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10.09.2019 |  Peter Füssl

Avishai Cohen / Yonathan Avishai: Playing The Room

Den vierzigjährigen Trompeter Avishai Cohen und den um zwei Jahre älteren Pianisten Yonathan Avishai verbindet schon seit ihren Teenagertagen in Tel Aviv eine enge, nicht nur musikalische Freundschaft. Obwohl Cohen längst in New York und Avishai in Frankreich lebt, blieben sie stets durch musikalische Projekte verbunden – so spielte etwa der Pianist eine tragende Rolle in den beiden grandiosen ECM-Alben des Trompeters „Into The Silence“ (2016) und „Cross My Palm With Silver“ (2017). ECM-Chef Manfred Eicher hatte letztes Jahr während der Aufnahmen zu Yonathan Avishais heuer im Jänner erschienenen, exzellenten Trio-Album „Joys and Solitudes“ die Idee, dass die holzverkleideten Räumlichkeiten des Auditorio Stelio Molo RSI in Lugano die perfekten akustischen Verhältnisse für ein musikalisches Aufeinandertreffen der beiden Freunde im Duo-Format böten.

Tatsächlich erwuchs daraus eine Sternstunde des kammermusikalischen Jazz und ein exzellentes Lehrstück in Sachen ungezwungener und dennoch tiefgreifender musikalischer Kommunikation. Den beiden Musikern ging es weniger um das Realisieren ihrer kompositorischen Ideen – dazu haben sie in ihren jeweils eigenen Formationen genügend Gelegenheiten –, sondern um geeignetes Material, um damit ihre individuellen Vorzüge und die von ihnen eindrucksvoll praktizierte hohe Kunst des Duo-Spiels im perfekten Licht erscheinen zu lassen. So findet sich von beiden Protagonisten jeweils nur eine Eigenkomposition neben sehr unterschiedlichen Stücken, die für ihre gemeinsame musikalische Sozialisation wichtig waren, etwa Coltranes „Crescent“, Ellingtons „Azalea“, Abdullah Ibrahims „Kofifi Blues“ oder Ornette Colemans „Dee Dee“ – bis schließlich mit dem finalen Stück „Shir Eres (Lullaby)“ des israelischen Komponisten Sasha Argov der Bogen in die gemeinsame Heimat gespannt wird. Beide haben sie natürlich die gesamte Jazz-Geschichte intus und längst zu ihrem ganz persönlichen Stil gefunden. Yonathan Avishai verzichtet auf jegliche plakative Opulenz und setzt auf kluge Reduktion zwecks einer tiefergehenden Optimierung des musikalischen Gehalts. Ob lyrisch-romantisch, melancholisch, verspielt avantgardistisch oder sophisticated bluesig, der Pianist erweist sich stets als perfekter Partner für Avishai Cohen, der mit seinem gleichermaßen eleganten wie ausdrucksstarken Trompetenspiel alle Arten musikalischer Stimmungen perfekt zu inszenieren versteht. Technisch perfekt, ungemein virtuos und dennoch stets auch von einer tiefen Emotionalität geprägt, die unter die Haut geht.

(ECM/Vertrieb: www.lotusrecords.at)

Konzert-Tipp: Das Duo geht im November/Dezember auf Präsentationstour, am 10.12. werden sie im Moods in Zürich spielen.

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