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30.07.2012 |  Karlheinz Pichler

Die Wirklichkeit ist zweischneidig – Fotografien von Marko Zink in der Galerie allerArt Bludenz

Ein Wald, dessen Vegetation wie abgestorben wirkt. Nadelbäume, die samt vorbeiführender Straße von weißem Staub überzuckert scheinen. Ein Kieswerk, das völlig verlassen und verödet anmutet. Die Fotografien von Marko Zink scheinen nach einer Katastrophe aufgenommen worden zu sein. Und in fast allen Bildern treibt ein nackter Mann mit wechselnden Tiermasken sein Unwesen. Bildszenerien mit archaischer Suggestionskraft, von bedrohlicher Stille geprägt und voller mythologischer Assoziationspunkte ziehen den Betrachter in den Bann.

Der 1975 in Schruns geborene Kunstfotograf Marko Zink, der in breit angelegten Serien arbeitet, nennt den derzeit in der Remise Bludenz ausgestellten Zyklus „Tragödien“. Wobei die einzelnen Elaborate zwischen märchenhafter Ästhetik und geheimnisvoller Mystik zu changieren scheinen. Die Fotografien vermitteln den Eindruck, als wollten sie die Realität verbergen und das Unmögliche an die Oberfläche ziehen. Serien wie „Tragödien“ entführen in eine Welt, die zwischen Vertrautheit und verstörender Fremdheit hin- und herswitcht. Es sind verzauberte Landschaften, Landschaften nach einer möglichen Tragödie, nach einem GAU vielleicht. Die Wesen, die die Wälder, Sonnenblumenfelder oder verödeten Industrielandschaften bevölkern, sind Zwitterwesen: halb Mensch, halb Zebra; halb Mensch, halb Eule; halb Mensch halb Ziege etc. Die Nachfahren eines antiken Satyrs vielleicht.

Tonspur von Jelinek

Zink, der durch seinen einstigen Lehrer Ingo Springenschmid zur Kunst gekommen ist und bei Koryphäen wie etwa Eva Schlegel, Matthias Herrmann oder Friedl Kubelka studiert hat, ist auch dem Experiment verhaftet. Er bevorzugt die analoge Fotografie, er kocht Filme, bevor er sie belichtet, und er rückt die Fotografie in die Nähe der Malerei. Von den „Tragödien“, die übrigens das Hauptmotiv des Europäischen Monats der Fotografie in Wien 2010 waren, war auch Österreichs Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek angetan. Sie hat für den Vorarlberger eigens einen Text dazu geschrieben und diesen auch auf Band gesprochen, der die Ausstellung als Tonspur begleitet.

Im Kurhotel

Im Herbst wird es noch einiges über Zink zu berichten geben. Dann beginnt eine Ausstellungsstaffette, die sich ausschließlich mit der Serie „Im Kurhotel" beschäftigt. Diese ist zwischen 2010 und 2011 im leerstehenden Kurhotel Schruns entstanden. Der Reigen beginnt mit der Ausstellungseröffnung am 9.11. im Schrunser Heimatmuseum. Parallel dazu will Zink Fotos dieser Serie auf die dann zu verhüllende Frontfassade des Schrunser Kurhotels projizieren – so dieses dann noch steht. Tags darauf, am 10.11., wird eine Zink-Ausstellung in der Galerie Lisi Hämmerle eröffnet. Drei Tage später, am 13.11., startet die Wiener Galerie Michaela Stock mit einer Präsentation von Kurhotel-Fotos Zinkscher Provenienz. Und letztlich ist Zink ab 15.11. dann auch noch im Künstlerhaus Wien als Ausstellender zu Gast. Und noch so zum Drüberstreuen erscheint ebenfalls im Herbst im Verlag Fotohof Salzburg der Bildband „Im Kurhotel“. Dieser vereint die 40 Arbeiten Zinks zu diesem Thema, samt vier Eigentexten von ihm sowie kuratorischen Texten von Günther Oberhollenzer (Essl Museum), Andreas Stadler (Kulturforum New York) und Johanna Hofleitner („Die Presse"). Der Bildband kommt am 30.9. heraus, inklusive 55 Stück in limitierter Auflage mit signierter Fotografie.

 

Marko Zink: Tragödien
Galerie allerArt Bludenz
Bis 19.8.2012
Mi, Fr, Sa, So u. Fe 15-18,
Do 16-20
www.allerart-bludenz.at

Marko Zink: Aus der Serie „Tragödien"

Marko Zink: Aus der Serie „Tragödien"

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