Johanna Summer – Jakob Manz: „Cameo“
Standen auf dem ersten, 2022 erschienen Duo-Album der beiden deutschen Jungstars noch Kompositionen von Esbjörn Svensson, Pat Metheny, Sidney Bechet oder Frank Churchills vielgespielter Filmklassiker „Someday My Prince Will Come“ – garniert mit drei Eigenkompositionen des Saxphonisten – auf dem Programm, so haben sich Jakob Manz und die Pianistin Johanna Summer das Material für das Nachfolge-Album nun weitgehend selber auf ihre Leiber geschrieben.
Drei Stücke steuert Manz bei, fünf stammen aus Summers Feder, unter anderem der melancholisch-nachdenkliche Opener „The Opposite“ als ideale Einstimmung auf die darauffolgende Manz-Nummer „The Turmoil“ – ein in der Tat tumultartiges Stück voller rockigem Piano-Drive und harmonischer Raffinesse, wobei Manz ganz ungewohnt die Blockflöte anstelle des Altsaxophons glühen lässt. Letzteres kommt dann aber gleich im dritten Stück, dem von Summer komponierten Titelstück „Cameo“, höchst expressiv und in wundervoller Verschränkung mit den Piano-Linien zum Einsatz. Mit dem Jazz als gemeinsame Basis harmoniert Summers Hang zur Klassik – der in ihrem Arrangement des 4. Satzes aus Mahlers 9. Symphonie („Mahler neu(n)“) besonders deutlich an den Tag tritt – bestens mit dem Faible von Manz für Pop, Rock und Soul, das etwa in der Ballade „Your Endless Dream“ äußerst schöne Blüten treibt. Sie wildern aber auch mit großem Vergnügen im Revier des anderen, wenn etwa Manz das beschauliche deutsche Volkslied „Im schönsten Wiesengrunde“ arrangiert, Summer hingegen den 40 Jahre alten Grönemeyer-Klassiker „Flugzeuge im Bauch“ in neuer Intensität erstrahlen lässt, wobei Manz den eindringlichen Sprechgesang auf dem Sax perfekt umzusetzen versteht. Wie da zwei äußerst kreative Köpfe mit ganz großen Ohren aufeinander hören, sich in spannenden musikalischen Dialogen wechselseitig inspirieren und mit manchen spontanen Einfällen wohl auch gegenseitig überraschen, das macht den großen Reiz dieses von großer Sensibilität und mitreißender Kraft geprägten Albums aus.
(ACT)
Konzert-Tipp: 13.2. Konzerthaus Wien; 27.8. Kurer Möbel Kunst, Zürich
Dieser Artikel ist bereits in der Print-Ausgabe der KULTUR Februar 2025 erschienen.