Neu in den Vorarlberger Kinos: „Gaza mon amour" (Foto: Panda Film / Alamode Filmverleih)
Karlheinz Pichler · 06. Okt 2023 · Literatur

Neue Kunstbücher vom SilvrettAtelier, Marbod Fritsch, Galerie im Kies und Marxx Bosch

Sinnlich und haptisch

Bücher aus Papier gehören noch lange nicht der Vergangenheit an. Sie sind nicht bloß verlässliche Informationsspeicher, sondern auch sinnlich-haptische Gegenstände und vielfach aufgrund ihrer besonderen Ausstattung sammelwürdig. Vor allem wenn es sich um Kunstbücher handelt. Gerade im Ländle, das über viele exzellente Grafiker:innen verfügt, werden immer wieder qualitativ hochstehende Kunstpublikationen hergestellt, von denen nicht wenige für wichtige Auszeichnungen gut sind. Nachfolgend stellen wir vier Kunstbücher vor, die neu den hiesigen Markt bereichern.

SilvrettAtelier 2022, 25 Jahre SilvrettAtelier

Der Künstler, Pädagoge und Chef des Kunstforums Montafon (KFM) Roland Hass hat im Jahre 1998 mit dem „SilvrettAtelier“ ein seither im Zweijahresrhythmus ausgetragenes Kunstsymposium mit internationalem Künstleraustausch aus der Taufe gehoben und überregional etabliert. Die ersten acht Symposien fanden auf der Bielerhöhe statt, die letzten vier auf der Versettla in der Nova Stoba, die auch Austragungsort für die kommenden Ausgaben sein soll. Die SilvrettAteliers finden in der Regel immer im Spätsommer statt. Was die Kunstschaffenden innert zwei Wochen geschaffen haben, können sie dann zu Hause verfeinern und fertigstellen und im darauffolgenden Jahr werden die Ergebnisse in einer renommierten Kunsteinrichtung präsentiert. Zu jedem der Symposien erscheint auch jeweils immer ein Katalog, der die geschaffenen Elaborate der zumeist international etablierten Künstler:innen dokumentiert. In diesem Jahr fällt diese Publikation besonders gewichtig aus, denn es wird darin nicht nur das letzte SilvrettAtelier, das Ende August 2022 stattfand, ausführlich mit Bildern und Statements der Teilnehmenden referenziert, sondern es ist gleichzeitig ein Jubiläumswerk anlässlich des 25. Geburtstages dieses Symposiums, das einen informativen Rückblick auf die vergangenen zwölf Veranstaltungen bietet. Das von Angelika Wittwer-Grabher formidabel gestaltete Buch wartet auf seinen insgesamt 78 Seiten mit einer Vielzahl von eindrucksvollen Bildern und entsprechenden Textbeiträgen auf, die das jeweils zweiwöchige Schaffen der Symposiumsteilnehmenden in dieser hochalpinen Region veranschaulichen sowie von den nachfolgenden Ausstellungen, die bis ins Wittgenstein-Haus in Wien oder ins Kunstmuseum Kemi in Finnland reichten. Ein teilnehmender Künstler meinte einmal, das SilvrettAtelier sei eines der besten Symposien rund um den Globus. Ob dies stimmt, kann anhand der Publikation bestens nachvollzogen werden.

SilvrettAtelier Montafon 2022: 25 Jahre SilvrettAtelier, Hrsg. v. Kunstforum Montafon. Vorarlberger Verlagsanstalt 2023, 78 Seiten, ISBN: 978-3-200-09286-0, € 18

Galerie im Kies 1998–2023

Es gibt noch ein weiteres 25-Jahr-Jubiläum anhand einer Publikation zu feiern. Denn mit dem 20. Mai 1998 begann die Galerie im Kies in Altach jährlich zumeist zwei Ausstellungen unter freiem Himmel zu organisieren. Werner Kopf erfüllte sich damit einen lang gehegten Traum und schuf inmitten des Naturareals am Alten Rhein in einem industriell genutzten Firmenareal, des Kies- und Betonwerkes Kopf Kies + Beton, eine Freiluftgalerie mit besonderem Ambiente. In der von Thomas Matt vom Atelier Stecher ansprechend gestalteten, 224 Seiten starken Hardcover-Publikation mit dem Titel „Galerie im Kies – 1998-2023“ sind sämtliche 45 Bildhauerpositionen, die ein- oder mehrmals in Altach präsentiert wurden, ausführlich dokumentiert. Beim Durchblättern des Buches werden zwei Dinge offenkundig: Werner Kopfs internationale Ausrichtung sowie sein Faible für figurative Kunst. Wobei die meisten künstlerischen Statements im Kies von Bildhauern aus der Schweiz und Deutschland stammen. Aber auch Kunstschaffende aus Italien, Bosnien, Dänemark oder Argentinien hinterließen ihre künstlerischen Fußabdrücke. Nur eine Hand voll Positionen stammen aus Vorarlberg. Beispielsweise Elisabeth Wieser-Schiestl oder Markus Grabher.

