"Die Sterne" im Spielboden Dornbirn: Frontmann Frank Spilker und Philipp Janzen an den Drums (Foto: Stefan Hauer)
Karlheinz Pichler · 24. Dez 2012 · Ausstellung

In Symbiose mit Architektur, Raum und Licht

Österreichs Shootingstar der Kunstszene, Florian Pumhösl, gilt nicht nur als Meister der Referenzen und Querverbindungen, sondern auch als Perfektionist, was die Reduktion und die Präsentation seiner Werke anbelangt. Unter dem Titel „Räumliche Sequenz“ sind noch bis 20. Jännner 2013 exakt 45 Gipstafeln zu sehen, auf die der Künstler geometrische Formen und Linien aufgestempelt hat und die auf subtile Art mit der Peter-Zumthor-Architektur korrespondieren.

So einfühlsam ist wohl noch nie ein Kunstschaffender mit den Räumlichkeiten des Zumthor-Baues umgegangen. Die aus 15 Motiven mit jeweils drei Gipsplatten in unterschiedlicher Größe bestehende Werkserie, die der 1971 in Wien geborene Florian Pumhösl eigens für das KUB erarbeitet hat und die sich auf die drei Obergeschosse des KUB verteilen, scheinen wie aus der Architektur herausgewachsen zu sein. In Materialität, Form und Farben geht die „Räumliche Sequenz“, wie Pumhösl seine Ausstellung schlicht nennt, eine kongeniale Symbiose mit Architektur, Raum und Licht ein. Die Gipsplatten zitieren die grauen Betonwände in Form und Farbe, und sie reagieren aktiv auf die im KUB dominierenden Linien-, Flächen- und Raumstrukturen. In einem Plattensujet nimmt der Künstler sogar direkt den Grundriss des Zumthorbaues mit ins Bild.

Abstraktes Bild als Reproduktion

Gips ist ein mineralisches, homogenes Material. Auf dieses hat Pumhösl die farbigen Linien und Geometrien mit einem Cliché-Stempel aufgedruckt. Pumhösl dazu: „Das transparente Cliché ermöglicht es, den Bildträger auf der Sichtseite zu gestalten. Mir erscheint die Vorstellung wichtig, dass ein abstraktes Bild von vornherein eine Reproduktion (durchaus auch von etwas Ideellem) ist und, dass seine Eigenschaften das auch nachvollziehen lassen.“

Die Art der Hängung, der Anordnung der Gipsplatten, die Betonung von Leerstellen und die auf die Tafeln gestempelten formalen Konstellationen evozieren auch Assoziationen an die Musik. Pumhösls Gips-Ensemble liest sich wie eine überdimensionale Partitur. Der Künstler: „Was man sieht ist genauso wichtig, wie das was man nicht sieht. In diesem Fall ist es zum Beispiel die Arbeit mit den Bildabständen.“

Pumhösl ist 1993 einem internationalen Publikum schlagartig bekannt geworden, als er, erst 22-jährig, an der legendären Gruppenausstellung „Backstage“ im Hamburger Kunstverein zusammen mit Dorit Margreiter und Mathias Poledna teilnahm. Der Beitrag des Künstlertrios sah vor, dass für die Laufzeit der Ausstellung alle Türschlösser der Institution ausgebaut werden sollten und somit das Ausstellungshaus im realen wie im metaphorischen Sinn seine Zugänglichkeit öffnete. Schon damals bestimmte das konzeptionelle Denken, der Hang zur Recherche, die Auseinandersetzung und Analyse mit vorgegebenen Ort-, Zeit- und Raumsituationen seinen künstlerischen Impetus.

Referenziell und autonom zugleich

Die speziell für Bregenz entwickelten Bildtafeln Pumhösls nehmen Anklänge an die klassische Moderne. Was Material und Formalsprache anbelangt, erinnert die „Räumliche Sequenz“ an das Bauhaus, die vielleicht wichtigste Bildungsstätte für Architektur, Kunst und Design des vorigen Jahrhunderts. Trotz der Vielfalt von Querverweisen verfügen die gezeigten Werke aber auch über eine große Autonomie. Auch wenn man sich den theoretischen Überbau wegdächte, hätte die „Räumliche Sequenz“ Bestand. Sie steht nicht nur für Gewesenes, sondern auch für sich allein. KUB-Chef Yilmaz Dziewior empfindet die Werkschau Pumhösls denn auch als Schule des Sehens oder Kontemplation: „Für mich ist es eine sehr malerische Ausstellung, weil sie die Betrachter dazu animiert, genauer hinzuschauen, sich die Oberflächen anzuschauen.“

Pumhösl sieht im Kunsthaus Bregenz eine Art Raumlabor, in welchem Kunstschaffende mit räumlichen Volumina, Akkustik und Effektivität des Lichtes arbeiten können, wie in kaum einem anderen Haus in Europa. Von der Kollegenschaft wird Pumhösls Vermögen, Querverweise zu reduzieren und Arbeiten perfekt zu präsentieren, überaus geschätzt, wogegen die „normale“ Betrachterschaft aufgrund der hohen Anforderungen des Werks vielfach aussteigt. Die Schau in Bregenz bietet eine feine Gelegenheit, dieses Zusammenspiel von Referenz, Analytik des Ortes und Präsentation sehr augenscheinlich nachzuvollziehen.

Jedes Bild ein Tag Belichtung

Auch die KUB Billboards an der viel befahrenen Bregenzer Seestraße werden derzeit von Florian Pumhösl bespielt. In Zusammenarbeit mit Michael Part verweisen diese Arbeiten auf die Bedeutung fotografischer Prinzipien für das abstrakte Bild. Die quadratischen, 3,3 Meter großen Textilen wurden mit dem Eisendruckverfahren gestaltet, bei dem der mit einer lichtempfindlichen Chemikalie behandelte Stoff der Sonne ausgesetzt wird und dann einen Blauton annimmt. Das Bild wurde so vom Wetter erzeugt.  „Jedes Bild stellt einen Tag Belichtung dar”, erläutert der Wiener Künstler.

Florian Pumhösl: „Räumliche Sequenz“
Kunsthaus Bregenz
Bis 20.1.2013 
Di–So 10–18
Do 10–21
www.kunsthaus-bregenz.at