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29.07.2022 |  Karlheinz Pichler

„Roter Faden grüner Zweig“ – Friederike Feldmann und Alexander Wagner in der Bludenzer Galerie allerArt

Die aktuell laufende Ausstellung in der Bludenzer Galerie allerArt trägt den kryptischen Titel „Roter Faden grüner Zweig“ und ist dem Schaffen der 1962 in Bielefeld geborenen Künstlerin Friederike Feldmann sowie Alexander Wagner, Jahrgang 1978, gewidmet. Zu sehen sind Wandmalereien von Feldmann, die formal Assoziationen an schablonenhafte Fragmente einer Schere evozieren, sowie abstrakte Acryl-auf-Pappe-Arbeiten von Wagner. Beide in Berlin lebenden und arbeitenden Kunstschaffenden sind der Malerei und der Zeichnung verhaftet und beide zeigen ihre Werke häufig anhand von installativen, raumbezogenen Anordnungen. Wobei bei Feldmann vor allem malerische Grundfaktoren wie Gestus, Textur, Repräsentation und Autorschaft in den Fokus rücken, während Wagner gegensätzliche Aspekte wie Abstraktion und Gegenstand oder Fläche und räumliche Illusion ausbalanciert.

Das Plakat zur Ausstellung, das filigrane, rote Verästelungen mit roten Blättern zeigt, sowie der Titel der Ausstellung  „Roter Faden grüner Zweig“ führen die Betrachterschaft vordergründig aufs Glatteis. Denn von diesen Vorinformationen her wird eigentlich eine Schau mit figurativen Werken erwartet. Faktisch bleibt das Gezeigte jedoch weitgehend abstrakt. Das Verbindende reduziert sich auf die Farben Rot und Grün, die sich durch die gesamte Ausstellung hindurchziehen, sowie die von Feldmann malerisch auf die Wand übertragenen, bis vier Meter hohen „Schnipsel“, die an Scherenteile erinnern.      

Gegenseitige Bedingung von Präsenz und Abwesenheit      

Solche Schnipselformen, die Feldmann auf die Wand überträgt, blieben als Reste/Abfall zurück, als würde man aus übergroßen Papierbahnen die Formen von Scheren ausschneiden. Dazu Feldmann: „
Die Formen der Reststücke/Schnipsel werden durch die umgebende Malerei, die mit sehr breiten Pinselstrichen ausgeführt ist, definiert. Die Ränder dieser Formen sind zusätzlich mit schmalen, dunkleren Pinselstrichen versehen, die wie Schatten wirken, wodurch der Anschein erweckt wird, es befänden sich die großen weißen Schnipsel auf- bzw. vor der bemalten Wand.“ Nach der Intention der Künstlerin sollen die Bilder auch eine Schnittstelle zwischen Fülle und Leere respektive Anwesenheit und Abwesenheit repräsentieren. Wobei in den farbig bemalten Partien die vermeintlich ausgeschnittene Form fehlt, und was wie riesige weiße Papierreste wirkt, ist de facto die weiße Wand, die gänzlich unberührt ins Bild integriert wird. Nochmals Feldmann gegenüber KULTUR: „Für die Malerei wurde ausschließlich rote und grüne Acrylfarbe verwendet. Streng genommen beinhalten Rot und Grün das gesamt Farbspektrum. Sie liegen sich im Farbkreis gegenüber, sind Komplementärfarben. Werden sie nebeneinander gesetzt, steigern sie sich gegenseitig in ihrer Wirkung. Wenn sie jedoch vermischt werden, löschen sie sich gegenseitig aus.“
Diese Wandbilder hat Feldmann nur für den Augenblick gemalt. Sie verschwinden nach Ablauf der Ausstellung wieder und bleiben nur als fotografische Dokumentationen oder ideell in der Erinnerung der Ausstellungsbesucher haften.      

