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14.05.2019 |  Peter Füssl

Andrew Bird: My Finest Work Yet

Das 15. Studioalbum „My Finest Work Yet“ des unkonventionellen Multiinstrumentalisten und Singersongwriters Andrew Bird mag vielleicht – wie der Titel ironisch suggeriert – tatsächlich sein bestes sein, ist aber ganz sicher sein politischstes. Denn der exzellente Geiger aus Chicago bezog seine Inspirationen zum Gros der neuen Songs aus dem politischen Wandel nach dem Wahlsieg Donald Trumps, der die Spaltung der US-Gesellschaft nochmals vertieft hat.

Die Texte des wortgewandten Lyrikers kommen aber keineswegs plump tagespolitisch daher, sondern bleiben ambivalent und sind gespickt mit grundlegenden Überlegungen zum Wesen des Despotismus, zu ideologischer Gegnerschaft, die sich wechselseitig bedingt, zu Apathie und Widerstand, zur politischen Brandstiftung in Zeiten grassierender Charakterlosigkeit. Dass Andrew Bird auf dem Album-Cover den ermordeten Revolutionär und Demagogen Jean Paul Marat aus Jacques-Louis Davids berühmtem Gemälde mimt, spricht für seinen Witz und sein ausgeklügeltes dramatisches Talent. Die zehn Songs sind irgendwo im Folk-Indie-Pop angesiedelt und überzeugen mit eingängigen Melodien, nuancenreichen Arrangements und einem von Bird und achtköpfiger Band live eingespielten, wunderschönen, warmen Raumklang, den Koproduzent Paul Butler in den berühmten Barefoot Studios in Los Angeles nach dem klanglichen Vorbild legendärer Jazzplatten der 1950-er/60-er Jahre aufnahm. So steht die musikalische Schönheit, meist auch Leichtigkeit der Songs oft in einem reizvollen Kontrast zur Melancholie und Tiefgründigkeit der Aussagen – manche Geigenpartie oder gepfiffene Melodie betört gar durch charmante Lässigkeit. Ein Album, das Heavy Rotation verdient.

(Loma Vista/Concord/Universal)

 

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