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20.08.2021 |  Dagmar Ullmann-Bautz

Höllentanz im Lustgarten – gefeierte Premiere im Dornbirner Kulturhauspark

Nach wunderbaren Stücken wie „Am Beispiel Butter“ oder „Der Herzerlfresser“ ist dem österreichischen Autor und Stückeschreiber Ferdinand Schmalz mit seiner Adaption des „Jedermanns“ von Hugo von Hofmannsthal wieder ein großer Wurf gelungen. Und auch das Ensemble UNPOP hat mit seiner gestrigen Premiere von „Jedermann (stirbt)“ im Dornbirner Kulturhauspark eine adäquate Arbeit dazu abgeliefert. Es war eine gute, gemeinsam mit der Kulturinitiative „Caravan“ getroffene Entscheidung eine Sommerproduktion an zwei Freilicht-Locations, im Kulturhauspark in Dornbirn sowie am Gutshof Heidesand in Lustenau, anzubieten –immer mit der Schlechtwetteroption „Freudenhaus“.

Der dagobertsche Blick

Ferdinand Schmalz erzählt mit wunderbar verspielter Sprache die Geschichte des Jedermann, setzt sie ins Heute und Jetzt, seinen Jedermann ins Zentrum der Macht, in die Welt des ganz großen Geldes. Sein Jedermann ist der kühl berechnende Jongleur an den Börsen der Welt, mit dem dagobertschen Blick nur in eine einzige Richtung. Dass auch ihm der Tod begegnen soll, ist, nein war für ihn undenkbar.

 

Glänzende Ausstattung und feine Inszenierung

 

Männliche Präpotenz schlechthin sticht schon beim ersten Blick aufs Bühnenbild ins Auge, ein riesiger goldener Phallus ragt da kerzengerade mitten aus einem kleinen, ebenso golden gerahmten Wasserbecken, umgeben von zartem Rasengrün. Einen Lustgarten hat Ausstatterin Caro Stark für den Jedermann und seine Sippschaft gebaut, einen Lustgarten, in dem hinter hohen Zäunen pure Dekadenz wild gefeiert und übersteigerte Macht demonstriert wird. „Geld regiert die Welt!“, wird mit goldenen Kostümen hier ganz laut hinausposaunt, nur noch lauter tönen dazu die Glocken der Hölle auf dem "Highway to Hell" (AC/DC).

Stephan Kasimir setzt in seiner Inszenierung auf ein spannendes Ensemble, zusammengewürfelt aus versierten Schauspieler*innen, die als die (teuflisch) gute Gesellschaft und in verschiedensten Figuren äußerst akzentuiert agieren. Kasimir vertraut diesem großartigen Text, lässt ihn wirken und gibt ihm den gebührenden Raum.

 

Tolles Ensemble

 

Johannes Gabl, vielen als langjähriges Ensemblemitglied am Vorarlberger Landestheater in allerbester Erinnerung, spielt den Jedermann gewohnt souverän und unaufgeregt, zum unvermeidlichen Schluss gewandelt, mit zarter Feinnervigkeit. Als Jedermanns Frau agiert Maria Strauss selbstbewusst und herrlich abgehoben mit russischem Akzent – allerdings einem Klischee folgend, das zuweilen im Halse stecken bleibt. Die Buhlschaft und der Tod, eine perfekte Kombination, wird von Benjamin Vanjak sparsam und gerade deshalb so wirkungsvoll dargestellt - in offenen Schuhen, leicht wankend, verletzlich und geheimnisvoll. Daneben steht ein Gott, eigentlich eine Göttin, mit klarer Ansage, hand- und beinfest klärt sie auf, stellt fest und führt durchs Programm – stark: Helga Pedross, auch als geknickter armer Nachbar.

Wolfgang Pevestorf überzeugt als Jedermanns Mutter ohne große Gesten. Köstlich, gleichzeitig aber auch bedrückend mitzuerleben sind die Wandlungen des dicken und des dünnen Vetters (Wini Gropper und Simon Alois Huber). Last but not least strahlt Maria Fliri als leuchtende Anführerin der (teuflisch) guten Gesellschaft, wunderbar witzig als schnöder Mammon und in der Darstellung der guten Werke. Alles in allem eine ausgezeichnete Besetzung.

Wenn am gestrigen Premierenabend zum großen Theaterglück noch ein Quäntchen gefehlt hat, dann war es die von UNPOP gewohnte und stets genossene, am gestrigen Abend jedoch ein wenig vermisste Leichtigkeit, vermutlich den Rahmenbedingungen einer Freilichtaufführung an einem mehr oder weniger öffentlich frequentierten Ort und Umfeld geschuldet.

Ich wünsche der Produktion weiterhin einen holden Wettergott und dem tollen Ensemble noch viel Freude und Spaß an diesem aktuellen und mitreißenden Text, der glänzenden Ausstattung und der sensiblen Inszenierung.

 

Weitere Vorstellungen:
20./21.8., 20.30 Uhr, Kulturhauspark, Dornbirn
26./27./28.8., 20.30 Uhr, Gutshof Heidensand, Lustenau
www.unpop.at 

Wenn die gute Gesellschaft wild feiert ...

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... und teuflische Wetten beschließt.

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Wini Gropper, Johannes Gabl und Simon Alois Huber

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Wolfgang Pevestorf und Benjamin Vanjek

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Simon Alois Huber, Maria Strauss, Maria Fliri, Wolfgang Pevestorf und Wini Gropper

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Was kostet die Welt?! (alle Fotos: Caro Stark)

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