"Mit einem Tiger schlafen": Anja Salomonowitz‘ Spielfilm über die Künstlerin Maria Lassnig derzeit in den Vorarlberger Kinos (Foto: Stadtkino Wien Filmverleih)
Michael Pekler · 13. Mai 2024 · Film

Neu in den Kinos: „Teaches of Peaches“

Die Musikdoku des gebürtigen Vorarlbergers Philipp Fussenegger erkundet den Weg der Kanadierin Merrill Nisker zur international gefeierten Künstlerin Peaches. Schräg, schrill, laut, gut. Fuck the pain away.

„Sobald sie auf der Bühne ist, brennt sie. Aber manchmal fordert dieses Feuer einen negativen Tribut von ihr. Denn sie weiß um ihr Vermächtnis und die Erwartungen, die die Leute an sie haben.“ Black Cracker weiß, wovon er spricht. Als Freund und Partner von Peaches kennt er alle Seiten der vielseitigen Elektro-Punk-Künstlerin. Nun sitzt er für eine Dokumentation vor der Kamera und versucht zu erklären, was in Peaches das Feuer lodern lässt. Das gelingt mäßig gut, macht aber nichts. Denn sobald man Peaches bei den Proben, hinter der Bühne und dann vor allem beim Live-Auftritt sieht, weiß man das ohnehin augenblicklich. „Fuck the pain away“ heißt nicht umsonst ihr größter Hit.
Im Gegensatz zur Erscheinung ihrer Protagonistin haben sich der gebürtige Vorarlberger Regisseur Philipp Fussenegger („I Am The Tigress“) und Co-Regisseurin und Cutterin Judy Landkammer für einen eher konventionellen Zugang für ihre Musikdoku entschieden. Die größte Herausforderung sei es gewesen, „weder einen klassischen Tourfilm noch eine klassische Biografie zu schaffen“, so die beiden, „sondern eine Parallelerzählung, in der Peaches’ Message und ihre Entwicklung klar herausgearbeitet werden, ohne dabei nostalgisch zu werden.“ Doch ganz ohne Tour, Biografie und vor allem Nostalgie geht es – trotz zahlreicher die Jahrzehnte überbrückender Parallelmontagen – in „Teaches of Peaches“ dann natürlich doch nicht. Was kein Nachteil ist. 
Spannend ist nämlich vor allem das Archivmaterial, mit dem man parallel zu den Aufnahmen der „The Teaches of Peaches Anniversary Tour“ in die Anfänge der queeren Subkultur-Ikone abtaucht. Die Kindheit spielt keine Rolle, soll es wohl auch nicht, besser sind ohnehin Aufnahmen aus einem Kindergarten in Toronto, wo die junge Merrill Beth Nisker, aus der Peaches werden wird, mit einer Gitarre dem Nachwuchs das richtige Zuhören lehrt. „Ich dachte, man kann keine Musikerin werden, wenn man nicht Musik studiert hat“, erklärt sie viele Jahre und eine Karriere später. „Ich habe einfach nur Lieder gesungen. Ich war mir nicht mal sicher, was eine Musikerin ist.“

Geniale Groovebox 

Überraschenderweise erlebt man den ersten Konzertauftritt im Film erst nach knapp zwanzig Minuten, zum Aufwärmen werden Stimmen von Ensemble und Freundinnen gereicht: Neben Gitarristin Bláthin Eckhart und Schlagzeugerin Tif „Teddy“ Lamson erzählt etwa der New Yorker Kostümdesigner Charlie Le Mindu, wie er die Frisuren der Band aufeinander abstimmt. Oder die ehemalige Wegbegleiterin Leslie Feist erinnert sich, wie sich damals die Kakerlaken in der gemeinsamen Wohnung wohlfühlten und die Freundinnen und Bandkolleginnen sich nur dem verpflichtet fühlten, was sich richtig anfühlte. Fussenegger und Landkammer berichten anhand des frisch zur Verfügung gestellten Archivmaterials, wie aus der Kindergartengitarristen Nisker die Groovebox-Künstlerin Peaches und das Spiel mit Geschlechterrollen („Ich bin nicht vulgärer als andere, glaube ich“) zu einer wesentlichen Trademark wurde, oder erzählen von den Ausflügen in die Video-Performance. Wer hätte nicht gerne, wie Peaches als Teil des Berliner Two-Four-Five-Kollektivs, „drei Minten Zeit, um irgendetwas zu machen und möglichst wenig zu schneiden“. 
Als dramaturgischen Gimmick verwendet die Doku gerne den sprunghaften Wechsel zwischen den Jahren innerhalb desselben Songs, um mit dem Live-Auftritt im WFM Berlin zu enden, wo Peaches seit zwanzig Jahren ihr Zuhause gefunden hat. Das eigentliche Ende sieht jedoch anders aus: „Ich wollte keine Doku machen, in der es darum geht, dass ich mal eine Karriere hatte und jetzt nur noch von Katzen umgeben und eine seltsame Katzenlady bin“, sagt sie, sitzt da und streichelt eine Katze. „Aber das bin ich jetzt.“

ab 16.5., Filmforum Bregenz (Vorarlberg-Premiere und Gespräch mit Regisseur Philipp Fussenegger am Do, 16.5.)
18.5. Spielboden Dornbirn (Einzeltermin)