"Der zerbrochene Krug" von Heinrich von Kleist derzeit in einer Inszenierung von Regisseur Oliver Vorwerk im TAK in Liechtenstein.
Annette Raschner · 25. Mär 2016 · Tanz

„tanz vor ort“ - Neues Festival sorgt für frischen Wind in der Tanzszene

Seit Jänner dieses Jahres hat der Verein für zeitgenössische Bewegungskunst „netzwerkTanz“ in der Annagasse 5 in Dornbirn endlich den lange ersehnten tanzRaum bekommen – ein kleines Zuhause also. Mit mehr Tatendrang und Zuversicht ausgestattet, wurde nun im Theater Kosmos in Bregenz „tanz vor ort“ präsentiert; Ein Festival, das keine Konkurrenz zu bestehenden Festivals, sondern eine Bereicherung darstellt, indem es die regionale Szene in den Fokus rückt.

Zum Auftakt hieß es „Alles tanzt“ mit Installationen und Performances, an denen insgesamt über 30 Gruppen und EinzelkünstlerInnen aus Vorarlberg mitwirkten. In den Tagen darauf wurden Trainingseinheiten für Laien und Profis angeboten und die verschiedenen Stilrichtungen des zeitgenössischen Tanzes wie Laban, Impro oder Contact erlebbar gemacht.
Zum Abschluss der ersten Festivalausgabe wurden gestern Abend  vier von den beiden Kuratorinnen Angelika Aechter und Brigitte Walk kuratierte Produktionen präsentiert, davon drei Uraufführungen.

Den Anfang machte die Kurzproduktion „Im Nebel“ von Natalie und Erich Fend. Die junge Vorarlbergerin hat vor drei Jahren ihr Tanzstudium in Wien abgeschlossen, 2015 erhielt sie den Förderpreis des Landes. „Im Nebel“ hat die Tänzerin aus einer Gehmeditation heraus entwickelt, um Fragen zu Erinnerung und Vergänglichkeit zu thematisieren. Die stark reduzierte Verbindung von Tanz, Meditation und Musik wurde von ihrem 70-jährigen Vater an der Geige begleitet.

Lustvolle Verwirrung stifteten dann Dominik Feistmantl und seine Partnerin Julia Barrios de la Mora mit „Codified Mandarins under Clock“, die in der tänzerischen Kommunikation mit Objekten wie Klobürste, Lampe, Stuhl, Ball und Garderobenständer diesen eine andere Bedeutung gaben. Der gebürtige Lustenauer hat an der Amsterdam School of Arts studiert und versucht nun, im Tanzmekka Belgien durchzustarten.

Für einen Höhepunkt sorgten dann die beiden Tänzerinnen Leonie Humitsch und Silvia Salzmann, sowie Musiker Markus Rainer mit ihrer Kurzproduktion „relate two trust“. Wie hier mit dem Thema Vertrauen in all seinen Facetten umgegangen wurde  – vom vorsichtigen Kennenlernen, ersten zaghaften Schritten, Versuchen, sich selbst zu behaupten, um in einem weiteren Prozess des Vertrauens zumindest Momente von Glückseligkeit zu erleben, - geht im wahrsten Sinne des Wortes unter die Haut. Hier kann man erleben, das Tanz in der Lage ist, Fragen anders zu stellen: Intimer, unverblümter.

Nach einer Pause trat dann mit „spodium für Improvisationskunst“ ein Ensemble auf, das in Sachen zeitgenössischer Tanz seit vielen Jahren impulsgebend wirkt. Für „Zeiträume im Dattelkern“ haben sich die fünf Tänzerinnen und die fünf MusikerInnen mit Zeichnungen des Vorarlberger Künstlers Rainer Wolf auseinandergesetzt. Seine Mikroskopvergrößerungen von Naturmaterialien haben die Phantasie der Ensemblemitglieder ganz offensichtlich beflügelt.