - Eine packende lateinische Chor- und Orgelmesse

Die Überraschung war perfekt, als heuer im Frühjahr bekannt wurde, dass Vorarlbergs Orgellegende Günther Fetz unter die Komponisten gegangen ist und gleich auf Anhieb eine mitreißende lateinische Chormesse mit virtuoser Orgelbegleitung vorlegte. Inzwischen sind von diesem Werk sowohl eine CD mit einem Mitschnitt der Uraufführung als auch das komplette Notenmaterial erschienen.

Mit 72 erstmals Komponist

Ein Künstlerleben lang ist der Lochauer Günther Fetz als gefeierter Konzertorganist, Cembalist und Ensembleleiter durch die Lande gereist, hat am Landeskonservatorium ganze Generationen von Studenten in seiner Kunst unterrichtet. Doch erst im Vorjahr, mit 72, brachte er zum ersten Mal auch eine eigene Komposition zu Papier. Er nannte das Werk „Missa Lindaviensis“ und widmete es der Stadt Lindau, wo er sich der dortigen Pfarre St. Ludwig im Ortsteil Aeschach seit seiner Jugend bis heute als praktizierender Organist verbunden fühlt.
Die eigentliche Anregung dazu erhielt Fetz, als er im Sommer 2009 in Bregenz die Festspieloper „König Roger“ von Karol Szymanowski mit ihren archaischen Chorklängen hörte. Diese Eindrücke mischte er mit eigenen Klangerfahrungen aus seinen zahlreichen Orgel-Improvisationen in den letzten Jahren und baute daraus eine sechsteilige Komposition im lateinischen Ordinarium, die durch ihre Dynamik und Kompaktheit auf Anhieb begeistern kann. Weil sie, wie auch die vorliegende CD erneut beweist, zwar in der musikalischen Sprache unserer Zeit, einem praktikablen aktuellen Kirchenmusikstil gehalten ist, ohne aber die Sängerinnen und Sänger zu überfordern oder die Zuhörer zu verschrecken.

Komplexe Chorsätze, virtuoser Orgelpart

So zeigte sich auch das qualifizierte Lindauer Vokalensemble unter der Leitung von Jörg Heide bei der Einstudierung und der Uraufführung am 27. April in Lindau-Aeschach den Anforderungen des Werkes durchaus gewachsen, gestaltete die komplexen Chorsätze samt Anklängen an den Gregorianischen Choral mit großer Überlegenheit und konnte auch gegen den virtuosen und teils klangmächtigen und farbenreich registrierten Einsatz der Orgel mit Meister Fetz persönlich durchaus bestehen. Der Live-Mitschnitt des ORF-Landesstudios Vorarlberg unterstreicht die Schönheiten, auch die geschickt eingesetzten Reibungen des Werkes. Als Bonus-Tracks sind drei früher veröffentlichte Orgelimprovisationen von und mit Günther Fetz auf der CD enthalten – sozusagen die Keimzellen der neuen Messkomposition.
Eine neue Messe, ein kleines Meisterwerk fast, das es verdienen würde, auch ins Repertoire der leistungsfähigeren Kirchenchöre und guten Organisten im Land aufgenommen zu werden und damit zweifach Grenzen zu überspringen, wie es der diözesane Kirchenmusikreferent Bernhard Loss empfiehlt: „Jene des klassisch-romantisch dominierten Repertoires der Messvertonungen unserer Chöre Richtung heute zu erweitern und so den Sprung über die – heute kaum mehr spürbare – Grenze von Lindau in die heimischen Kirchen zu schaffen.“

Bezugsquelle: Die CD EC 200 und das Notenmaterial zur „Missa Lindaviensis“ von Günther Fetz können über die Edition Clarino, Am Stein 4, 6911 Lochau, bestellt werden, Tel. 0 55 74 / 45 130 – Fax DW 4, www.edition-clarino.at

Günther Fetz an seiner "Hausorgel" in der Pfarrkirche von Lindau-Aeschach

Günther Fetz an seiner "Hausorgel" in der Pfarrkirche von Lindau-Aeschach

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