Und wie siehst du das?
Luaga und Losna – Internationales Theaterfestival für junges Publikum
Es gibt Festivals, die zeigen, was Theater kann. Und es gibt Festivals, die daran erinnern, warum wir Theater überhaupt brauchen. Luaga und Losna gehört seit beinahe vier Jahrzehnten zur zweiten Kategorie. Was 1988 als Festival für junges Publikum begann, hat sich längst zu einem Ort entwickelt, an dem sich unterschiedliche künstlerische Handschriften, Kulturen und Generationen begegnen. Vom 1. bis 5. September wird Feldkirch erneut zu einem Schauplatz für Theater, das nicht erklärt, sondern entdeckt werden will, und vertraut dabei auf ein Publikum, das bereit ist, sich darauf einzulassen.
Internationale Produktionen
Das gesamte Programm ist wie immer vielfältig und bietet sowohl für die Kleinsten und Kleinen als auch für die Altersgruppe 16+ Spannendes, Nachdenkliches und Lustiges. Auf Besuch in Feldkirch sind dazu Theatergruppen aus Frankreich, Italien, Deutschland, Belgien, Österreich und der Schweiz. Gestartet wird mit der interaktiven Installation „La Cité du Peuple de Bois“ (ab 2 J.) des französischen Ensembles Jeux et Tartines. Aus Tausenden hölzernen Elementen und mit Hilfe eines ausgeklügelten Stecksystems wird an zwei Tagen auf der Wiese im Reichenfeld gemeinsam mit den Besucherinnen und Besuchern eine Stadt entstehen, die sich ständig verändert. Eine gemeinsame kleine Welt aus unterschiedlichen Bewohner:innen, Gebäuden, Fahrzeugen und Tieren. Danach steigt die Gruppe Teatrodistinto mit „Knockout – K.O.“ (ab 6 J.) in den Ring, um Tanz, Farbe und Komik im Spiel als Mittel gegen Gewalt und Einsamkeit einzusetzen.
Am zweiten Tag entführt das Theater Kunstdünger in „Zerspringding und Repariertier“ (ab 5 J.) mit sinnlichen Bildern ins Reich der Fantasie, während am Donnerstag das FigurenTheater St. Gallen & Theaterwerkstatt Gleis 5 in „Die Muskeltiere“ (ab 6 J.) Mäuse, Ratten und Hamster auf abenteuerliche Reise schicken und das Thema Freundschaft in den Mittelpunkt rücken. Mit „Ingeborg Bachmann – Zwei Hörspiele“ des Kollektivs Wortart setzt das Festival zudem einen literarischen Akzent. In einer Mischform aus Live-Hörspiel und szenischer Lesung werden die Aktualität von Ingeborg Bachmanns Kritik am Kapitalismus, an totalitären Systemen, patriarchalen Machtstrukturen und stereotypen Geschlechterrollen ebenso wie die Kraft ihrer Texte eindrücklich erlebbar.
„Nett!“ (ab 6 J.) des Ensembles Materialtheater & Théâtre Octobre Brüssel / Deutschland / Belgien wiederum hinterfragt den Gedanken, ob Nett-Sein mehr Schwäche oder Stärke ist und lotet dabei die Poesie des Alltäglichen aus. Im Handpuppenspiel „Heinrich der Fünfte“ von Schaper und Richter wird bewiesen, dass selbst in Shakespeare-Stoffe eingegriffen werden darf und dass Sich-Einmischen und Zivilcourage zu beweisen nie an Wichtigkeit verlieren.
Dem Festival Luaga und Losna geht es nicht um spektakuläre Effekte und große Töne. Es will sein Publikum nicht nur dazu einladen, Theater zu sehen. Es lädt dazu ein, genauer hinzusehen – auf Geschichten, auf Menschen und auf die Welt.
Dieser Artikel ist eine gekürzte Version aus der Print-Ausgabe der KULTUR September 2026. Hier geht es zum E-Paper.
Luaga und Losna
1.9. – 5.9.26
diverse Veranstaltungsorte, Feldkirch
www.luagalosna.at