Strenge Geometrie mit Zwischentönen       

Bei Alexander Wagner spielt die Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten der Bildproduktion im Kontext von Malerei und Zeichnung eine besondere Rolle. In seinen Arbeiten greift der Berliner Künstler stets auf eine geometrische Formensprache zurück, die in ihrer Komposition reduziert und abstrahiert aufgebaut ist. Seine Bilder wirken auf das Wesentliche reduziert, wobei die Farbe den zentralen Aufhänger darstellt. Die in den im allerArt gezeigten Werken gesetzten geometrischen Grundformen wirken wie räumliche Verschachtelungen und Überlagerungen. In den relativ großzügig angelegten Farbgeometrien kommt der Grün-Rot-Komplementäreffekt besonders gut zur Geltung. Die strengen Farbräume werden immer wieder auch durch lineare „Ausfransungen“ durchbrochen, was der „Ordnung“ eine Art gestischen Touch verleiht. Diese feinen Ausästelungen wirken im übertragenen Sinne wie lyrische Zwischentöne. Durch die Verwendung von Pappe als Bildträger erhalten die Kunstwerke von Alexander Wagner zudem einen haptischen Impetus. Konventionelle räumliche Erfahrungen sollen gesprengt und neue visuelle Wahrnehmungsperspektiven aufgerissen werden.
„Roter Faden grüner Zweig“ ist die zweite gemeinsame Ausstellung von Friederike Feldmann und Alexander Wagner. Die erste fand 2016 im Oldenburger Kunstverein statt.         
 

Friederike Feldmann und Alexander Wagner: „Roter Faden grüner Zweig“
noch bis 6.8.2022
Mi-So, Fe 15-18
Galerie allerArt, Am Raiffeisenplatz 1, A-6700 Bludenz
www.allerart-bludenz.at

Alexander Wagner: Ohne Titel, Acryl auf Pappe, 2022 (Foto: Karlheinz Pichler)

Alexander Wagner: Ohne Titel, Acryl auf Pappe, 2022 (Foto: Karlheinz Pichler)

Friederike Feldmann: Ausschnitt rot, Acryl auf Wand, 2022 (Foto: Karlheinz Pichler)

Friederike Feldmann: Ausschnitt rot, Acryl auf Wand, 2022 (Foto: Karlheinz Pichler)

Alexander Wagner: Ohne Titel, Acryl auf Pappe, 2022 (Foto: Karlheinz Pichler)

Alexander Wagner: Ohne Titel, Acryl auf Pappe, 2022 (Foto: Karlheinz Pichler)

Friederike Feldmann: Ausschnitt rotgrün, Acryl auf Wand, 2022 (Foto: Karlheinz Pichler)

Friederike Feldmann: Ausschnitt rotgrün, Acryl auf Wand, 2022 (Foto: Karlheinz Pichler)

Blick in die Ausstellung (Foto: Karlheinz Pichler)

Blick in die Ausstellung (Foto: Karlheinz Pichler)

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Bilder
  • Alexander Wagner: Ohne Titel, Acryl auf Pappe, 2022 (Foto: Karlheinz Pichler) Alexander Wagner: Ohne Titel, Acryl auf Pappe, 2022 (Foto: Karlheinz Pichler)
  • Friederike Feldmann: Ausschnitt rot, Acryl auf Wand, 2022 (Foto: Karlheinz Pichler) Friederike Feldmann: Ausschnitt rot, Acryl auf Wand, 2022 (Foto: Karlheinz Pichler)
  • Alexander Wagner: Ohne Titel, Acryl auf Pappe, 2022 (Foto: Karlheinz Pichler) Alexander Wagner: Ohne Titel, Acryl auf Pappe, 2022 (Foto: Karlheinz Pichler)
  • Friederike Feldmann: Ausschnitt rotgrün, Acryl auf Wand, 2022 (Foto: Karlheinz Pichler) Friederike Feldmann: Ausschnitt rotgrün, Acryl auf Wand, 2022 (Foto: Karlheinz Pichler)
  • Blick in die Ausstellung (Foto: Karlheinz Pichler) Blick in die Ausstellung (Foto: Karlheinz Pichler)