Bregenzer Meisterkonzerte: Das Kammerorchester des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks unter der Leitung von Radoslaw Szulc. (Foto: Udo Mittelberger)
Michael Pekler · 02. Mär 2026 · Film

Neu in den Kinos: „Vier minus drei“

In Adrian Goigingers Verfilmung des autobiografischen Romans von Barbara Pachl-Eberhart spielt Valerie Pachner eine Frau, der es nach dem Unfalltod ihrer Familie den Boden unter den Füßen wegreißt. Ein kraftvoller Film über den Schmerz und die Trauer, aber auch über das Wünschen und Weitermachen. Und das Lachen.

„Ich bin am Leben und möchte Teil des ganz normalen Lebens bleiben.“ Barbara (Valerie Pachner) hat den Schicksalsschlag, der sie aus heiterem Himmel traf, noch lange nicht überwunden. Ihr Mann Heli (Robert Stadlober) und ihre beiden Kinder sind ums Leben gekommen: an einer Eisenbahnkreuzung im gelben Kleinbus, den das Paar zur Hochzeit geschenkt bekommen hatte. Barbara arbeitet als Clownin und bringt in Spitälern Kinder mit Seifenblasen und Ukulele zum Lachen. Heli war ebenfalls Clown, betrachtete sich aber als Künstler und träumte von einer Bühnenkarriere in Frankreich. Seine beste Nummer war der Auftritt mit seinem roten Wunschballon, der immer größer wird und den er nicht festhalten kann. Der von seiner Tante geerbte Hof in der Steiermark war für die chaotische, aber glückliche Familie ein idyllisches Refugium. Nun ist für Barbara diese Welt zusammengebrochen. Sie ist allein. Vier minus drei.

Trauma und Trostpflaster

Mit seinem fünften Spielfilm „Vier minus drei“ hat der Salzburger Regisseur Adrian Goiginger den gleichnamigen autobiografischen Roman von Barbara Pachl-Eberhart verfilmt. Die Autorin und Schreibpädagogin verarbeitete darin den Unfalltod ihres Mannes und ihrer beiden Kinder, Goiginger hat sich der Vorlage eindringlich und behutsam angenommen. Dazu tragen vor allem Barbaras Erinnerungen in Form zahlreicher Rückblenden bei, mit denen das Drehbuch von Senad Halilbašić auf den Alltag und die Höhepunkte des Familienlebens in einer Mischung aus Wehmut und Fröhlichkeit zurückblickt. Und obwohl diese unwiederbringlichen Augenblicke – das Kennenlernen, die Geburt des ersten Kindes oder die clowneske Hochzeit – den Schmerz verstärken, wirken Barbaras Erinnerungen zugleich wie ein Trostpflaster, wenn sie versucht, nach der Trauer und der absoluten Hoffnungslosigkeit wieder „Teil des ganz normalen Lebens“ zu werden. Dazu gehören ein öffentlicher Dankesbrief und ein Begräbnis, das zu einem einzigartigen Fest wird, letztlich aber vor allem die Akzeptanz des Geschehenen. Ist es dann für einen neuen Partner (Hanno Koffler) zu früh oder bereits zu spät? 

Die beste aller Geschichten

In seinem Debüt „Die beste aller Welten“ erzählte Goiginger die Geschichte seiner eigenen Kindheit als Sohn einer heroinsüchtigen Mutter am Stadtrand von Salzburg, in „Der Fuchs“ ein Kapitel aus dem Leben seines Urgroßvaters, der als Motorradkurier im Zweiten Weltkrieg monatelang mit einem Fuchs im Beiwagen unterwegs war. Auch „Märzengrund“ nach dem gleichnamigen Stück des Tiroler Dramatikers Felix Mitterer basiert als sogenannte außergewöhnliche Lebensgeschichte auf wahren Ereignissen: Ein Jungbauer im Zillertal will Ende der 1960er Jahre nicht den Hof seines reichen Vaters übernehmen, baut sich im Hochgebirge eine primitive Hütte und kehrt nicht wieder ins Tal zurück. Und in „Rickerl“, dem bislang einzigen Film Goigingers, der nicht auf einer wahren Begebenheit beruht, tritt der erfolgreiche Wiener Dialektsänger Voodoo Jürgens als erfolgloser Dialektsänger und somit als seine eigene Kunstfigur auf. Schreibt vielleicht doch das wahre Leben die besten Geschichten? 

Roter Wunschballon

Als Clown arbeite man, anders als in der Schauspielerei, das ganze Leben lang an einer Rolle, meint Heli, als er Barbara die Kunst und die Lebensphilosophie der Clownerie beibringt. „Wünsche können, wenn man sie net wirklich erreicht, immer größer werden“, erklärt er einmal seinem kleinen Sohn. „Und vielleicht wird mein Wunschballon immer immer größer und schwerer. Und was ich mir mei’ Lebtag lang gewunschen hab, erdrückt mich fast. Am End ist mei’ Wunsch wieder ganz klan, aber er gehört mir.“ Vielleicht hat man deshalb schon lange nicht mehr im Kino einen roten Ballon so wunderbar davonfliegen sehen wie am Ende dieses Films.

ab 5.3., Cinema Dornbirn (Adrian Goiginger ist am 12.3. um 19.30 Uhr persönlich anwesend)