Zwischen Klassik, Klezmer und Latin eingefärbte Kompositionen
Trianima begeisterte bei den Schattenburgkonzerten mit ihrem Programm „re:colored“
Einen vergnüglichen Abend bescherte das österreichische Ensemble Trianima den zahlreichen Konzertbesucher:innen in der Schattenburg Feldkirch. Johanna Gossner (Klarinette), Marilies Guschlbauer (Violincello) und Isabel Goller (Harfe) verbanden eigene Arrangements, eine Komposition in Originalbesetzung sowie ein speziell für das Trio komponiertes Werk zu einem unterhaltsamen Pasticcio. Dabei kombinierten sie Musik von der Klassik über Filmmusik hin zu lateinamerikanischen Rhythmen und Klezmer. Die Höhepunkte bildeten das titelgebende Werk „re:colored“ des Vorarlberger Saxofonisten Fabio Devigili sowie das Werk mit dem originellen Titel „Trio for Spry Clarinet, Weeping Cello and Ruminating Harp“ des israelisch-amerikanischen Komponisten Gilad Cohen.
Der Titel „re:colored“ trifft die Intentionen der drei kreativen Musikerinnen, die im Trio mit der ungewöhnlichen Besetzung von Klarinette, Violoncello und Harfe hervorragend harmonieren. Während Johanna Gossner die Klarinette sowie die Bassklarinette bewundernswert vielgestaltig und souverän spielt, bietet die Cellistin neben schönen Kantilenen auch rhythmisch begleitende Patterns. Zusammengehalten und verbunden werden alle Stücke von der Harfenistin, die vielfältige Harmonien einbringt und mit eindrücklicher Gestaltungskraft als Dritte im Bunde zwischen den unterschiedlichen Aufgaben von rhythmisierender Begleitung, harmonischer Füllung und als Melodie tragende Partnerin agiert.
„re:colored“ heißt auch das titelgebende Werk von Fabio Devigili, das er den Musikerinnen auf den Leib komponiert hat. Die mitteilsame Komposition beginnt mit minimalistischen Patterns, die sich wirkungsvoll steigern und über denen zuerst das Violoncello und sodann die Klarinette ein poesievolles Hauptthema anspielen. Allmählich ändert sich der musikalische Charakter und der melodische Fluss steuert über kraftvolle Bordunklänge in Richtung Balkan. Nach jazzig angehauchte Ruheinseln münden die virtuosen Tonketten mit orientalischem Einschlag in einen jüdisch inspirierten Schluss. Die Musikerinnen ließen sich gegenseitig Raum und Zeit für ihre Einsätze, umgarnten sich stilvoll und entfalteten die Musik über dem sicheren Zeitmaß der begleitenden Harfe.
Ebenso farbenreich entwickelte sich das „Trio for Spry Clarinet, Weeping Cello und Ruminating Harp“, das Gilad Cohen im Jahr 2010 komponiert hat und das 2014 beim Composition Contest der USA International Harp Competition ausgezeichnet wurde. Besonders in diesem Werk konnten sich die drei inspirierten Musikerinnen jeweils mit individuellen Spieltechniken einbringen. Die Flatterzunge der Klarinettistin lenkte die Aufmerksamkeit auf sich, ebenso wie die stark akzentuierenden oder scheppernden Klänge der Harfe oder die Bartók-Pizzicati des Violoncellos. Gleichzeitig diente der Korpus als Perkussionsinstrument und die Bassklarinette verlieh den melodischen Linien ein starkes Fundament. Jede Musikerin stellte ihre Spezialitäten abwechselnd in den Klangvordergrund. Fulminant wurden sie in der Schlusspassage miteinander kombiniert. Dabei changierte die Musik klangfarbenreich zwischen Latin und jüdischer Musik. Mit ihrer Anmoderation erwiesen die Musikerinnen dem Werk allerdings einen Bärendienst, denn sie bedienten unnötig allzu viele Klischees und Vorurteile gegenüber neuer Musik.
Dass die Klarinettistin Johanna Gossner die Klezmermusik liebt, stellte sie mit dem beeindruckend ausgestalteten Werk „Sholem-alekhem, rov Feidman“ von Béla Kovács unter Beweis. Sie steigerte sich hinein und spielte die vielen Verzierungen und klanglichen Raffinessen, die die Klezmermusik so einzigartig und mitteilsam machen, mit viel Elan aus.
Energiegeladen stellte das Trio alle dargebotenen Kompositionen in den Raum. Im originell arrangierten Medley „Brahms unlimited“, gingen die Musikerinnen vom Ungarischen Tanz, Nr. 1 aus, führten den musikalischen Fluss über das Adagietto aus der dritten Symphonie bis zum Ungarischen Tanz, Nr. 5. Besonders auffallend war in diesem Zusammenhang die pointierte Tangophrasierung, die die Musik vom anfänglichen ungarischen Flair zum Tango Nuevo und damit nach Lateinamerika führte. Ähnlich originell stellte Trianima Beethoven und die kubanisch-amerikanische Singer-Songwriterin Camila Cabello zueinander in Beziehung. In die Höhle des Bergkönigs aus „Peer Gynt“ von Edvard Grieg führte die Musikerinnen das Publikum mit spannungsgeladenen Akkordfolgen.
Einerseits Ruhepole und andererseits quirlige Lebensfreude brachten ein Impromptu, ein Walzer sowie ein Prélude und eine Polka von Dmitri Schostakowitsch in den vor Hitze dampfenden Rittersaal der Schattenburg. Dass das Trio lyrische Stücke und auch Kitsch mag, zeigte es mit Eric Whitacres „Goodnight Moon“, einem Potpourri aus dem Film „La La Land“ und einem Ausschnitt aus „The Sound of Music“.
Mit ihren Moderationen und humorvollen Anmerkungen hatten die Musikerinnen das Publikum sofort auf ihrer Seite. So entwickelte sich rasch eine fröhliche Konzertatmosphäre, die allen dargebotenen Werken zugutekam.