Zwischen Eleganz und Dramatik
Martin Jantzen und Eva-Maria Hamberger illustrierten die Strahlkraft der Viola da Gamba
Die Viola da Gamba, ausgestattet mit sieben Saiten, Bünden und gespielt mit einer ausgeklügelten Bogentechnik, war vom 16. Jahrhundert bis zum Spätbarock ein viel gespieltes Instrument. Seit einigen Jahren erlebt die Viola da Gamba eine Renaissance. Doch selten ist der feine silbrige Instrumentalklang mit seinem atmenden Duktus und den virtuosen Spiel- und Verzierungstechniken in kammermusikalischer Besetzung zu hören. Zu ihrer Konzertreihe „forum alte musik : vorarlberg“ lud die Cembalistin Eva-Maria Hamberger den international gefragten Gambisten Martin Jantzen zum gemeinsamen Musizieren in die Kapuzinerkirche nach Feldkirch ein. Dort erlebten die Zuhörenden eine abwechslungsreiche und virtuos ausgestaltete musikalische Feierstunde.
Martin Jantzen und Eva-Maria Hamberger versammelten in ihrem gut durchdachten Programm drei Suiten von François Couperin, Marin Marais sowie Antoine Forqueray und führten das Publikum mit den üppig ausgestatteten Kompositionen in die Zeit der späten französischen Barockmusik. Martin Jantzen spielte sein edles Instrument mit einer kraftvoll ausgestalteten Mehrstimmigkeit, bei der alle Töne ihre individuellen Klangfarben entfalteten. Die Charaktere der hohen Lagen und die sonore Tiefe lotete er bereits in der ersten Suite von François Couperin mitteilsam aus, auch die Rhythmik der einzelnen Tanzsätze kam hervorragend zur Geltung. Eva-Maria Hamberger war eine aufmerksame Partnerin am Cembalo, sie ging sensibel auf den Gambisten ein. Dennoch wirkte der Cembalopart vor allem bei Couperin und Marais stellenweise etwas zu dominant.
Marin Marais war als berühmter Gambist am Hof Ludwig XIV. in Versailles und genoss bereits zu Lebzeiten einen herausragenden Ruf. Seine „Suite en D“ interpretierten Martin Jantzen und Eva-Maria Hamberger in einem kommunikativen Austausch miteinander. Die Qualität der Viola da Gamba, deren Klang oft mit der menschlichen Stimme verglichen wurde, kam im Prélude besonders schön zum Ausdruck. Schwungvoll formten sie die Allemande und brachten vor allem in „La petite Brillante“ die kontrastreichen Forte-Piano-Passagen und in engem Austausch miteinander zur Geltung. Im abschließenden Rondeau le Gracieux lenkten volksmusikalisch anmutende Rufmotive die Aufmerksamkeit auf sich.
Mit der Werkfolge von Couperin über Marais zu Forqueray formten die Musiker:innen einen unterhaltsamen dramaturgischen Spannungsbogen hin zur „Suite en G/c“ von Antoine Forqueray. Aufgelockert wurde das Programm mit der Allemande von Jean-Baptiste-Antoine Forqueray für Cembalo solo. Eva-Maria Hamberger führte die Linien transparent aus, sodass die Hauptthemen plastisch in den Klangvordergrund traten.
Mit impulsiver Ausdruckskraft formten Martin Jantzen und Eva-Maria Hamberger schließlich die „Suite en G/c“ von Antoine Forqueray aus. Die musikalischen Gegensätze spielten sie markant gegeneinander aus, und die in atemberaubenden Tempi ausgeführten Passagen stellten sie virtuos in den Raum. Die dramatische Emotionalität dieser Musik zeigte sich auch in den harmonischen Modulationen, zahlreichen Tonsymbolen und halsbrecherisch dargebotenen chromatischen Linien.