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16.05.2019 |  Peter Füssl

Angélique Kidjo: Celia

Nicht alle 16 Studioalben der 1960 in Benin geborenen Angélique Kidjo sind vorbehaltlos zu empfehlen, aber die grammygekürten „Djin Djin“, „Eve“ und „Sings“ mit dem Orchestre Philharmonique Luxembourg oder die letztjährige originelle Bearbeitung des Talking Heads-Klassikers „Remain in Light“ sind es – und auch die nun vorliegende Hommage an die 2003 verstorbene, kubanisch-amerikanische „Queen of Salsa“ Celia Cruz zählt zu den absoluten Highlights in Kidjos Oeuvre.

Kidjo hat als Jugendliche das grassierende Salsa-Fieber in ihrem Heimatland und auch ein Konzert der hochverehrten Cruz miterlebt, die sie Jahre später dann in Paris zwecks Gedankenaustauschs zwischen Diven wieder getroffen hat. Die beiden verbindet nicht nur das Schicksal, aus politischen Gründen aus der Heimat geflohen zu sein, sondern auch das Interesse an der afro-amerikanisch-kubanischen Schmelztiegelmusik, die in den besten Fällen genauso leicht ins Ohr wie in die Beine fährt. Bei den Neuinterpretationen der hauptsächlich aus den 50-er und 60-er Jahren stammenden Cruz-Klassiker geht es Kidjo aber nicht darum, in Sachen Tanzbarkeit noch eins draufzusetzen, sondern ganz im Gegenteil, wie auch schon in früheren Alben, ums Offenlegen der afrikanischen Wurzeln von Stilen wie Rumba, Son, Cha-Cha-Cha oder eben Salsa. Drummer Tony Allen, Bassistin Meshell Ndegeocello oder die hochgelobten Sons of Kemet um den Saxophonisten Shabaka Hutchings eignen sich zu diesem Zweck ebenso erstklassig wie die feurigen Bläser der Gangbé Brass Band aus Benin. Der aus Martinique stammenden Multiinstrumentalist/Arrangeur David Donatien befreite als umsichtiger Produzent die populären Titel von jeglichen Salsa-Klischees und implementierte stattdessen Afrobeats, Bläsersounds, nigerianische Jùjú-Rhythmen und orientalische oder äthiopische Elemente, um „den Punkt zu finden, an dem Afrika in die Moderne überging“. Der ist im Augenblick vielleicht genau dort, wo sich Kidjo mit ihrer fesselnden Stimme befindet. Jedenfalls zementiert die großartige Sängerin und für die UNICEF und Oxfam tätige politische Aktivistin Angélique Kidjo mit diesem quicklebendigen und mitreißenden Album ihren Ruf, die legitime Erbin von Miriam Makeba, Nina Simone und jetzt wohl auch Celia Cruz zu sein.

(Decca/Verve/Universal)

 

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