Galerie im Kies 1998-2023, Hrsg. v. Galerie im Kies. Thurnher Druckerei, Rankweil 2023, 224 Seiten, € 35. Bezug über office@kopf-kies-beton.at

Marbod Fritsch - Real ist was zwischen den Dingen ist und nicht das Ding selbst

Der 1963 in Bregenz geborene Konzeptkünstler und Zeichner Marbod Fritsch zählt zweifelsohne zu den produktivsten Künstlern im Land. Was er in den vergangenen vierzehn Jahren geschaffen hat, erscheint nun in einem 160-seitigen, vom Egger Grafikbüro Super BfG fein gestalteten Katalogwerk, das am 7. Oktober im Rahmen der langen Nacht der Museen beim Digitalisierungsunternehmen Foryouandyourcustomers in Dornbirn präsentiert wird. Dort und auch in der Niederlassung dieser Firma in Feldkirch zeigt Fritsch zusätzlich bis Februar 2024 neue Zeichnungen. Im Buch sind sämtliche Arbeiten im öffentlichen Raum ausführlich in Wort und Bild dokumentiert, angefangen von „You are wonderful“, einem sechs Meter langen Stift mit angehängtem Text aus lasergeschnittenen Stahlbuchstaben vor der Feldkircher Arbeiterkammer, bis hin zu dem in die Knie gegangenen stählernen Hochsitz auf dem Muttersberg. Außerdem werden all die von Fritsch ausgeheckten Installationen sowie auch zahlreiche Zeichnungen präsentiert. Eigentlich ist es eine umfassende Werkschau in Buchform des Künstlers, der auch als Kurator der Kunsthalle FRO im ORF Funkhaus Dornbirn tätig ist. Eingeleitet wird das Katalogbuch von einem interessanten Essay des KUB-Direktors Thomas D. Trummer, in dem es um die Erzeugung und die Auflösung von Realität respektive Bildern geht, was auch ein zentrales Thema im Schaffen von Marbod Fritsch ist. Mit diesem Werk macht sich Fritsch wohl selber das schönste Geschenk zu seinem 60. Geburtstag, den er Anfang Dezember begeht.

Marbod Fritsch: Real ist was zwischen den Dingen ist und nicht das Ding selbst. Hrsg. v. Marbod Fritsch, Druckerei Samson Druck, Salzburg 2023, 160 Seiten, Hardcover, ISBN: 978-3-200-09355-3, € 40
Buchpräsentation: 7.10., 18 Uhr, Foryouandyourcustomers, Dornbirn

Marxx Bosch: Cosmic – im Universum des Nichts

Ein Kunstbuch anderer Art, nämlich ein „galaktisches Bilderbuch für Erwachsene und Kinder“, hat der Lustenauer Künstler Marxx Bosch in Wort und Bild geschaffen. „Cosmics – im Universum des Nichts“ handelt im Kern von den ewigen Fragen, woher wir kommen und wohin wir gehen. Es fing damit an, dass wir im Zustand des Nichts durch das Universum flogen. „Wir brauchten nichts ... und wir wollten auch nichts, weil wir gar nicht existierten … Und doch waren wir da, schon immer und überall, im ganzen Kosmos. Es gab keine Sprache, kein Bild, keine Musik, nicht einmal Licht, aber wir waren da“, heißt es zu Beginn des Buches. In der Folge rast „Cosmic“, der von der Gestaltung her ein wenig an den von Antoine de Saint-Exupery gezeichneten „Kleinen Prinzen“ erinnert, durch das Nichts und die nicht vorstellbare Unendlichkeit. „Deshalb brauchten wir Kunst, um in dieser unerträglichen Unendlichkeit Punkte zu setzen, Wegmarken, ähnlich Lichtern in der Dunkelheit.“ Auch wenn alles explodiert und implodiert und sich alles im Nichts auflöst, bleibt am Schluss eines gewiss: „Wir brauchen Kunst!“

Marxx Bosch: Cosmic – im Universum des Nichts. Edition K12, Bregenz 2023, 64 Seiten, Hardcover, ISBN: 978-3-902683-12-0, € 29

Dieser Artikel ist bereits in der Print-Ausgabe der KULTUR Oktober 2023 erschienen.