„Tancredi“ begeistert als Hausoper der Bregenzer Festspiele in glänzender Besetzung. (Foto: Bregenzer Festspiele/Karl Forster)
Karlheinz Pichler · 20. Dez 2012 · Ausstellung

Landschaften gespiegelt, verdoppelt und um die eigene Achse gedreht

Unter dem Titel „Faltungen" zeigt die Bludenzer Galerie Allerart in der Remise Bludenz noch bis 13. Jänner Arbeiten des oberösterreichischen Künstlers Gerhard Brandl, die in den vergangenen zwei Jahren entstanden sind. Anhand von Landschaften, die er durch Spiegelungen um die eigene Achse verdoppelt, oder Objekten, die bei der Perambulation (Umschreitung) völlig verschiedene Motive zu Tage hieven, fordert er die Wahrnehmungsgabe der Besucher heraus.

Brandl, 1958 in Linz geboren, ist werktechnisch vor allem in der Grafik und Malerei beheimatet. Wobei seine „Bilder“ durchaus auch objekthafte, dreidimensionale Erscheinungsformen annehmen können. Derzeit setzt er sich insbesondere mit Faltungen und dyadischen Darstellungen auseinander. Unter einer Dyade ist ein duales System zu verstehen, anhand dessen zwei unterschiedliche Motive in ein und derselben Arbeit gezeigt werden können.

Eine Arbeit, zwei Bilder

Auf seine Bodenobjekte bezogen heißt dies, dass er horizontal aneinandergereihte Dreikanthölzer mit Leinwand überzieht und die Seitenwände der Leisten jeweils mit einem Bildmotiv bemalt oder einem Druck überzieht. Erkennt der Betrachter von vorne beispielsweise einen Berg, so sieht er nach der Umschreitung des auf einem niederen Gestell platzierten Objektes auf der Rückseite ein Wolkenbild. Oder es ist auf der Vorderseite eine Landkarte von Oberösterreich und Bayern abgebildet, die sich bei der Umwanderung dann in ein gemaltes, schwammförmiges Gebilde wandelt. Oder das „Große Rasenstück“ erscheint von vorne als grüne, von hinten als eine graue Zone. Beim Betrachter erzeugen diese Werke eine große Spannung. Bei der Perambulation löst sich das eine Motiv, das nur in frontaler Sicht als komplettes Bild wahrnehmbar ist, sukzessive auf, um sich dann in der fortschreitenden Umgehung zu einem völlig neuen Motiv zusammenzusetzen. Im Prozess des Betrachtens mischen sich die Bildinhalte stetig neu und irritieren durch die ständigen Verfremdungen. Wie Brandl im Gespräch betont, will er mit dieser Form von Arbeiten auch Begriffe wie dritte Dimension, Verschränkung, Dualität, Horizontale, Perspektive, Licht, Reflektion oder Schatten thematisieren.

Veränderung durch Spiegelung

Auch bei den Wandarbeiten operiert Brandl mit der dualen Sichtweise. Ausgangspunkt mehrerer dieser Werke ist ein markanter Berg bei Davos, den er gezeichnet hat. Jeweils zwei mittel- oder größerformatige Kopien dieser Zeichnung setzt er um 90 oder 180 Grad versetzt direkt nebeneinander und erhält dadurch einen völlig anderen Eindruck des Berges. Bei der Kopplung der um 180 Grad gedrehten Variante etwa erscheint der Berg nun wie ein Bergsystem, das einen Krater umschließt. Der Betrachter wiederum ist gefordert, ständig zu überprüfen, was ihm tatsächlich vor Augen gesetzt wird. Die Augen müssen sich stetig gegen irgendwelche Täuschungsversuche zur Wehr setzen.

Dieser Zyklus erinnert in gewissem Sinne auch an die Technik der sogenannten Abklatschtechnik, nach der auf die eine Hälfte eines gefalteten Papiers Farbe aufgetragen wird. Presst man dann die zwei Hälften aufeinander und klappt das Papier wieder auseinander, ergibt sich auf beiden Seiten ein identisches Bild. Diesen Effekt macht sich der oberösterreichische Künstler de facto bei seinen 180-Grad-Verdoppelungen zunutze.

Brandl ist übrigens Mitglied der Künstlervereinigung „MAERZ“ und war von 2003 bis 2007 auch deren Vorsitzender. Auf Einladung von „MAERZ“ gastierten vor exakt zwei Jahren die Vorarlberger Kunstschaffenden Rainer Ganahl, Christoph und Markus Getzner, Alfred Graf, Richard Jochum, Sabine Luger und Michael Mittermayer in Linz. Die von Alfred Graf kuratierte Brandl-Werkschau in der Remise ist also nun die Gegenausstellung dazu. Sie fällt in die Rubrik „Austauschbemühung“. Als Leiter des künstlerischen Programmes der Galerie Allerart versucht Graf permanent, Kontakte zu überregionalen Vereinigungen und Institutionen zu knüpfen, um hiesigen Künstler den Weg hinaus zu ebnen, und andererseits das Vorarlberger Kunstpublikum in Bludenz mit auswärtigen Positionen zu konfrontieren.

 

Gerhard Brandl: „Faltungen“
Galerie Allerart,Remise Bludenz
bis 13. Jänner 2013
Mi, Fr, Sa, So u. Fe 15-18, Do 16-20
www.allerart-bludenz.at