„weltbewegt“ – Eine Ausstellung über Entwicklung und globale Zusammenarbeit
Michael Pekler · 19. Aug 2026 · Film

Neu in den Kinos: „A Sad and Beautiful World“

Der libanesische Filmemacher Cyril Aris erzählt über einen Zeitraum von dreißig Jahren vom schmalen Grat zwischen Hoffnung und Resignation in unsicheren Zeiten. Seine heiter-melancholische Liebesgeschichte aus Beirut zeigt eindringlich, wie politische und private Krisen ineinanderfallen.

Die täglichen Nachrichten aus dem Libanon, von vielen längst achselzuckend oder höchstens bedauernd zur Kenntnis genommen, spielen in diesem Film nur im Hintergrund eine Rolle. Von der israelischen Armee zerstörte Dörfer, ihre von der Hisbollah in Geiselhaft genommenen Bewohner, rechtsextreme israelische Politiker, die den Süden des Landes zu annektieren gedenken, Raketeneinschläge in Beirut: All das ist in diesem Film zwar permanent präsent, als direkte Auswirkung auf das Leben der Menschen dennoch nur selten zu sehen. Denn „A Sad and Beautiful World“ ist zunächst ein Spielfilm über eine Frau und einen Mann, die mit ihrem Alltag sehr unterschiedlich umgehen, dann über ein Liebespaar, das die beiden schließlich werden, und letztlich über die Familie, die sie gemeinsam mit ihrer Tochter bilden.

Sternschnuppen

Für Filme dieser Art sind Bezeichnungen wie „berührend“ und „hoffnungsvoll“ meist schnell zur Hand – und man wird das Gefühl eines schalen Beigeschmacks nicht los. Ganz so, als ob die Hoffnung vor allem in Zeiten des Krieges nicht sterben dürfe und die Liebe alle Hindernisse überwinden könne. Weder das eine noch das andere ist wahr, aber für ein westliches Kinopublikum zumindest beruhigend. Und obwohl auch „A Sad and Beautiful World“ nicht umhin kann, ein wenig Trost zu spenden, gelingt es Regisseur Cyril Aris, den Fatalismus nicht durch eine Liebesgeschichte gänzlich schönzufärben.

Kindheitstraum

„Ich bin bereits vor langer Zeit gestorben“, behauptet Nino (Hasan Akil), „alles, was ich jetzt lebe, ist … extra.“ Nino, bei seinem Großvater aufgewachsen, hat als Kind seine Eltern bei einem Autounfall verloren – das Abwehrfeuer kurz davor sah aus wie Sternschnuppen. Nun führt er ein Restaurant mit zwei Angestellten, ist stolz auf seine Arbeit, redet unentwegt und macht auf alberne Weise Yasmina (Mounia Akl) den Hof, in die er bereits als Schüler verliebt war und der er nun zufällig wieder begegnet ist. Yasmina ist eine erfolgreiche Unternehmensberaterin und möchte das Land so schnell wie möglich verlassen. Der optimistische Träumer und die desillusionierte Realistin werden natürlich ein Paar. Damit wird ein Kindheitstraum wahr, dessen Scheitern man viele Jahre zuvor in Rückblenden miterlebt – Yasmina schaffte es damals nicht zum vereinbarten Treffpunkt.

Ungewissheit

Der libanesische Autor und Regisseur Cyril Aris, der sein Filmstudium in New York absolvierte, zeichnet auf mehreren Zeitebenen die Beziehung zwischen Nino und Yasmina nach: von der Kindheit über die erwachsene Liebe und eine jahrelange Partnerschaft bis zu jenem Tag, an dem diese möglicherweise an einen Endpunkt gelangt ist. An dieser Stelle stellt Aris die entscheidende Frage seines Films: Sind es tatsächlich in erster Linie die äußeren Umstände – der Krieg, ein bankrotter Staat, die ständige Ungewissheit –, die zu einer immer größeren Belastung für diese Beziehung werden? Oder sind es nicht vielmehr die unterschiedlichen Vorstellungen von einer gemeinsamen Zukunft? „Mach dir keine Sorgen“, versichert Nino immer wieder bis zur Unglaubwürdigkeit, während Yasmina mit der Schwangerschaft hadert und an der Beziehung zweifelt. Er liebe nur eine Version von ihr, die es gar nicht gebe, entgegnet sie.
Dass die beiden nur wenige Minuten nacheinander unter Raketenbeschuss im selben Krankenhaus zur Welt kamen, kann viel oder auch nichts bedeuten. In jedem Fall ist „A Sad and Beautiful World“ auch ein Film über die unterschiedlichen Geschwindigkeiten, mit denen wir durch das Leben gehen – und darüber, dass es eben nicht genügt, nur fest an die Liebe zu glauben.

ab 20.8., Kinok St. Gallen (OmU)
ab 14.9., TaSKino im GUK Feldkirch (OmU)