Neu in den Kinos: „Ich Capitano“ (Foto: X-Verleih)
Silvia Thurner · 11. Dez 2023 · Musik

Wohltuend lebendig musiziert

Barbara Nägele und Eva-Maria Hamberger musizierten mit einem großen Einverständnis

Die evangelische Kirche in Feldkirch bietet einen idealen Raum für die Aufführung von Kammermusik. Dorthin luden die Blockflötistin Barbara Nägele und die Cembalistin Eva-Maria Hamberger am 2. Adventssonntag zu einer Feierstunde. Kompositionen von Händel, Boismortier, Telemann, Bach und Couperin führten in die Welt der barocken Affektvielfalt und musikalischen Traditionen in Deutschland, Italien und Frankreich. Die in der historischen Aufführungspraxis bestens bewanderten Musikerinnen machten gehaltvolle Hörerlebnisse möglich.

Das kammermusikalische Musizieren mit voller Konzentration auf das Wesentliche ist im heutigen Musikbetrieb nicht selbstverständlich. Umso wohltuender waren der unaufdringliche Raum und Rahmen für die Aufführung von Blockflötensonaten mit Basso Continuo. Die Werkauswahl führte in unterschiedliche kompositorische Stilrichtungen: Ausgehend von der glanzvollen Händel-Sonate über den feinsinnig verspielten französischen Stil mit Boismortier und Couperin sowie die italienische Schule eines Telemann bis hin zu Bachs kontrapunktisch angereicherter Sonate.
Barbara Nägele an der Altflöte und Eva-Maria Hamberger am Cembalo verstanden sich als Kammermusikpartnerinnen hervorragend. Sie musizierten mit viel Bedacht aufeinander und teilten ihre Freude am barocken Manierismus mit kunstvollen Verzierungen der musikalischen Linien. Auf diese Weise brachten sie in alle Kompositionen viel Emotion ein. Lediglich zwei Beobachtungen trübten den Hörgenuss etwas. In einigen Passagen wirkte der Cembalopart zu dominant und die Flötistin ließ die Schlusstöne intonatorisch teilweise etwas zu tief absinken.
Die großen stilistischen Unterschiede in der Ausgestaltung waren in der Aufeinanderfolge von Händels Sonate Nr. 2, op. 1 und der Sonate Nr. 5, op. 91 von Joseph Bodin de Boismortier besonders nachvollziehbar. Virtuosität und Schubkraft zeichneten die Ecksätze bei Händel aus, kunstvolle Verzierungen ergaben eine verspielte Ornamentik im Werk des französischen Komponisten Boismortier. Im „Gracieusement“ betonten Barbara Nägele und Eva-Maria Hamberger die farbenreichen Wechselspiele zwischen chromatisch geführten Linien und Akkordzerlegungen reizvoll. Den Finalsatz, Gayement, stellten sie virtuos in den Raum.

Mitteilsam und verspielt

Eine leidenschaftliche Gestik entfalteten die Musikerinnen in der „Methodischen Sonate“, Nr. 3 von Georg Philipp Telemann. Die musikalischen Affekte wurden herauskristallisiert und im Cunando kam die Rhetorik schön zur Geltung. Die Kunst der kontrapunktischen Linienführungen stellten die Flötistin und die Cembalistin in Bachs Sonate (BWV 1031), dessen Urheberschaft nicht sicher geklärt ist, in den Vordergrund. Besonders das Allegro-Finale lebte vom geistreichen Miteinander. Der virtuos gespielte Flöten- und der mitreißend ausgestaltete Cembalopart erhielten ihre Schwungkraft durch die kongruente Spielart der Musikerinnen.
Verspielt ließen Barbara Nägele und Eva-Maria Hamberger ihr Konzert mit Francois Couperins „Second Concert“ ausklingen. Der tänzerische Charakter des Werkes belebte den musikalischen Ausdruck. In der Allemande blieben hauptsächlich die fugierten Abschnitte in Erinnerung. Die emotionalen Gegensätze wurden in der Air Tendre und der Air Counter fugué hervorragend ausbalanciert.