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Karlheinz Pichler · 10. Okt 2011 · Ausstellung

Der Zufall ist immer mit dabei – Elmar Mayer in der Götzner Galerie Kurzemann

Der 1928 geborene Götzner Künstler Elmar Mayer ist sozusagen ein Spätberufener. Die konstante künstlerische Produktion setzte erst ein, als der ehemalige Direktor der Hauptschule Götzis in den Ruhestand trat. Zunächst gegenständlich arbeitend, entwickelte sich sein Werk in den mittlerweile über 20 Jahren, in denen er künstlerisch produktiv ist, sukzessive in die Geometrie und Abstraktion hinein. Wobei in der „kalkulierten“ Abstraktion und gerade bei den jüngsten Schüttbildern auch der Zufall eine große Rolle spielt, wie im Rahmen seiner aktuellen Ausstellung in der Galerie Kurzemann in Götzis nachzuvollziehen ist.

Die große Stärke Mayers liegt sicher in den Siebdrucken, in denen er mit geometrischen Formen arbeitet. Bei Kurzemann ist unter anderem eine Siebdruckserie zu sehen, für die Mayer mit rechteckigen Flächen und Streifen sowie mit unterschiedlichen Grautönen operiert. Manche Arbeiten daraus erinnern an monochrome Farbfeldmalereien, andere an rhythmische, horizontal und vertikal gegliederte Blockformationen. Oft sind die Übergange zwischen den Graustufen weich und fließend, was der Geometrie mitunter einen lyrisch-gestischen Beiklang verleiht.

Rolle des Zufalls

Wie Mayer selbst sagt,  kommt ihm der Siebdruck werktechnisch sehr entgegen, da sich damit klare Formen besonders gut realisieren ließen. Mayer: „Wenn man vom Entwurf bis zum fertigen Bild alle Arbeiten durchführt, kann man Techniken anwenden, die im Siebdruck normalerweise nicht üblich sind. Den Zufall nehme ich bewusst ins Bild. Er spielt sowohl in meinen lyrisch abstrakten Bildern, die spontan aufs Sieb gesetzt werden, als auch in den geometrischen Bildern eine Rolle.“

Geschüttet, nicht gepinselt

Hunderte von Siebdrucken sind solcherart in der Druckwerkstatt des Götzner Künstlers entstanden, wobei sämtliche Arbeitsschritte von Mayer selbst durchgeführt wurden, von der Anfertigung der Schablonen für die Formen bis hin zum Druck. Dies kostet Kraft und Energie, die dem mittlerweile 83-Jährigen immer mehr fehlt. Deshalb hat er sich arbeitstechnisch in letzter Zeit immer stärker auf die Acryl-Malerei verlagert. Wobei Malerei vielleicht nicht der exakte Ausdruck ist, denn Mayer arbeitet  nicht mit dem Pinsel, sondern er schüttet die Farbe auf den Bildträger. Als Parameter, die das Endprodukt prägen, sind die Größe des Schüttgefäßes, die Viskosität der Farbe sowie die Neigung der Leinwand von entsprechender Evidenz. In der Galerie Kurzemann sind Schüttbeispiele zu sehen, die in der Farbe Rot gehalten sind. Mayer „schüttet“ aber gerne auch in Gelb, Blau und Grün.

„Wirkung durch sinnliche Wahrnehmbarkeit"

Gerade bei den jetzt ausgestellten Werken denkt man automatisch an den Prinzendorfer Paradeschütter Hermann Nitsch. Im Unterschied aber zu Nitsch, bei dem immer die Aktion als solche im Mittelpunkt steht, will Mayer das fertige Bild im Zentrum wissen. Ganz dem Gedanken von Hervarth Walden folgend, dem Schriftsteller, Verleger, Galeristen, Musiker und Komponisten, der auch zu den wichtigsten Förderern der deutschen Avantgarde des frühen 20. Jahrhunderts zählte und bereits 1924 schrieb: „Der Ausdruck eines Kunstwerkes ist seine Wirkung. Wirkung entsteht nur durch sinnliche Wahrnehmbarkeit.“ Wie schon bei den Siebdrucken kommt dem Zufall und der spontanen Eingebung auch bei diesen Schüttbildern eine zentrale Bedeutung zu.

Elmar Mayer: "Acrylbilder und Siebdrucke"
Galerie Kurzemann, Götzis
Bis 21.10.2011
Di, Do, Fr 17 - 19