Aktuell in den Filmclubs (28.8. – 3.9.2026)
Das Rankweiler Open-Air-Programm „Filme unter Sternen“ geht diese Woche mit der französischen Komödie „15 Liebesbeweise“ zu Ende. Beim Kultkinodienstag im Cinema Dornbirn steht dagegen mit Denis Villeneuves „Sicario“ ein hochspannender Drogenthriller auf dem Programm.
15 Liebesbeweise: Ein gleichgeschlechtliches Ehepaar bekommt ein Kind, doch die nicht-biologische Mutter muss im Frankreich des Jahres 2014 bürokratische Hürden überwinden, um offiziell als Mutter anerkannt zu werden.
Alice Douard macht in ihrem Spielfilmdebüt aus diesem Stoff keinen kämpferischen Film gegen diese Ungleichheit, sondern eine leichthändige und frische Komödie. Im genauen Blick für die Sorgen des Paares und für Situationen spürt man die persönlichen Erfahrungen, die die Regisseurin selbst als nicht-biologische Mutter in einer gleichgeschlechtlichen Ehe gemacht hat. Auch die visuelle Gestaltung sorgt dafür, dass „15 Liebesbeweise“ fest in der Realität verankert bleibt. Mit seinem kalten weißen Licht und seinen matten Farben wirkt nichts geschönt, und auch durch die nah geführte Kamera und schnelle Schnitte entwickelt sich ein ungeschminkter Großstadtfilm.
Der Fokus liegt dabei ganz auf den werdenden Eltern. Mit warmherzigem Blick bietet Douard Einblick nicht nur in die bürokratischen Hürden, sondern auch in die Ängste angesichts der anstehenden neuen Rolle. Hinreißend witzige und gleichzeitig berührende Szenen entwickeln sich, wenn das Paar von einem jungen Arzt zu Krankheiten innerhalb der Familie befragt wird oder wenn Céline sich auf die Mutterrolle vorbereiten will, indem sie bei einem befreundeten Paar mit einem Baby und einem etwa fünfjährigen Kind babysittet.
Trotz der realen Benachteiligungen und Schwierigkeiten bleibt diese Komödie so durch und durch optimistisch und verbreitet Lebensfreude. Zu verdanken ist dies auch dem engagierten Spiel von Ella Rumpf und Monia Chokri. Großartig harmoniert dieses Duo, vermittelt nicht nur die innige Liebe, sondern bietet auch Einblick in die Unsicherheit hinsichtlich der beruflichen und finanziellen Folgen der anstehenden Elternschaft. Bis zum Glück einer Geburt, das vorhersehbar am Ende steht, wirkt hier nichts gekünstelt oder kitschig, sondern „15 Liebesbeweise“ begeistert auch durch eine Lebensnähe und Unverfälschtheit, die einem die Figuren mit ihren Sorgen und Freuden rasch ans Herz wachsen und nahegehen lässt.
„Filme unter Sternen“ – Open Air auf dem Marktplatz Rankweil: Fr 28.8., 21 Uhr (deutsche Fassung)
Sicario: Eine junge FBI-Agentin wird für eine Spezialeinheit rekrutiert, um Jagd auf den Boss eines mexikanischen Drogenkartells zu machen.
Brillant vermisst die Kamera von Roger Deakins in Denis Villeneuves blutigem Thriller immer wieder in Luftaufnahmen die Grenzregion zwischen Arizona und Mexiko, die Wüstenlandschaften des Südwestens ebenso wie die mexikanischen Städte und den mächtigen Grenzzaun. Wo freilich geographisch die Grenzen klar gezogen sind, da verschwimmen die moralischen zunehmend.
Dichte Atmosphäre erzeugt Deakins aber nicht nur durch diese Luftaufnahmen, sondern auch durch die grandiosen Totalen mit wechselndem Wetter von flirrender Hitze über Wolkenaufzug bis zu Gewitterblitzen. Gesteigert wird die Stimmung dabei noch durch den wuchtigen Soundtrack des Isländers Jóhan Jóhannsson. Scheint freilich die FBI-Agentin zunächst agierende Protagonistin zu sein, deren psychische Anspannung Emily Blunt eindringlich vermittelt, so verliert diese Figur mit Fortdauer an Handlungsmöglichkeiten, wird zur Marionette degradiert. Zunehmend dient sie nur noch als Identifikationsfigur, mit deren Augen die Zuschauer:innen Einblick in die Methoden der Amerikaner im Drogenkrieg gewinnen sollen. Kaum etwas erfährt man über ihr Privatleben, ganz auf die Funktion innerhalb der Handlung bleiben die Figuren reduziert. Kurz scheint der Film zwar mit einer Affäre der Agentin ins Private abzugleiten, doch diese Episode nimmt sogleich eine überraschende und dramatische Wende. In dieser Konzentration auf sein Thema, der dichten Handlungsentwicklung und dem nicht zuletzt aufgrund der ausgewaschen-schmutzigen Farben realistischen visuellen Look entwickelt „Sicario“ Durchschlagskraft und vibrierende Spannung.
Kultkino Dienstag im Cinema Dornbirn: Di 1.9., 19.30 Uhr (deutsche Fassung)
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