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10.06.2021 |  Peter Niedermair

Joseph Binder Award 2020 – Verleihung der Preise und Eröffnung der Ausstellung im designforum Vorarlberg, Campus V, Dornbirn am 9. Juni 2021

„What A Year! - 2020: das Jahr des Wandels. In diesem Jahr ist alles neu. Nicht nur das Weltgeschehen, das uns vor neue Herausforderungen stellt. Auch Formen und Wege der Kommunikation verändern sich. Welche Spuren wird diese besondere Zeit in kommunikativen und kreativen Prozessen hinterlassen? Wir werden es sehen“, resümierte Susanne Breitfel, Diplom Designerin und Jury-Mitglied für die Vergabe des 2020er Joseph Binder Award, nach der internationalen Online-Jurysitzung. Design ist in Vorarlberg in den letzten Jahren durch die auffallend große Zahl von Grafikdesigner/innen und deren wirklich beachtliche Qualitäten immer relevanter und wichtiger geworden, und: Design, mittlerweile weitum bekannt, ist mehr als nur die Verpackung, Design entsteht durch die Auseinandersetzung mit Inhalten und Kontexten, es transportiert Botschaften und kommuniziert. Design hat einen hohen Stellenwert in der alltäglichen Kommunikation und einen erheblichen Einfluss auf die Erinnerungskultur jedes Menschen.

Im Design hat alles eine Funktion 

Der Joseph Binder Award findet im Zweijahresrhythmus statt. 1029 Einreichungen aus 46 Ländern - 6 Mal Gold, 18 Mal Silber und 7 Mal Bronze. 24 Arbeiten erhielten eine Auszeichnung und darüber hinaus kam in der auftragsunabhängigen Kategorie „Design Fiction“ ein Preisgeld von 10.000 Euro zur Vergabe, welches sich auf 5 Beiträge aufteilt. Und erstmals wurde der Henry Steiner Prize für ein besonders vielversprechendes Nachwuchsprojekt verliehen. Der Joseph Binder Award ist ein internationaler Wettbewerb mit Schwerpunkt Grafikdesign & Illustration und wurde von designaustria, dem Interessensverband und Wissenszentrum für Design in Österreich, 1996 ins Leben gerufen. Der Wettbewerb ist nach einem der großen Grafikdesigner und Illustratoren im Österreich der Zwischenkriegszeit benannt, der die visuelle Gestaltung später auch in den Vereinigten Staaten revolutionierte. Joseph Binders Grundsatz lautete: „Im Design hat alles eine Funktion. Design hat die Funktion der Darstellung. Design hat die Funktion der Kommunikation. Design hat die Funktion der Motivierung.“ 

„What you want is quality, not quantity.“ Indra Kupferschmid, Jury-Mitglied 

designaustria, Wissenszentrum und Interessenvertretung, ist Österreichs erste Adresse für Design. 1927 gegründet, ist designaustria Europas drittälteste Designorganisation. Insgesamt engagieren sich derzeit rund 1.300 Mitglieder aus verschiedenen Sparten für Österreich als Designnation. designaustria bündelt die Interessen seiner Mitglieder und vertritt diese auf nationaler, europäischer und weltweiter Ebene. Durch Ausstellungen, Vermittlung, Publikationen und Öffentlichkeitsarbeit stärkt designaustria das Designbewusstsein im Land und verdeutlicht den Nutzen von Design in Gesellschaft und Wirtschaft; in Vorarlberg jetzt neu in Kooperation mit der Wirtschaftskammer. Die Fachgruppe ist die neue Instanz des designforum vorarlberg. Bernhard Ölz, langjähriger Träger des designforums Vorarlberg, und die Prisma haben, wie das mentale Mastermind von Sägenvier Dornbirn, Sigi Ramoser, designaustria-Mitglied, Fachgruppen-Mitglied und Preisträger des JBA 2020, in seiner gestrigen Rede betont, diese Möglichkeiten und Potentiale erwirkt und bewirkt. Bei der Eröffnung der Joseph Binder Award Ausstellung ging es das erste Mal offiziell auch um die Übergabe von Prisma, Bernhard Ölz, an die Wirtschaftskammer Vorarlberg in Kooperation mit designaustria, die das designforum weiter betreiben wird. 

