Neu in den Kinos: „Glennkill: Ein Schafskrimi“
Wenn es jemandem gelingt, diesen Mordfall aufzuklären, dann sind es Schafe. Schließlich hat die knuddelig animierte Herde das von ihrem Schäfer Hugh Jackman gelernt. Eine mit Charme und Witz gefütterte Familienkomödie, die auch ein paar immer gültige Lebensweisheiten parat hält.
Es ist ein schönes Plätzchen, das George Hardy (Hugh Jackman) für sich und seine Schafe ausgesucht hat. Die grüne Weide, über der jeden Abend die Sonne untergeht, ist weit genug entfernt vom nächsten Städtchen, von dessen Bewohner:innen sich der Schäfer möglichst fernhält. Lieber kümmert sich der passionierte Einzelgänger und fürsorgliche Witwer um seine tierischen Freunde und Freundinnen. Nicht nur mit einer seltsamen blauen Medizin und viel Zuspruch, sondern auch mit Lesefutter. Dann sitzt Hardy im letzten Tageslicht vor seinem Trailer und liest seinen Schafen Kriminalromane vor. Ohne zu ahnen, dass die Tiere ihn verstehen und vor dem Einschlafen im Stall über die Lösung der Fälle rätseln. Und dass ihn bald ein ähnliches Schicksal ereilen wird wie die Opfer in seinen Geschichten: Eines Morgens liegt George Hardy tot auf der Wiese.
Tierische Leistung
Die anfängliche Irritation, dass ab diesem Zeitpunkt die animierten und untereinander sprechenden Schafe die Ermittlungen aufnehmen, ist schnell verflogen. Denn erstens braucht der trottelige Dorfpolizist bei seinem ersten Mordfall eindeutig Unterstützung, zweitens sind die Schafe durch Hardys Lesestunden einschlägig vorgebildet und drittens gelingt es „Glennkill: Ein Schafskrimi“ („The Sheep Detectives“) vortrefflich, die tierische und menschliche Welt als gleichberechtigt darzustellen. Lily, Mopple, Sebastian, Cloud und Sir Richfield verdienen und bekommen also dieselbe Aufmerksamkeit wie Hugh Jackman und Emma Thompson, die als Testamentsvollstreckerin die tatverdächtigen Dörfler vom Fleischhauer bis zum Pfarrer um sich versammelt. Im Original lassen Stars wie Patrick Stewart, Bella Ramsey und Bryan Cranston als Schafe von sich hören, für die deutsche Synchronfassung liefern Anke Engelke und Bastian Pastewka wie gewohnt eine souveräne Leistung.
Zuvorderst überzeugt „Glennkill“ jedoch durch seinen charmanten, selbstironischen Humor und einen zwar durchschaubaren, aber lustvoll gespielten Krimiplot. Warum können Schafe, nachdem sie bis drei gezählt haben, alles vergessen? Ist das zweckmäßig, wenn man Detektiv spielt und sich eigentlich erinnern will? Warum essen die Menschen in der Kirche ihren Gott in Form eines Brotes? Und warum ist ein grüner Fleck auf Hardys rechter Hand mindestens so verdächtig wie seine angereiste Tochter (Molly Gordon), die er nach dem Tod seiner Frau zur Adoption freigegeben hat?
Armes Lamm
„Glennkill“ basiert auf dem gleichnamigen Roman der unter einem Pseudonym schreibenden deutschen Krimiautorin Leonie Swann, deren mitunter recht düstere Vorlage hier familienfreundlich adaptiert wurde. Weshalb jede Altersgruppe auf ihre Kosten kommt, wenn entweder philosophiert, auf die Tränendrüse gedrückt oder Weisheiten über Toleranz – das arme ausgeschlossene Winterlamm! – gelehrt werden.
Man sollte sich diesen Film nicht wegen Hugh Jackman ansehen, den das Marketing trotz des baldigen Ablebens seines Schäfers verständlicherweise prominent aufs Plakat gepappt hat. Man sollte sich auch nicht daran stören, dass die Schafe im Vergleich zu ihrem populären Artgenossen Shaun hauptsächlich quatschen und Hilfspolizei spielen. Stattdessen kann man sich an einem in der Wolle gefärbten Whodunit erfreuen, an dessen Ende die Gewissheit steht, dass der Wahrheit zumindest mithilfe von Schafen noch zum Sieg verholfen werden kann.
ab 14.5. Kinothek Lustenau, Cineplexx Hohenems, Cineplexx Lauterach (alle dF), SKino Schaan (OmU)
ab 17.5. Kino Bludenz