Nikolaus Walter, Ohne Titel (Krake), Schwarz-Weiß-Fotografie, Ausstellung im Rahmen des Walserherbst im Alten Konsum am Thüringerberg. © Nikolaus Walter
Karlheinz Pichler · 29. Mai 2018 · Ausstellung

Berufsvereinigung bildender KünstlerInnen: Willi Meusburger geht mit Freude, Maria Simma-Keller kommt mit Freude

Im Rahmen der diesjährigen Generalversammlung der Vorarlberger Berufsvereinigung bildender KünstlerInnen ist am Montag, den 28. Mai die 36-jährige Germanistin und Anglistin Maria Simma-Keller zur neuen Präsidentin gewählt worden. Sie folgt Willi Meusburger nach, der während 27 Jahren an der Spitze der Vereinigung gestanden und nun nicht mehr kandidiert hat.

Meusburger, der Geschichte, Anglistik und Amerikanistik studiert und über den Bregenzerwald in Geschichte promoviert hat, will sich künftig ganz auf die Norman-Douglas-Forschungsstelle fokussieren, die in der Vorarlberger Landesbibliothek eingerichtet ist und für die er seit Ende der 1990er Jahre verantwortlich zeichnet.

Das Palais Thurn & Taxis in Bregenz, vormals Villa Gülich, dient seit 1984 als Sitz der Berufsvereinigung. Seit damals werden in diesem herrschaftlichen Stadtpalais auch regelmäßig Ausstellungen organisiert. Das Nebengebäude, das ehemalige „Gärtnerhaus“, wird seit 1985 als Sekretariat, Bibliothek und Archiv genutzt. Meusburger, der das Präsidialamt 1991 übernommen hat, wurde seitens der Vorarlberger Kunstszene des öfteren vorgeworfen, sich als Vorsitzender des Verbandes zu wenig für die Belange der Kunstschaffenden im Land einzusetzen, dafür aber ein Ausstellungsprogramm zu verfolgen, das seinen eigenen Interessen diene. Er selbst betont hingegen, als Präsident der Künstlervereinigung subjektive Vorlieben stets konsequent ausgeblendet zu haben.

De facto bewirkt hat die Künstlervereinigung unter der Ägide Meusburgers nicht sehr viel. Bis auf ein Protestschreiben, mit dem auf die Absetzung von Carina Jielg als Kuratorin der ORF-Galerie reagiert wurde, nahm die Vereinigung eigentlich nie zu öffentlichen Belangen Stellung. Bis auf wenige Ausnahmen wurden auch keine heimischen Kunstschaffenden ins Ausland vermittelt. Und die Ausstellungen im Palais Thurn & Taxis fanden bis auf die Vernissagenabende praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.
Kommunikation und Marketing hatte unter Meusburger keinen Stellenwert. Nichtsdestotrotz war und ist Willi Meusburger schon aufgrund seines auffälligen Outfits „ein bunter Hund“ in der Szene. Seine knalligen Anzüge, bunten Plüschkrawatten, weißen Handschuhe und der mächtige Schnauzbart sind längst zu einem Markenzeichen geworden und sorgen in der sonst müden Branche für entsprechende Farbtupfer. Bleibt zu hoffen, dass diese Extravaganz weiter erhalten bleibt.

Vernetzung und Vermarktung

Trotz obiger Kritikpunkte ist zweifelsohne anzuerkennen, dass es keine einfache Sache ist, eine Vereinigung, die aus lauter Individualisten besteht, zusammenzuhalten. Meusburger ist dies trotz mancher Querschüsse über einen außergewöhnlich langen Zeitraum gelungen. Damit hat er der Berufsvereinigung Stabilität gebracht und auch die Strukturen gefestigt. Nun gehe er aber mit Freude, meinte er zum Abschied.

Geht Meusburger also mit Freude, so tritt nun Maria Simma-Keller mit derselben Freude seine Nachfolge an, wie sie gegenüber KULTUR bekundet. Von ihr sind auch einige Neuerungen zu erwarten. Zunächst müsse sie zwar den Vorstand näher kennen lernen und mit jedem einzelnen dieses Gremiums reden, aber als klare Zielvorgaben nennt sie bereits die adäquate Vertretung der Künstlerschaft nach außen, Netzwerke schaffen und Vermarktungsstrategien entwickeln. Sie schwärmt vom schönen Haus genauso wie von der Künstlerschaft und will viel Herzblut investieren.
Obwohl Simma-Keller erst 36 Jahre alt ist, kann sie bereits auf markante internationale Erfahrungen in der Kulturszene verweisen. So leitete sie beispielsweise von 2007 bis 2010 die Abteilung Marketing, Medien und Kommunikation des Austrian Cultural Forum New York und amtete von 2010 bis 2013 als stellvertretende Direktorin am Österreichischen Kulturforum Berlin. Später war sie maßgeblich am Aufbau des Bildraums Bodensee in Bregenz beteiligt und wurde 2015 auch dessen erste Leiterin. Seit September 2017 ist sie für das Marketing des Kunstmuseums Liechtenstein in Vaduz zuständig. Simma-Keller studierte an der Universität Wien Germanistik und Anglistik, ist verheiratet und Mutter von zwei Kindern.