Von Haken und Ösen und vielen anderen Ärgerlichkeiten
UNPOP spielt „Eleos – eine Empörung“ in Bregenz und Lustenau
Es ist etwas Besonderes, es ist das Spiel mit der Sprache, das Entwerfen eines Kunstwerks und das Spiel als Kunstwerk an sich. Das Ensemble für unpopuläre Freizeitgestaltung, kurz UNPOP, angeführt von Caro Stark und Stephan Kasimir, präsentiert seit vergangenem Freitag eine Performance, die es in sich hat. Eine Performance für alle, im öffentlichen Raum, frei zugänglich für jene, die geplant, und für alle, die zufällig vorbeikommen. Eine Performance, die Themen aufgreift und sich empört, die sich lustig macht über die Empörung über Themen, die jede:r kennt. Eine Performance, die sprachlich geschliffen, klug, spannend, dadaistisch, witzig und einfach anders ist.
Grandioses Sprachgefühl
Der öffentliche Raum, hier der Kornmarktplatz in Bregenz, wird zur Bühne, wird zum Spielraum des Ensembles für unpopuläre Freizeitgestaltung. In Koproduktion mit „Caravan – mobile Kulturprojekte“ wird die Performance auch auf dem Kirchplatz in Lustenau gespielt. „Eleos – eine Empörung“ von Caren Jeß, das sind 36 Miniaturen, die an sich schon ein Kunstwerk sind und sich als UNPOP-Performance im öffentlichen Raum perfekt eignen. In minimalsten Szenen, kleinsten Wortspielen entlarvt die Autorin mit grandiosem Sprachgefühl manche Dummheit, manche absolute Lächerlichkeit täglicher Erregung. Scheint es doch in der Natur des Menschen zu liegen, sich aufzuregen, sich zu empören, wegen nichts, wegen kleinster Kleinigkeiten Dampf abzulassen.
Es spritzt, schäumt und bläst aus allen Ritzen
Regisseur Stephan Kasimir setzt auf den Humor, der den Miniaturen innewohnt, und auf ausdrucksstarke Bilder. Caro Stark baut dazu ein eigenständiges Kunstwerk, stellt einen magischen Würfel ins Zentrum des Spiels, ein glänzendes Monument, das allerlei Stücke spielt, das voller Leben ist, das voller Empörung aus allen Ritzen schießt, spritzt, schäumt und bläst. Musiker Paul Winter begleitet die Performance mit perfektem, mit grollendem, säuselndem, murmelndem und stampfendem Sound. Das Dreigespann Kasimir, Stark und Winter beweist mit „Eleos – eine Empörung“ zum wiederholten Mal sein sich ergänzendes kreatives Potenzial.
Sie reden Tacheles
Und wer sind die Menschen auf der Bühne, wer regt sich denn da auf oder besser: Wer macht sich lustig, wer enthüllt, spottet, stichelt? Drei Frauen und zwei Männer in bunten Sportklamotten mit Werbeaufdrucken agieren wie Aufziehpuppen, vollkommen relaxt zwischen den Szenen und mit 200 Prozent Spannung und Aktion in den Szenen. Eine Bande, ausgespuckt von diesem magischen Wunderwürfel, um hier und jetzt mal Tacheles zu reden. Sie empören sich für uns über Dosenpfand, Sexualität, über Töchter, Fastfood, Baustellen usw., um uns davon zu befreien. Erzählen vom modernden, stinkenden Dreck in uns und bieten sich als Helfer an, versprechen uns damit Reinigung und Erlösung. Einfach genial!
Mit Wut und Humor
Es sind Fabienne Trüssel, Maria Strauss, Ambra Berger, Jens Ole Schmieder und Peter Bocek, die sich für uns aufregen, und sie machen das richtig gut: ohne große Gesten, mit genauen Aktionen, mit klarer Stimme, offenem Gesicht, mit geradem Rücken, mit Wut und einer guten Portion Humor.
Das Premierenpublikum war begeistert und bedankte sich mit großem Applaus. Und wenn Sie nicht einfach zufällig vorbeikommen wollen, dann notieren Sie sich einen der kommenden Termine und reservieren sich einen Gratis-Sitzplatz.
Weitere Vorstellungen
21./22.7., 20 Uhr, Kirchplatz in Lustenau
27./29./30.7., 20 Uhr, Kornmarktplatz in Bregenz (beim vorarlberg museum)
Alle Aufführungen bei freiem Eintritt, Sitzplatzreservierungen unter https://www.unpop.at/karten