Pacifica
Die Indie-Rockband glänzt mit Professionalität beim Poolbar-Festival
Zuerst verbunden durch eine Liebe zu The Strokes, benannt nach einer Gitarre (Yamaha Pacifica), und seit fünf Jahren auf einer gemeinsamen Mission: Martina Nintzel und Inés Adam haben scheinbar nicht nur einander, sondern auch ihren Sound gefunden.
Der Sound
Wer zuerst von einem weiblichen Duo aus Argentinien hört, denkt vielleicht an lateinamerikanische Beats oder gehauchte Melodien auf Spanisch – und könnte damit bei Pacifica kaum mehr daneben liegen. Der Indie-Rock der beiden Musikerinnen basiert klanglich auf Martina Nintzels P-Bass mit kernigem Sound und nur wenig Verzerrung und Inés Adams präziser E-Gitarre. Beide Musikerinnen singen live, wodurch sich teils ausgefeilte Zweistimmigkeit ergibt und der Sound niemals langweilig zu werden droht.
Inzwischen tritt die ehemalige Cover-Band vorwiegend als Power-Trio mit Schlagzeug und mit eigenen Songs auf. Klanglich findet man aber auch heute noch viel Anleihen an ihre ehemaligen Vorbilder The Strokes und Arctic Monkeys. Signifikant sind dabei vor allem der präsente Bass mit teilweise verspielten Linien und die nach naiv-kindlicher Sorglosigkeit klingenden Gesangsmelodien.
Die Bühnenenergie
Inés Adam und Martina Nintzel sind offensichtlich ein eingespieltes Duo, das sich nicht so schnell aus der Ruhe bringen lässt: Ein technisches Problem beim In-Ear-Monitoring der Bassistin wird schnell behoben, während ihre Bühnenpartnerin eine Geschichte zum nächsten Song erzählt. Ein Mikrofonständer fällt um und steht wieder an gleicher Stelle, bevor der Großteil des Publikums die Panne bemerkt. Auch der Schlagzeuger hält mit dieser Findigkeit mit und weicht bei einem Basedrum-Problem gekonnt auf die Floortom aus, bevor er zwischen den Songs die Komplikation behebt.
Während die Frontfrauen durch kleine Tanzeinlagen und eingeübte Interaktionen eine mitreißende Bühnenshow abliefern, unterstützt der Stage-Drummer sie mit sichtbarer Motivation und Spielfreude. Die Freude an der Musik versucht vor allem Martina Nintzel immer wieder auch auf das Publikum zu übertragen, und fordert es zu mehr Tanzen, mehr Springen, mehr Mitsingen auf. So wird beispielsweise der Breakdown mit langsameren Beats von „Indie Boyz“ beim dazu genutzt, die Menge zum in die Knie gehen und Aufspringen zu motivieren.
Ein Song sticht heraus
Den ausgefeiltesten Song der Setliste hat sich Pacifica für den Schluss aufgehoben: „Don‘t Blame Me“ startet mit einer Gitarrenlinie, die stark an Nirvana oder Arctic Monkeys erinnert. Der Song folgt zunächst mit einem simplen drei-stufigen Akkordmuster, das im Chorus durch eine vierte Harmonie erweitert wird. Die Melodie geht ins Ohr, der Sound ist perfekt abgerundet und gezielt eingesetzte Stopps der Rhythmusgruppe tragen zur Spannungskurve bei. Dieses Schema wiederholt sich noch einmal, bevor der Song in der Bridge überraschend moduliert und der Chorus danach reharmonisiert erklingt.
Zur Enttäuschung des Publikums hat Pacifica keine Zugabe mitgebracht, angeblich aus einer Ermangelung an weiteren Songs. Bleibt nur zu hoffen, dass die beiden Power-Musikerinnen Inés Adam und Martina Nintzel bald mehr ähnlich gut durchdachte Songs veröffentlichen, und diese bei Gelegenheit wieder mit nach Feldkirch bringen.