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07.09.2019 |  Annette Raschner

Von heiligen Kühen, Gartenzäunen im Kopf und originellen Befreiungsschlägen - Café Fuerte präsentiert "Das letzte Haus" von Tobias Fend

Die Wohnungs- und Mietpreise explodieren, die großen Unternehmen in Vorarlberg kaufen die Böden auf, und eine dramatische Beschleunigung bei der Herausnahme von Flächen aus der Landesgrünzone für großflächige Industrieanlagen ortet die Vorarlberger „Allianz für Bodenschutz“. Sie fordert in einer Petition an die Landesregierung eine fünfjährige Nachdenkpause für die Landesgrünzone. Die freie Kompanie „Café Fuerte“ reagiert auf ein Thema, das mittlerweile seit Jahren unter den Nägeln brennt, auf ihre – sprich: künstlerische – Art und Weise: „Das letzte Haus“ von Tobias Fend heißt ihr neuestes Stück; eine theatrale Farce mit Musicalelementen, die im Klostergarten Marienberg in Bregenz eine äußerst gelungene Open-air-Premiere feierte!

Autor und Schauspieler Tobias Fend hat im Vorfeld akribisch recherchiert und mit Raumplanern, Bürgermeistern und Experten gesprochen. Sein Fazit: "Viele junge Familien können sich das Wohnen nicht mehr leisten. Dabei besteht das Problem nicht darin, dass es zu wenig gewidmete Flächen gibt, sondern, dass sich diese im Besitz von Wenigen befinden." In seinem Stück „Das letzte Haus“ rückt er der „heiligen Kuh“ Einfamilienhaus mit Ironie, Sarkasmus und schwarzem Humor zu Leibe. Die Ausgangssituation: Ein junges Paar (Eleonora und Tom), das von einem Eigenheim träumt. Doch das letzte frei verbaubare Grundstück weit und breit ist das Haus der alten Tante Lala. Die befindet sich zwar bereits im Altersheim, aber sie verlässt „die Residenz“ nur allzu gerne, um daheim nach dem Rechten zu sehen. Schließlich hat sie das Haus mit ihrem früh verstorbenen Mann John mit eigenen Händen erbaut, und so hält sie von der Idee der beiden, das Gebäude abzureißen, herzlich wenig! "Daraus wird nichts! Meine Büsche, die schneidet man, und das Haus bleibt da!"

„Das letzte Haus“ spielt in einer nahen Zukunft, in der es nicht mehr erlaubt ist, Einfamilienhäuser zu bauen, weil es keine Freiflächen mehr gibt. Bei der Frage, wie der Stoff umgesetzt werden soll, war Regisseurin Danielle Fend-Strahm schnell klar: "Bei einem Thema wie diesem braucht es Kraft, Energie und Lebensfreude. Darum setzen wir das Stück als Farce, als Komödie mit Balkansongs um, die von einer Brassband – Florian Wagner, Emma Riemer, Andreas Hofer, Benedikt Bär – live gespielt werden."

Pfeffer versus Kleinhäuslertum also. Dieser tut dem Thema äußerst gut und wird von den drei SchauspielerInnen (und zugleich auch guten SängerInnen!) Meda Banciu, Danielle Green und Tobias Fend sowie dem Tänzer John Kendall, der den toten Onkel John verkörpert und immer noch im Haus herumgeistert, überzeugend umgesetzt. Das Ambiente mit dem alten Palmenhaus im Klostergarten Marienberg in Bregenz stellt sich als sehr reizvoll heraus und wird vielfältig genutzt. "Wir wollten, dass die Häuser von außen und nicht von innen bespielt und so quasi wiederbelebt werden." Für die Besucherinnen und Besucher wurde eine kleine Tribüne gebaut.

Eleonoras und Toms Traum von einem schmucken Eigenheim mit Garten, Carsharing und Kinderbetreuungseinrichtungen in der Nähe ist geplatzt, und die Beziehung gerät ins Wanken, nachdem Tante Lala kurzerhand beschließt, das Altersheim fürs erste zu verlassen und stattdessen mit ihrem Haus auf Co-Housing zu setzen. "Es gibt sogar eine Sauna, die wird mir guttun, und um Haus und Grund kümmert sich auch die Gemeinschaft. Und die eine, die ist total verrückt nach Garten, und es gibt sogar einen Handwerker!"

Die Botschaft ist angekommen, aber auf derart charmante und humorvolle Art und Weise, dass man sogar die unwirtlichen Temperaturen und den Regen gerne über sich ergehen lässt! Verdienter Jubel für die originelle Umsetzung eines wichtigen gesellschaftspolitischen Themas, das interessanterweise von der Politik trotz seiner Brisanz elegant ausgelassen wird. Das Café Fuerte tut dies nicht!

 

Weitere Aufführungen:
7.9., 19.30 Uhr, Klostergarten Marienberg, Bregenz
12./13./14.9, 19.30 Uhr, Altes Bezirksgericht Schruns
19./20./21.9., 19.30 Uhr, Werkstatt Saienbrücke, Urnäsch (CH)
cafefuerte.ch

Tom (Tobias Fend) und Eleonora (Meda Banciu) träumen von einem eigenen Einfamilienhaus, Tante Lala (Danielle Green) hat aber ganz andere Pläne (© alle Fotos: Andrin Winteler)

Tom (Tobias Fend) und Eleonora (Meda Banciu) träumen von einem eigenen Einfamilienhaus, Tante Lala (Danielle Green) hat aber ganz andere Pläne (© alle Fotos: Andrin Winteler)

Tante Lala hat das Haus mit ihrem früh verstorbenen Mann John (getanzt von John Kendall) mit eigenen Händen erbaut und hält von der Idee, das Gebäude abzureißen, herzlich wenig

Tante Lala hat das Haus mit ihrem früh verstorbenen Mann John (getanzt von John Kendall) mit eigenen Händen erbaut und hält von der Idee, das Gebäude abzureißen, herzlich wenig

Verdienter Jubel für die originelle Umsetzung eines wichtigen gesellschaftspolitischen Themas, von dem die Politik trotz seiner Brisanz lieber die Hände lässt.

Verdienter Jubel für die originelle Umsetzung eines wichtigen gesellschaftspolitischen Themas, von dem die Politik trotz seiner Brisanz lieber die Hände lässt.

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  • Tom (Tobias Fend) und Eleonora (Meda Banciu) träumen von einem eigenen Einfamilienhaus, Tante Lala (Danielle Green) hat aber ganz andere Pläne (© alle Fotos: Andrin Winteler) Tom (Tobias Fend) und Eleonora (Meda Banciu) träumen von einem eigenen Einfamilienhaus, Tante Lala (Danielle Green) hat aber ganz andere Pläne (© alle Fotos: Andrin Winteler)
  • Tante Lala hat das Haus mit ihrem früh verstorbenen Mann John (getanzt von John Kendall) mit eigenen Händen erbaut und hält von der Idee, das Gebäude abzureißen, herzlich wenig Tante Lala hat das Haus mit ihrem früh verstorbenen Mann John (getanzt von John Kendall) mit eigenen Händen erbaut und hält von der Idee, das Gebäude abzureißen, herzlich wenig
  • Verdienter Jubel für die originelle Umsetzung eines wichtigen gesellschaftspolitischen Themas, von dem die Politik trotz seiner Brisanz lieber die Hände lässt. Verdienter Jubel für die originelle Umsetzung eines wichtigen gesellschaftspolitischen Themas, von dem die Politik trotz seiner Brisanz lieber die Hände lässt.