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30.04.2019 |  Peter Füssl

Bill Frisell / Thomas Morgan: Epistrophy

Wie das 2017 erschienene, von Fans und Kritik begeistert aufgenommene Duo-Album „Small Town“ haben Gitarrist Bill Frisell und Kontrabassist Thomas Morgan auch das Nachfolgewerk wieder live vor Publikum im legendären New Yorker Jazzclub Village Vanguard eingespielt. Und wie damals verblüffen sie bei der Stückwahl auch dieses Mal wieder durch große Offenheit für alle Genres – Frisell nennt in dieser Hinsicht Sonny Rollins und Miles Davis als Vorbilder –, wobei sich durchaus Parallelen zum Vorgänger-Album ergeben. So gelingt es Bill Frisell, selbst bei vielgespielten und somit in gewisser Weise „vorbelasteten“ Titeln, dank seiner musikalischen Neugier, seines Einfallsreichtums und seiner enormen Erfahrung zu den essentiellen Bestandteilen einer Komposition vorzudringen und dieser auf unkonventionelle Weise neues Leben einzuhauchen.

Am augenfälligsten ist dies natürlich bei den in unzähligen Versionen kursierenden Schmachtfetzen wie dem Drifters-Evergreen „Save The Last Dance For Me“, bei Billy Strayhorns „Lush Life“ oder dem von Frank Sinatra unsterblich gemachten „In The Wee Small Hours Of The Morning“. Eine Singstimme fehlt angesichts der großartigen melodischen Fähigkeiten des Gitarrenzauberers überhaupt nicht, und Thomas Morgan erweist sich mit seinem auf jede Idee Frisells perfekt reagierenden, ungemein beweglichen Kontrabass-Spiel als idealer Partner. „James Bond“-Filmkomponist James Barry, der letztes Mal mit „Goldfinger“ dabei war, ist dieses Mal mit dem nicht minder bekannten „You Only Live Twice“ vertreten, in dem Frisell seine Reverb-Tricks voll ausspielt und Morgan mit Tangorhythmen überrascht. Die erste gemeinsame Klammer in Frisells und Morgans Biographien ist der Drummer Paul Motian, dem sie mit dessen nicht so ganz leicht zugänglicher, recht abstrakten Komposition „Mumbo Jumbo“ die Ehre erweisen. Bei den beiden siebenminütigen Versionen von „Epistrophy“ und „Pannonica“ erweisen sich Frisell/Morgan mit ihrem sicheren Gespür für witzig Vertracktes und genial Schräges als Brüder im Geiste des großartigen Thelonious Monk, was nicht heißen soll, dass sich die Americana-Spezialisten eines vergleichsweise simplen Folksongs wie „Red River Valley“ nicht mit dem gleichen Respekt und mindestens ebenso verblüffenden Ergebnissen annähmen. Nach einer guten Stunde exzellenter Duo-Improvisationen über zeitlose Melodien - immer nah am Original, aber mit einem Füllhorn an brillanten Ideen veredelt – freut man sich schon, den relaxt groovenden Opener „All In Fun“ von Kern/Hammerstein II nochmals zu hören und ist verblüfft, welch neue Aspekte sich einem – nachdem man sich in den Duo-Sound einmal eingehört hat – bei einem weiteren Durchlauf eröffnen.

(ECM/Vertrieb: www.lotusrecords.at)

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