Voices unter der Leitung von Jakob Peböck (Foto: Michaela Mathis)
Michael Pekler · 12. Feb 2025 · Film

Neu in den Kinos: „Willkommen in den Bergen“

Ein von Kindern und Beruf geplagter Lehrer lässt sich in die Provinz versetzen, um Kinder und Beruf wieder lieben zu lernen. Doch kaum im Bergdorf eingewöhnt, droht ihm der Jobverlust: Die Schule soll geschlossen werden! Die italienische Erfolgskomödie setzt auf bekannte Motive und bewährte Rezepte. Kino zum Wohlfühlen, das seine ernsten Themen nicht ernst nehmen will.

Die sechzig Grad Temperaturunterschied zwischen Sommer und Winter nimmt Lehrer Michele (Antonio Albanese) gerne in Kauf. Denn erstens stammt die Prognose von der Vizedirektorin Angnese (Virginia Raffaela), die ihm offensichtlich nicht zutraut, dass er es lange in ihrem Bergdorf aushält und ihn bei seiner Ankunft wieder loswerden will. Und zweitens wird bekanntlich nichts so heiß gegessen wie gekocht – schon gar nicht die vorausgesagte Sommerhitze mitten im Schneesturm. Außerdem hat Michele derzeit andere Sorgen: Weil es ihm als Volksschullehrer nach 35 Jahren an der Brennpunktschule in Rom nicht mehr gefallen hat, ist er nun dank der gewünschten Versetzung zwar endlich in den Abruzzen gelandet, scheitert aber an der sozialen Akklimatisierung.
„Willkommen in der Bergen“ („Un mondo a parte“) war vergangenes Jahr der bestbesuchte Film Italiens. Was nur gelingen konnte, weil sich Regisseur und Autor Riccardo Milani für den Publikumshit beim französischen Nachbarn einiges abgeschaut und eine Komödie à la „Willkommen bei den Sch'tis“ entworfen hat, die nicht ganz dümmlich, aber auch nicht gar klug daherkommt – also ein wenig so wie Michele. Als Großstädter ist er natürlich im Winter mit Halbschuhen angereist, kann kein Feuer im Ofen anmachen und fürchtet sich vor der wilden Natur, erweist sich jedoch als lernfähig, lässt das Philosophieren bald bleiben und versteht die Sorgen der Bergler. Und deren größte ist die angedrohte Schließung der Schule.  

Keine Hinterwäldler

Denn die 364 Einwohner und Einwohnerinnen – im Jahr davor waren es noch 378 – bekommen keinen Nachwuchs, womit die Mindestanzahl von acht Kindern für den Erhalt der Einklassenschule ausgerechnet zu Micheles Arbeitsantritt nicht erreicht ist. Kaum hat er sich eingelebt, sich Winterstiefel gekauft, knistert es im Ofen und mit Agnese, müsste er auch schon wieder abreisen. „Wir haben es satt, die Dörfer zu beleben, damit ihr schöne Wochenenden habt“, erklärt der Vater eines Schulbuben, dem für die Schönheit der Landschaft schwärmenden Michele, die triste Lage und die Landflucht. Worauf dieser wenig später glücklicherweise in den Abendnachrichten sieht, dass Italien viele aus der Ukraine geflüchtete Kinder mit offenen Armen empfängt. Ob das in dem von der Postfaschistin Meloni regierten Land überhaupt stimmt, interessiert diesen Film natürlich nicht. 
Nun ist der im Hinterland gelandete Großstädter – und zunehmend oft die Großstädterin – zumindest im Kino schon sattsam bekannt und bietet das Aufeinanderprallen von Lebenswelten nicht erst seit dem Netflix-Hit „Virgin River“ Konflikt- und Humorpotenzial. „Willkommen in den Bergen“ entwickelt aus dem gängigen Motiv zumindest anfänglich eine durchaus charmante Culture-Clash-Komödie, in der die Dorfbewohner nicht als trottelige Hinterwäldler auftauchen, sondern den sterbenden Ort am liebsten verlassen würden. Was die Erzählung aber nicht davor bewahrt, zunehmend mit falscher Idylle punkten zu wollen: Spätestens wenn Michele unter schrecklichem Zeitlupeneinsatz zum Lebensretter der einzigen und sich ausgestoßen fühlenden Jugendlichen wird, ist die Kitschgrenze erreicht. 
Ob für Michele, Agnese, die Dorfbewohner, die ukrainischen Kinder und den gierigen Bürgermeister aus dem Nachbarort am Ende alles gut wird, soll nicht verraten werden. Nur, dass dann der Sommer wieder ins Land gezogen und es ziemlich heiß geworden sein wird.

ab 14.2., Cinema Dornbirn; ab 15.2., TaSKino im GUK Feldkirch (OmU)