Was Buchschäden über die Vergangenheit erzählen
Die Vorarlberger Landesbibliothek zeigt in einer Ausstellung über häufige Buchschäden, welche Spuren die vergangene Zeit in historischen Büchern hinterlässt.
Aus Schenkungen von Privatpersonen, anderen Bibliotheken oder Institutionen gelangen manchmal auch sehr alte Bücher in die Bestände der Vorarlberger Landesbibliothek. Nicht alle diese Bücher konnten den Belastungen der Zeit standhalten und haben durch ungünstiges Raumklima, Schädlingsbefall oder den täglichen Gebrauch schon einiges mitgemacht.
Maßnahmen zum Schutz vor dem Verfall
In der Sommerausstellung widmet sich die Vorarlberger Landesbibliothek nun diesen Drucken, die aus dem 15. bis 19. Jahrhundert stammen und die anhand der Schäden die Geschichte ihrer Zeit widerspiegeln. Oft kann man auch Jahrhunderte später noch eruieren, was genau mit den Werken passiert sein muss. „Jedes Buch hat seine Geschichte, ist durch viele Hände gelaufen, ist falsch gelagert worden und hat verschiedene Umwelteinflüsse erleben müssen“, beschreibt Cornelia Butgereidt, die zusammen mit Simone Drechsel die Ausstellung kuratiert hat. In sechs Vitrinen werden anhand der betroffenen Bücher häufige Schadensursachen vorgestellt und dabei erklärt, welche Maßnahmen getroffen werden können, um die empfindlichen Objekte vor dem Verfall zu bewahren.
Manche Schäden sind nicht so gravierend, und die Bücher können noch repariert werden. Je nach Zustand und auch nach Wichtigkeit des Inhalts wird dann entschieden, ob sich der Aufwand lohnt. „Auch wenn diese Schriftstücke mehrere hundert Jahre alt sind, macht es nicht immer Sinn, sie zu restaurieren“, erklärt Butgereidt. Diese Bücher werden zwar nicht mehr gelesen, aber dennoch konservatorisch aufbewahrt, „denn ein Buch trägt zwar zur Wissensvermittlung bei, aber jedes Objekt hat auch seine Geschichte über die vielen Jahrhunderte erlebt.“
Verantwortungsvoller Umgang
Bei den ausgestellten Objekten handelt es sich um den Großteil der schadhaften Bücher, die im Bestand der Bibliothek gesammelt und einzeln konserviert werden. Sie wurden lediglich in einem ersten Schritt grob gereinigt. Mit Plexiglasrollen werden die Seiten angehoben, und auch im Buch sind die Schäden markiert. Neben fehlenden Seiten, zerrissenen Blättern, Abnützungserscheinungen oder Flecken durch Rost, Wasser und Staub sind manche Werke schon so deformiert, dass auch eine Restauration das Buch nicht mehr wiederherstellen könnte. Gravierende Schäden entstehen etwa, wenn Tiere wie Ratten, Mäuse, Holzwürmer, Papierfische und Larven des Brotkäfers die Bücher annagen. Bei alten Büchern, die noch mit Eisengallustinte geschrieben wurden, kann auch die Tinte selbst zum Problem werden, und das Papier wird vom hohen Eisengehalt zersetzt, beschreibt Drechsel. Weitere häufige Schäden entstehen bei zu hoher oder zu niedriger Luftfeuchtigkeit und Raumtemperatur und auf natürliche Weise durch Alterungserscheinungen und Zweckentfremdung der Bücher – wie etwa dem Pressen von Blumen zwischen den Seiten. Während in den Vitrinen jeweils einzelne Schadensbilder am Beispiel der Bücher gezeigt werden, gibt es auch einen Fall, in dem alle diese typischen Schäden vertreten sind. „Das hat uns enorm fasziniert, dass wir an einem Buch eben fünf verschiedene Schadensbilder zeigen können“, sagt Butgereidt. Auch wenn diese schadhaften Bücher nicht mehr gerettet werden können, möchte die Bibliothek mit vielen Hinweisen auf mögliche Schutzmaßnahmen auf den verantwortungsvollen Umgang verweisen.
„Buchschäden – die Spuren der Zeit in Büchern“
bis 19.9.26
Vorarlberger Landesbibliothek