Bruno Kreisky (Nils Arztmann) schiebt sein Rad durch den Wiener Arbeiterbezirk. (Foto: Dor Film/Petro Domenigg)
Walter Gasperi · 16. Aug 2026 · Film

41. Alpinale: Die Vielfalt des Kurzfilms

Mit der Verleihung der Goldenen Einhörner ging das Bludenzer Kurzfilmfestival am Samstagabend zu Ende. Neben der Auszeichnung von Reza Rasoulis Sozialdrama „Found & Lost“ als bester Kurzspielfilm wurden auch unter den Animations-, Horror- und Kinderfilmen sowie unter den Kurzfilmen mit Vorarlbergbezug (v-shorts) und den VR-Produktionen die Sieger:innen gekürt.

Im Gegensatz zum intensiven Sozialdrama „Found & Lost“, das schon im Bericht zum Eröffnungsabend vorgestellt wurde, bietet der in der Kategorie bester Animationsfilm ausgezeichnete Kurzfilm „Ostrich“ von Marie Kenov leichte Kost. Im Grunde aktualisiert die Schweizerin mit ihrer Geschichte von einem Spatz, der, verleitet durch die Schönheitsbilder von Werbung und Social Media, unbedingt Aussehen und Muskelkraft eines Straußes erlangen möchte, die klassische Fabel von einer Krähe, die ein Pfau sein möchte, erzählt ihre Geschichte aber mit so viel Witz und Tempo, dass sie vom ersten bis zum letzten Bild bezaubert. Hinreißend ist einfach, wie der Spatz von hartem Training im Fitnessstudio bis zu Schönheitsoperationen alles auf sich nimmt, um sein Ziel zu erreichen, in seinem Bemühen aber stets scheitert und erst sein Glück findet, als er sich nicht mehr an Vorbildern orientiert, sondern befreit nach der zu ihm passenden Lebensweise durch die Lüfte fliegt.

Vom Kinderfilm über Virtual Reality bis zum Horrorfilm

Entschied über die Preise des Kurzspielfilm- und Animationswettbewerbs eine dreiköpfige Jury, so wurde der beste Kinderfilm von den jungen Zuschauer:innen selbst gekürt. Mit Antje Heyns „Vor meiner Tür auf einer Matte“ entschied sich dieses Publikum für eine bezaubernde Verfilmung von Nadia Buddes gleichnamigem Kinderbuch. Im Mittelpunkt steht ein kleiner Mann, der zu Animationen im Stil des Klassikers „Ernest und Célestine“ im Voiceover in Reimen erzählt, wie er von einer Ratte genervt wird, die jeden Tag schon auf seiner Türmatte wartet und ihm in seinem Haus keinen Freiraum lässt. Doch so lästig ihm dieser ständige Begleiter auch ist, so vermisst er ihn doch, als er eines Tages nicht mehr auf der Matte auf ihn wartet.
Von einer eigenen dreiköpfigen Jury wurden die Preise in den Kategorien VR-Film, Horrorfilm und v-shorts vergeben. Bei den VR-Produktionen wurde Aria Wolfs „Lichtung“ ausgezeichnet, der in eindrucksvoller Animation die Stimmung in einem nächtlichen Wald vermittelt. Das Blutige Einhorn für den besten Horrorfilm ging dagegen an „Blossom Needs a Ride Home“ von Tim Schwagel. Knapp und konzentriert erzählt der Amerikaner in neun Minuten von einer jungen Frau, die in einer Waldgegend zwar ihrem Entführer entkommen kann, beim Autostoppen auf der einsamen Landstraße aber nur auf kaum weniger bedrohliche Männer trifft. Souverän arbeitet Schwagel mit klassischen Elementen des Backwood-Horrors, treibt diese aber mit seiner starken Protagonistin, herrlich schrägen Männerfiguren und Lust an blutigen Szenen und schwarzem Humor ins Extrem.

v-shorts: FH Vorarlberg und Filmhochschulen

Etwas irritierend war bei den v-Shorts, dass sechs der dreizehn ausgewählten Filme – also nahezu die Hälfte – von der Gruppe Alexander Böckle, Mira Zielbauer, Fabio Paulmichl und Jan Schenk stammten, wobei die einzelnen Gruppenmitglieder unterschiedliche Funktionen bei den jeweiligen Filmen übernahmen. Mit Jan Schenks Dokumentarfilm „Zwischen Linien“ wurde dann auch eine dieser Produktionen, die im Rahmen des Studiums an der FH Vorarlberg entstanden ist, mit der Trophäe in Form einer Filmklappe und 500 Euro ausgezeichnet. Mit Bildern vom Krafttraining und Interviews mit dem 17-jährigen Tennisspieler Maximilian Taucher und seinem Vater oder Trainer vermittelt Schenk dabei zunächst die Entschlossenheit und Einsatzbereitschaft des Teenagers, um schließlich mit einer Weitung des Blicks beim Tennisspiel seinem Film eine neue Dimension zu geben. 
Nicht zu übersehen ist, dass dieser vierminütige Film im Vergleich mit Fine Gumperts über 20-minütigem „58 Kilo“ doch eine Fingerübung ist. Eindrücklich zeichnet Gumpert in ihrem an der Internationalen Filmschule Köln entstandenen Dokumentarfilm das Porträt von zwei jungen kirgisischen Ringerinnen, die mit dem harten Training auch ihr Selbstbewusstsein in der männlich dominierten Gesellschaft stärken. 
Noch mehr als dieser Film macht aber Moritz Lichts an der Filmakademie Wien entstandener Kurzspielfilm „Arme Hunde“ das Gefälle zwischen diesen Filmschulen und den Produktionen der FH Vorarlberg deutlich. Hochprofessionell sind in Lichts Film, bei dem sich die Vorarlberger Beteiligung auf den Koproduzenten Philipp Herburger zu beschränken scheint, sowohl Aufbau der Story, Inszenierung als auch Schauspiel. Hinreißend wird hier auf mehreren Ebenen mit dem Titel gespielt, gegensätzliche Figuren einander gegenübergestellt, die Frage nach dem Lebensglück von unterschiedlichen Seiten beleuchtet und leichthändig Witz mit berührenden Momenten gemischt. – Ein einsamer Höhepunkt in den v-shorts, der ohne Weiteres auch in den Wettbewerb um den besten Kurzspielfilm gepasst hätte, bei den v-shorts aber für ein markantes Ungleichgewicht sorgte: Vielleicht sollten folglich die Auswahlkriterien für diese Kategorie überdacht werden und entweder auf Filmhochschulproduktionen ganz verzichtet oder aber sich ganz darauf konzentriert werden.