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01.11.2019 |  Dagmar Ullmann-Bautz

Sensibles Preisträgerstück im Kosmodrom in Bregenz

Es ist erstaunlich, was man im Kosmodrom, einer Spezialschiene des Theater Kosmos und ein Forum, wo junge Talente seit 2013 gefördert werden, immer wieder zu sehen bekommt. Erstaunlich auch deshalb, weil die als Low-Budget veranschlagten Produktionen innerhalb kürzester Zeit erarbeitet werden. Das jetzige Kosmodrom-Weekend spielt das zweitplatzierte Stück des ausgeschriebenen Stückewettbewerbs zum Thema „Wer Gewalt sät“. Anlass für den Wettbewerb war die Informationskampagne des Landes zum Thema „Gewaltverbot in der Erziehung“. Die junge Vorarlberger Autorin Katharina Klein hat einen sehr poetischen und spannenden Text dazu vorgelegt, in dem sie das äußerst sensible und traurige Thema auf fantasievolle Weise umsetzte, ohne allzu plakativ zu werden, und auch mit einem kleinen Schuss Humor versah.

Klare Inszenierung – überzeugendes Bühnenbild

Stephan Kasimir, sowohl Begründer als auch Kurator des Kosmodroms, hat das Stück „Eine geschlossene Tür und davor und dahinter oder Gutenachtgeschichten“ auf sehr klare, unverspielte Weise mit feinen musikalischen Verweisen inszeniert. Dabei setzte er auf die Vielschichtigkeit der Figuren und die Poesie des Textes und hat damit gut getan. Die Idee einer runden Bühne mit einer rundherum laufenden Wand, die rasch das davor und das dahinter der Türe offenbart, ist genial. Caro Stark hat diese Bühne entworfen und damit wieder einmal ihren Erfindungsreichtum unter Beweis gestellt.

Genialer Schachzug

Es fesselt, wenn die Figuren hinter der Türe sehr vielschichtig und rätselhaft bleiben, während jene davor platt und eindimensional hervortreten. Diese Figuren, seien es die tratschenden Nachbarinnen, sei es der Pfarrer oder der Bürgermeister, die mit „Schönreden“ glänzen, sie alle werden nur als “flache“ Videoaufzeichnungen gezeigt, und das ist ein genialer Schachzug. Die Figuren des Bildmaterials werden verkörperte von den SchauspielerInnen Elke Maria Riedmann, Heidi Salmhofer, Michaela Spänle, Robert Kahr sowie Wolfgang Pevestorf.
Spannend präsentiert sich auch der Aufbau des Stückes, wie ein Puzzle setzt sich Szene um Szene zusammen, jedes Teilchen fügt sich stimmig ein, bis das Bild als Ganzes vor einem liegt.

Tolles Ensemble

Hinter der Tür brillierte Maria Fliri als Mutter mit einer Tiefgründigkeit, die ganz viel darüber aussagt, wie Tatsachen, wie Situationen oft kompliziert, vielschichtig und einfach nicht vergleichbar sind. Chris Mancin spielte den allgegenwärtigen Spiderman als machtloser Schutzengel des Kindes, sehr authentisch dargestellt von Taiyo Marquez Suitner. Als Babysitterin war Maria Strauss zu erleben.
Das Publikum applaudierte begeistert und horchte gespannt dem anschließenden Werkstattgespräch zwischen Wolfgang Mörth, Ingrid Bertel und Katharina Klein, moderiert von Stephan Kasimir.

Weitere Vorstellung:
Sa, 2.11., 20 Uhr, Theater Kosmos, Bregenz

Großartig: Taiyo Marquez Suitner und Maria Fliri (Foto: Caro Stark)

Großartig: Taiyo Marquez Suitner und Maria Fliri (Foto: Caro Stark)

Vor der Tür: Spiderman und die feine Gesellschaft (Foto: Caro Stark)

Vor der Tür: Spiderman und die feine Gesellschaft (Foto: Caro Stark)

Autorin Katharina Klein

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Bilder
  • Großartig: Taiyo Marquez Suitner und Maria Fliri (Foto: Caro Stark) Großartig: Taiyo Marquez Suitner und Maria Fliri (Foto: Caro Stark)
  • Vor der Tür: Spiderman und die feine Gesellschaft (Foto: Caro Stark) Vor der Tür: Spiderman und die feine Gesellschaft (Foto: Caro Stark)
  • Autorin Katharina Klein Autorin Katharina Klein