Souverän durchgeführte Qualitätsermittlung von Design 

Für die Grafikdesigner/innen in Vorarlberg ist der Joseph Binder Award so wichtig, weil diese Auszeichnungen immer ein Messinstrument sind, wo sie im Westen im Vergleich zu Gesamtösterreich und in der Welt stehen. Und da können viele der Gestaltungsbüros in Vorarlberg sehr gut mithalten. Die Auszeichnungen, die die Gestalter/innen immer Geld kosten und es keine Geldpreise gibt, sind besonders auch für jüngere Designerinnen, die diesmal vermehrt dabei sind, wichtig, um Kunden von der internationalen Qualität des grafischen Tuns zu überzeugen. Darüber hinaus ist es auch für die Kunden eine Auszeichnung und Bestätigung, dass sie bei den jeweiligen Gestaltungsbüros richtig liegen. Und es stärkt insgesamt die Qualität, da immer international auf das Grafikdesign Gewerbe geschaut und juriert wird. Frauen sind, wie Sigi Ramoser betont, leider immer noch zumeist nur angestellt und selten in Führungspositionen; doch es gibt immer mehr Gestaltungsbüros, die sich erfolgreich gegen die Dominanz der Männer in der Gestaltungswelt durchsetzen. Und ganz grundsätzlich stärkt jegliche neutrale und souverän gemachte Qualitätsermittlung von Design im internationalen Kontext die nutzenstiftende und gesellschaftsrelevante Arbeit - Design follows content and sense. Die Nutzenstiftung des grafischen und inhaltlichen Denkens soll mit dem Begriff der Gebrauchsgrafik fokussiert werden. Die Grafiker analysieren, recherchieren, sammeln Ideen, vergleichen und verwerfen sie und suchen Individualität und Atmosphären, dass über die Jahre oder Jahrzehnte lange sichere und nachhaltige Gestaltung und Kommunikation möglich wird. Zum Nutzen der Industrie, des Gewerbes, der öffentlichen Stellen, der Dienstleister/innen. 

Gold an Zeughaus Design für „Altes Hallenbad“
Silber an Sarah Luger für „Das Zweitkleinste – Vorarlberg in Zahlen“
Bronze an Sägenvier DesignKommunikation für das „Kinderhaus Kennelbach“
Silber an Silvia Keckeis und Karoline Mühlburger, Kaleido für „Junge mit Ideen“ (Kategorie Corporate Design)

Insgesamt gibt es beim 2020er Joseph Binder Award 28 Siegerprojekte aus Österreich. Zwei Gold-Trophäen, sechs Silber-Awards, viermal Bronze, einmal Sonderpreis in „Design Fiction“ und 15 Auszeichnungen. Gold an Zeughaus Design für „Altes Hallenbad“ (Kategorie Corporate Design) und an Huangart/LWZ für „MAK LAB APP“ (Kategorie Screensdesign). Silber Kaleido GmbH & Co KG für „Junge mit Ideen“ (Kategorie Corporate Design), FaceType / Schriftlabor für „ST Matilda“ (Kategorie Schriftgestaltung), Sarah Luger für „Das Zweitkleinste – Vorarlberg in Zahlen“ (Kategorie Buchgestaltung), Anna Frey für „Bücher binden. Grundlagen und Techniken Schritt für Schritt“ (Kategorie Editionsdesign), Heimat Wien für „REBEN.REDEN“ (Kategorie Verpackungsgestaltung), Peter Diamond Illustration für „Ayahuasca“ (Kategorie Medienillustration). Bronze Sägenvier DesignKommunikation für das „Kinderhaus Kennelbach“ (Kategorie Informationsdesign), Andreas Palfinger für „A Populist’s Guide to: Shaping Democracy“ (Kategorie Editionsdesign), dform GbR für www.subtext.xyz (Kategorie Screen Design), HFA Studio für „Isocell“ (Kategorie Illustration in anderen Anwendungen). Christin Künig erhielt für „Ban Sondhoufa – Ein Atlas als Erinnerungsobjekt an ein Haus zur Wahrung der Kontinuität von Architektur“ den Sonderpreis in der Kategorie Design Fiction. 

Schön, dass wieder etwas passiert 

„Die Zusammenarbeit zwischen WKV und Kreativwirtschaft im Land ist vorbildlich, das designforum ist ein Ort des Austausches und der Kommunikation. Eine Ausstellung über Design, das normalerweise kontextbezogen funktioniert, ist immer eine große Herausforderung. Insbesondere, wenn wenig Budget zur Verfügung steht und die Präsentation für mehrere, ganz unterschiedliche Orte funktionieren muss. So gesehen ist das eigentlich gut gelöst.“ – sagte Kurt Dornig, Grafikdesigner und erfolgreicher Buchgestalter, der gestern bei der Eröffnung mit dabei war. 

Die Ausstellung Joseph Binder Award 2020 ist bis zum 2. Juli 2021 im designforum vorarlberg, CAMPUS V, Hintere Achmühlerstraße 1 in Dornbirn zu sehen.
Öffnungszeiten: Dienstag – Freitag: 10 – 19 Uhr Samstag: 10 – 16 Uhr, Sonntag und Montag geschlossen
www.designforum.at 

Katalog: Joseph Bilder Award 2000. Hrsg. von designaustria. 27,50 Euro, Bestellungen an service@designaustria.at

Bernhard Ölz, Prisma (Foto: Frederik Sams)

Bernhard Ölz, Prisma (Foto: Frederik Sams)

Sigi Ramoser, Sägenvier (Foto: Frederik Sams)

Sigi Ramoser, Sägenvier (Foto: Frederik Sams)

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  • Bernhard Ölz, Prisma (Foto: Frederik Sams) Bernhard Ölz, Prisma (Foto: Frederik Sams)
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