Benutzerspezifische Werkzeuge

Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

04.05.2013 |  Walter Gasperi

„Die Schatzinsel“ – Verspielt-postmodernes Puppentheater bei Homunculus

Bei der 22. Auflage des Hohenemser Puppentheaterfestivals Homunculus gastierte auch das deutsche Theater Fiesemadände. Mit großem Einfallsreichtum und Spielfreude erzählen die beiden Puppenspieler Carsten Dittrich und Jan Mixsa Robert Louis Stevensons klassische Abenteuergeschichte „Die Schatzinsel“ nach, würzen sie mit zahlreichen Wortspielen und Anspielungen, die allerdings ein jüngeres Publikum überfordern dürften.

Zu den Klassikern der Abenteuerliteratur zählt Robert Louis Stevensons 1881 erstmals erschienener Roman „Die Schatzinsel“. Mehr als 20 mal verfilmt wurde die Geschichte um den jungen Jim Hawkins, der in der elterlichen Kneipe „Zum Admiral Benbow“ die Karte einer Schatzinsel findet und auf einem Schiff unter der Führung von Kapitän Smollett, sich auf die Suche nach Insel und Schatz macht. An Bord sind aber auch der einbeinige Long John Silver und seine Gehilfen, die selbst hinter dem Schatz her sind.

Einfallsreiches Spiel mit Stevensons Roman

Abgesehen vom Finale hält sich das Theater Fiesemadände ziemlich nah an die Vorlage, alle zentralen Figuren von Stevensons Roman tauchen auf, und bringen so dem Publikum diesen Klassiker näher. Ein paar Leitern, Körbe und ein Leintuch reichen aus, um zunächst die Hafenkneipe, dann das Schiff und schließlich den Urwald auf der Insel ebenso liebevoll wie überzeugend darzustellen. Gekonnt ahmen die Puppenspieler dabei auch bei der Dschungelszene diverse Tiergeräuschen nach.
Witz und Charme gewinnt die Aufführung aber vor allem durch das lustvolle und einfallsreiche Spiel mit dem Klassiker. Da werden zum Inhalt passende Lieder gesungen wie „15 Mann auf des Toten Manns Kiste“ oder „What Shall We Do with the Drunken Sailor“, mit denen auch die Pausen für den Umbau der Bühne verkürzt werden, Debatten werden am Beginn geführt, wer nun welche Rolle spielt, die Rolle von Hawkins´ Mutter wird getauscht und das Spielerische damit transparent gemacht.

Lustvolle Wortspiele und postmodernes Zitieren

Wortspiele um „Rum“, „Korn“, „Komm-Pass“ oder „Echolot“  entwickeln sich, anachronistisch wird mal von Telefon und SMS gesprochen, lustvoll wird mit unterschiedlichen Dialekten gespielt, wenn der norddeutschen Mannschaft ein schwäbischer Kapitän gegenübergestellt wird, der leider im Nautik-Unterricht zu wenig aufmerksam war. Mal agieren die Puppenspieler als reale Personen wie in der Rolle der Mutter, dann arbeiten sie mit Handpuppen und lassen die nächtliche Besprechung von Long John Silver als Schattentheater ablaufen. - Unglaublich vielfältig ist diese Inszenierung, sicher agieren die beiden Puppenspieler auf allen Ebenen.
Jede Gelegenheit wird auch genützt, um die Geschichte mit Zitaten aus Literatur, Musik und Film zu würzen. Da heißt die Sträflingskugel des auf der Insel lebenden Ben Gunn – ein Wortspiel mit „begann“ darf hier nicht fehlen – eben nicht Freitag, sondern Donnerstag, weil er sie am Donnerstag gefunden hat, der Kapitän ist unterwegs durch „unendliche Weiten, die noch nie ein Mensch gesehen hat“ („Raumschiff Enterprise“) oder will wie E.T. „nach Hause telefonieren“, kurz angesungen werden Songs wie der „Cats“-Hit „Mondlicht“ oder Stevie Wonders „I Just Called to Say I Love You“.

Höchst unterhaltsame Verpackung, wenig Substanz

Spielerisch leicht fügen sich die Elemente zu einer Einheit, in den Hintergrund tritt bei dem vor Einfällen sprühenden Spiel mit den Zitaten, das zwar den Wissenden erfreuen, dem Kinder aber großteils verständnislos gegenüberstehen werden, die eigentliche Geschichte. Und so prächtig diese Aufführung ein jugendliches und erwachsenes Publikum, das auch einmal kurz ins Spiel involviert wird, unterhält, so ist doch auch eine bei postmodernen Zitatenspielen oft zu findende Substanzlosigkeit nicht zu übersehen: Letztlich bleibt doch vor allem Stevensons Klassiker, der Rest ist hinreißende Verpackung.

Der Inselbewohner Ben Gunn will sich von seiner Sträflingskugel nicht trennen

Der Inselbewohner Ben Gunn will sich von seiner Sträflingskugel nicht trennen

Artikelaktionen
Newsletter
Erhalten Sie die neuesten Kritiken per E-Mail
(Required)
Bilder
  • Der Inselbewohner Ben Gunn will sich von seiner Sträflingskugel nicht trennen Der Inselbewohner Ben Gunn will sich von seiner Sträflingskugel nicht trennen