MaadiCabanon: Ein Dialog in Geometrie, Licht, Farbe zwischen Vater und Sohn. (Foto: MPS)
Michael Pekler · 18. Mai 2026 · Film

Neu in den Kinos: „In the Grey“

Actionthriller mit Starbesetzung: Ein Eliteteam liefert sich mit einem fiesen Ganoven auf dessen Privatinsel zunächst ein Katz-und-Maus-Spiel und schließlich mächtiges Geballere. Jack Gyllenhaal und Henry Cavill machen die Drecksarbeit.

Egal, ob Jake Gyllenhaal sich seine Sonnenbrille aufsetzt, Henry Cavill das Gewehr nachlädt oder das Model Eiza González im edlen Designerkleid durch die Gänge eines Luxushotels schwebt – in diesem Film sieht alles dermaßen cool aus, dass es beinahe schon peinlich wirkt. Denn es ist keine Coolness, wie man sie etwa aus Neo-Noir-Filmen kennt, mit glänzenden Oberflächen im flirrenden Großstadtdschungel, sondern pure Attitüde. Eine gekünstelte Haltung des schönen Scheins, die der ehemalige Werbefilmer Guy Ritchie bereits vor Jahrzehnten zu seinem Markenzeichen gemacht hat. Das sieht auf der Leinwand dann ein paar Minuten lang unglaublich gut aus, hat aber einen großen Nachteil: Die Performance wird früher langweilig, als die Show zu Ende ist.
In Ritchies jüngstem Actionthriller „In the Grey“ kommt dieser Coolness besondere Bedeutung zu, denn fast alle Charaktere, die entweder wichtig sind oder etwas vermeintlich Wichtiges zu sagen haben, leben in einer Welt, die von Aussehen und Auftritt bestimmt ist. Also von Geld. Der Reichste von jenen, die man zu sehen bekommt, ist ein despotischer Finanzmogul (Carlos Bardem), der sich zu Beginn des Films eine Milliarde Dollar unter den Nagel reißt. Allerdings auf Kosten von noch reicheren Leuten, die sich nur bemerkbar machen, wenn bei der in einer Nebenrolle unterforderten Rosamund Pike, die sich irgendwie um ein globales Finanzimperium kümmert, ein kleines rotes Telefon läutet. Worauf die Verwalterin die sündteure und sagenhaft gut aussehende Freelancerin Sophia (González) engagiert, die weiß, wie man die Milliarde zurückbekommt: mit einem ausgeklügelten Plan und einer Handvoll cooler Männer mit ebensolchen Sprüchen. Womit der Ton des gesamten Films vorgegeben ist.

Strenge Chefin

Obwohl Ritchie als sein eigener Drehbuchautor seine Story in hektisch montierten Rückblenden erzählt, die schließlich das große Finale einläuten, meint man das Gesamtergebnis bereits hundertfach gesehen zu haben. Nachdem der ständig Zigarre rauchende Emporkömmling, der sich leider mit den falschen Leuten angelegt hat, mit juristischen Tricks in die Enge getrieben und ein Tête-à-Tête auf seiner kleinen Insel vereinbart wurde, lassen die obligatorischen Verfolgungsjagden sowie exzessiven Schießereien mit gesichtslosen Söldnern nicht lange auf sich warten. Dass die strenge Chefin dabei als Damsel in distress von den schneidigen Profis gerettet werden muss, versteht sich in einem solchen Film von selbst.
Dass ein Action-Blockbuster mit Starbesetzung bestimmte Vorgaben des Genres erfüllen muss, gehört zu den Spielregeln des Industriekinos. Doch Guy Ritchie kann und will es sich gar nicht leisten, etwa mehrere ineinander verschachtelte Erzählstränge zu spinnen, an der Psychologie seiner Charaktere zu feilen oder vielleicht die eine oder andere überraschende Wendung einzubauen. Die zuvor akribisch geprobte Flucht von der Insel, sei es auf Motorrädern, kleinen Fluggeräten oder zu Fuß durch Bananenstauden, muss selbstverständlich irgendwann auch gezeigt werden. Was diesem Film jedoch eigentlich fehlt, ist der Humor. Nicht jener, der meist auf Kosten der Figur von Henry Cavill geht – Jake Gyllenhaal hat sich offensichtlich den cooleren Part ausverhandelt –, sondern eine zumindest kleine Prise augenzwinkernder Selbstironie. Ein Film, der sein Publikum findet, ohne es suchen zu müssen.

ab 21.5., Cineplexx Hohenems (dF)