Neu in den Kinos: „Vier Mütter für Edward“
In einer Wohlfühlkomödie, in der sich ein schwuler Romanautor mittleren Alters gezwungen sieht, auf vier exzentrische Mütter aufzupassen, obwohl er eine Lesereise durch die USA antreten will, könnte einiges schiefgehen. Tatsächlich ist in diesem Film das Gegenteil der Fall: Darren Thorntons „Four Mothers“ überzeugt mit Witz und Empathie.
„Be curious, not judgemental“, soll Walt Whitman geschrieben haben. Und obwohl die zitierfähige Weisheit dem Lyriker fälschlicherweise untergeschoben wurde, verbirgt sich dahinter dennoch eine große Wahrheit. Sei neugierig, ehe du verurteilst. Im Leben wie im Kino.
Dort trifft die Vorverurteilung etwa regelmäßig die sogenannte Wohlfühlkomödie, bei der wir uns ein wenig wohler fühlen sollen als in Wirklichkeit und die uns deshalb oft eine heile Welt vorgaukelt. Doch gerade die Wohlfühlkomödie ist in Wahrheit eine hohe Kunst: Sie darf nicht zu anspruchlos, aber zugleich nicht zu herausfordernd sein. Sie soll zum Denken und zum Mitfühlen anregen und dennoch Spaß machen. Bestenfalls sieht sie aus wie „Vier Mütter für Edward“ („Four Mothers“).
Nicht pflegeleicht
Wenn Edward (James McArdle) zu Beginn des Films ins Nebenzimmer beordert wird, ist man nicht nur vom ruppigen Ton überrascht, der ihn dort erwartet, sondern auch davon, wie dieser zustande kommt. Die alte Frau kann nach einem Schlaganfall nicht mehr sprechen und kommuniziert über ein Tablet mit Sprachausgabe. Außerdem stellt sich bald heraus, dass Edward kein bezahlter Pfleger ist, sondern offensichtlich hauptberuflich Sohn, der sich der Mutter gegenüber nichts erlauben darf. Und der sich gerade mal zwischendurch traut, seinem Brotberuf nachzugehen. Gerade das wäre jedoch besonders wichtig, denn Edward ist Schriftsteller, und der Verlag seines eben erschienenen Debütromans verlangt dringend mehr Zeit für Marketingmaßnahmen.
Womit Edwards Situation in dieser Komödie, die Regisseur Darren Thornton inszeniert und gemeinsam mit seinem Bruder Colin Thornton geschrieben hat, von Beginn an nicht besonders rosig ist. Doch ausgerechnet Edward, der als Mittvierziger noch bei der Mutter lebt, hat es geschafft, einen erfolgreichen Jugendroman zu schreiben und muss nun eine Lesereise in die USA antreten. Heimlich besucht er ein Pflegeheim, in dem die Mutter für die kurze Zeit unterkommen würde, doch man ahnt es: Das wird schwierig. Und es kommt noch schlimmer, als der gutmütige Mann von seinen drei ebenfalls schwulen Freunden gnadenlos überrumpelt wird: Um sich ein verlängertes Pride-Wochenende in Maspalomas zu gönnen, quartieren diese kurzerhand ihre auch nicht pflegeleichten Mütter bei Edward ein. Drei alte Damen mehr oder weniger machten für ihn doch keinen Unterschied.
Rat der Schamanin
Thornton verleiht seinem Film, inspiriert von der italienischen Komödie „Ein Festmahl im August“ (2009), den typisch irischen Touch, der sich vor allem in einem lakonischen Wortwitz zeigt. Denn die vier „Golden Girls“ bieten Edwards zarten Versuchen der Selbstbehauptung konsequent Paroli. Das beginnt bei der Diskussion um die Verteilung der Schlafplätze im Haus, setzt sich bei der Forderung nach dringenden Kosmetikterminen fort und gipfelt im wichtigen Anliegen, eine Schamanin im entfernten Galway zu besuchen. Währenddessen absolviert Edward Videotelefonate, jongliert mit Terminen und kauft das jeweils gewünschte Frühstück zu Fuß ein.
In Thorntons Inszenierung dominieren jedoch nicht brachiale Komik oder Slapstick, sondern ein charmanter, oft sogar empathischer Tonfall. Natürlich ist Edward als pflegender, schwuler Sohn ausgerechnet in Irland das Paradebeispiel der absoluten Ausnahme. Doch auch an dieser Stelle ist ein genaueres Hinsehen gefragt: Ist Edward mit seinem Helfersyndrom tatsächlich völlig schuldlos an seiner misslichen Lage? Sein Ex-Freund, mit dem er gerne wieder zusammen wäre, meldet jedenfalls Bedenken an. Es soll Menschen geben, die sich wohler fühlen, wenn sie anderen helfen können. Auch in Wohlfühlkomödien.
ab 11.7., Cinema Dornbirn; ab 12.7., TaSKino im GUK Feldkirch (OmU)